Roel Moors folgt bei den Baskets Bonn auf Tuomas Iisalo auf der Position des Cheftrainers.

Basketball-Bundesliga Mehr Umbruch geht nicht - Baskets Bonn vor Saison mit vielen Fragezeichen

Stand: 27.07.2023 08:15 Uhr

Die Telekom Baskets Bonn befinden sich in einem kompletten Umbruch. Alle Spieler haben den Verein nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte verlassen. Ein Grund: Die fehlende langfristige Perspektive.

"Nicht wirklich", antwortet Savo Milovic auf die Frage, ob er sich nach der aufregenden Saison erholen konnte. "Es war seit langem nicht mehr so eine kurze Off-Season", sagt der Sportdirektor der Telekom Baskets Bonn im Gespräch mit dem WDR.

Die vergangene Saison war kräftezehrend, nicht nur für die Spieler. Die Bonner holten mit dem Gewinn der Champions League den ersten Titel der Vereinsgeschichte und wurden in der Basketball-Bundesliga (BBL) Vize-Meister. Wenige Tage nach Saisonende verkündete Erfolgs-Coach Tuomas Iisalo nach zwei Jahren seinen Abschied. Als Grund nannte Iisalo unter anderem den notwendigen Neustart und fehlende Kommunikation mit Sponsor Telekom.

Bonn kann erst seit Mitte Juni planen

Während der gesamten Spielzeit wurde über die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Bonner Unternehmen spekuliert - kurz vor dem Saisonende gab der Konzern bekannt, die vertraglich festgelegten Zuwendungen für die kommende Spielzeit um eine Million Euro zu erhöhen.

Aufgrund der Ungewissheit, wie es finanziell weiter geht, konnte der Verein in der ersten Jahreshälfte kaum auf dem Markt agieren und wartete auf eine Entscheidung. "Natürlich wollen wir und auch die Spieler am liebsten Langfristigkeit", sagt Milovic. Die habe man aufgrund der fehlenden Planungssicherheit Trainern und Spielern nicht bieten können.

Savo Milovic leitet das sportliche Management der Baskets Bonn.

Bonns Sportdirektor Savo Milovic

"Je tiefer wir in der Saison waren, umso erfolgreicher waren wir. Hätten wir früher eine Entscheidung bekommen und unsere Spieler im Winter angesprochen, hätten wir vielleicht bessere Chancen gehabt, einige zu halten. So wurden andere Vereine aufmerksam", sagt Savo Milovic: "Wir hatten keine Möglichkeit unseren Spielern einen langfristigen Vertrag anzubieten oder sie mit einem finanziell besseren Angebot zu locken."

Iisalo nimmt Teile des Kaders mit nach Paris

In der Folge verließ neben Iisalo, bis auf Co-Trainer Marko Stankovic, auch der gesamte Staff sowie alle Spieler den Verein. "Es war mit dem Hintergrund ein logischer und natürlicher Umbruch", sagt Milovic. Iisalo zog es zum 2017 neugegründeten und französischen Erstligisten Paris Basketball.

Der 40-Jährige lotste Tyson Ward, Leon Kratzer, Michael Kessens und Collin Malcom in die französische Hauptstadt. Auch ein Wechsel von BBL-MVP TJ Shorts und Sebastian Herrera nach Paris ist vorstellbar. "Das ist außergewöhnlich, dass so viele Spieler dem Trainer hinterhergehen. Aber es spiegelt die Beziehung zwischen den Spielern und dem Trainer wieder.", sagt Milovic.

Abgänge Telekom Baskets Bonn
Name Position Neuer Verein
TJ Shorts Guard unbekannt
Zach Ensminger Guard BG Göttingen
Karsten Tadda Guard Brose Bamberg
Sebastian Herrera Guard unbekannt
Deane Williams Forward Baskets Oldenburg
Collin Malcolm Forward Paris Basketball
Tyson Ward Forward Paris Basketball
Jeremy Morgan Forward JL Bourg
Finn Delany Forward unbekannt
Javontae Hawkins Forward unbekannt
Michael Kessens Center Paris Basketball
Leon Kratzer Center Paris Basketball

Die Reaktion auf Iisalos Abschied erfolgte schnell. Mit Roel Moors verpflichteten die Bonner einen Bundesliga-erfahrenen Trainer, der "mit gegebenen Mitteln immer das Maximum aus seinen Teams geholt hat", sagt Bonns Spordirektor: "Wir waren sehr froh, dass er sich getraut hat, nach zwei erfolgreichen Jahren in Göttingen sich bei uns dieser Herausforderung zu stellen."

Zusammen mit Moors habe man nach Spielern gesucht, die charakterlich zum Verein, zur Stadt und den Fans passen. "Es ist vielleicht auch gar nicht so verkehrt, dass wir mit einem neuen Trainer auch eine komplett neue Mannschaft haben", sagt Milovic, der hofft mit einigen Zweijahresverträgen einen Teil des Kaders länger binden zu können. "Jedes Jahr eine ganz neue Mannschaft formen zu müssen ist schwierig und riskant."

Zwei Spieler werden noch gesucht

Zehn Spieler haben die Bonner bereits verpflichtet. Darunter auch Nationalspieler Christian Sengfelder und Rückkehrer Florian Koch. Der gebürtige Bonner ist mit seinen 31 Jahren der älteste Neuzugang und soll eine junge Mannschaft anführen. "Gerade abseits des Feldes ist Flo goldwert für uns", sagt Milovic.

Koch hatte 2017 nach zwölf Jahren die Baskets verlassen und kehrt nach Stationen in Ludwigsburg, Würzburg, Gießen und zuletzt Rhöndorf nun in seine Heimat zurück. Der Kader ist eine Woche vor Trainingsstart fast vollständig. Einzig zwei Import-Spieler werden noch gesucht.

Neuzugänge Telekom Baskets Bonn
Name Position letzter Verein
Harald Frey Guard BG Göttingen
Brian Fobbs Guard Kangoeroes Basket Mechelen
Sam Griesel Guard/Forward University of Nebraska
Christian Sengfelder Forward Brose Bamberg
Florian Koch Forward Dragons Rhöndorf
Till Pape Forward BG Göttingen
Noah Kirkwood Forward Long Island Nets
Leon Bulic Forward/Center Brose Bamberg
Benedikt Turudic Center Basketball Löwen Braunschweig
Thomas Kennendy Center University of Windsor

Saison mit vielen Fragezeichen

Die Baskets stehen vor einer Saison mit vielen Fragezeichen. Ein neues Trainerteam und neue Spieler, die aus vielen verschiedenen Ligen zusammen kommen und erst einmal zusammenfinden müssen. Es ist im deutschen Basketball aufgrund der kurzfristigen Verträge nicht ungewöhnlich, dass ein Großteil des Kaders neu zusammengestellt wird. Dass kein einziger Spieler aus der alten Saison übrig bleibt allerdings schon.

Der neue Bonner Kader bleibt eine Wundertüte. Für Savo Milovic gilt dennoch: "Wir müssen in der BBL die Playoffs erreichen." Dies werde "schwerer als je zu vor", prognostiziert der 37-Jährige. Und auch in der Champions League strebt Bonn ein erneutes Erreichen der besten 16 Teams an. "Als Titelverteidiger in der Champions League anzutreten wird eine Herausforderung."