Christian Streich (li.) und Kevin Schade

Fußball | Bundesliga SC Freiburg: Kein Aktionismus auf dem Transfermarkt

Stand: 17.01.2023 17:28 Uhr

Der SC Freiburg agiert auf dem Transfermarkt unaufgeregt - und das auch nach dem Abgang von Youngster Kevin Schade in die Premier League. Dass sich das nicht ändert, liegt auch an den Überzeugungen des Sport-Clubs.

Unaufgeregt ist ein Wort, das den Transfermarkt und das Handeln der Clubs auf eben diesem nur selten treffend beschreibt. Anders ist das beim SC Freiburg. Der agiert da – vor allem in diesem Winter – betont gelassen, fast ein wenig wie Trainer Christian Streich.

Der sagte zuletzt über die sportliche Arbeit im Trainingslager: "Wir arbeiten nicht an ein, zwei Sachen, sondern ganzheitlich." Ein solcher Satz träfe auch auf die Kaderzusammenstellung zu. Es ist jener ganzheitliche Blick, der aktuell dafür sorgt, dass der SC keine überhasteten Transfers tätigt. Das zeigen die aktuellen Abgänge und Leihgaben.

YouTube-Video von SWR Sport: "👊Duell vs. Petersen, emotionaler Keitel😨 Der SC im TRAININGSLAGER - DEIN SCF #56 l SWR SPORT"

Abgänge, die kompensiert werden können

So darf sich etwa Keven Schlotterbeck beim VfL Bochum Spielpraxis holen. Beim SC hatte der Bruder von Nationalspieler Nico Schlotterbeck zuletzt nur wenig Spielzeit erhalten und war nicht an Matthias Ginter und Philipp Lienhart, die in der Freiburger Innenverteidigung gesetzt sind, vorbeigekommen. Mit Hugo Siquet gab der Club einen weiteren Defensivmann ab, der kaum eine Rolle spielte.

Anders ist das beim Wechsel von Kevin Schade in die Premier League. Der 21-Jährige soll schon im vergangenen Sommer vom FC Brentford umworben worden sein, damals aber haben die Freiburger die Offerte dem Vernehmen nach noch abgeblockt. In diesem Winter aber dürfte das Angebot für den Spieler, der sich im Breisgau ins Rampenlicht spielte, so beachtlich gewesen sein, dass der Transfer - erst Leihe, dann Kaufpflicht ab einer gewissen Zahl von Einsätzen - kaum auszuschlagen war.

Potenzial und Zeit, es abzurufen

Wie die Verantwortlichen und auch Schade selbst diesen Wechsel kommentiert haben, lässt Schlüsse auf die Transferpolitik des Vereins und den persönlichen Umgang mit jungen Spielern zu. "Ich habe Freiburg viel zu verdanken. Beim Sport-Club bin ich Bundesligaspieler geworden und der Verein stand auch in schwierigen Zeiten immer hinter mir", sagte Schade. "In England sehe ich die Chance auf den nächsten Schritt in meiner Karriere. Diese Chance möchte ich unbedingt ergreifen."

Das weiß auch der Sport-Club, der Schade auch deshalb ziehen lässt, weil es Teil des Konzepts ist: Spieler auszubilden, auf und neben dem Platz, ihnen Zeit und Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Das ist eine Stärke des SC.

In der Abwehr bekommt nun erneut ein junger Spieler seine Chance, sich zu beweisen. Denn mit Kenneth Schmidt ist ein Innenverteidiger aus der zweiten Mannschaft ins Bundesliga-Team gerückt. Auch er, gerade einmal 20 Jahre alt, darf sein großes Potenzial nun im Bundesliga-Kader weiter entwickeln.

Easy like SC Freiburg

Weil der Kader der Freiburger in der Breite gut aufgestellt ist und Spieler schon in jungen Jahren ihre Chance auf höchstem Niveau bekommen, können Abgänge auch ohne sofortigen Neueinkauf kompensiert werden. Spieler wie Kiliann Sildillia (20), Yannik Keitel (22) oder Noah Weißhaupt (21) sind gute Beispiele. Und ein Grund dafür, dass ein Bundesliga-Club auf dem Transfermarkt auch mal ganz unaufgeregt agieren kann.

SWR Sport Interview mit SC Freiburg Trainer Christian Streich