Schach ist auch ein Sport für Kinder

Schach in Rheinland-Pfalz Erfolge von Supertalent Keymer sollen Mitgliederschwund im Schachsport bremsen

Stand: 17.01.2023 13:56 Uhr

Seit Vincent Keymer aus Saulheim die Schachwelt erobert, ist das Brettspiel wieder öfter in aller Munde. Fakt ist aber auch, dass die Mitgliederzahlen in den Vereinen in Rheinland-Pfalz in den letzten Jahren deutlich gesunken sind.

Er sorgt für Schlagzeilen - Vincent Keymer. Der inzwischen 18-Jährige aus dem rheinhessischen Saulheim ist auf dem Weg, ein ganz Großer zu werden in seinem Sport. Zuletzt wurde er Vize-Weltmeister im Schnell-Schach und unterlag nur dem Norweger Magnus Carlsen, dem unbestritten aktuell besten Schachspieler der Welt.

"Das kann man nicht so begreifen, dass er so gut spielt"

Auf Keymer sind sie natürlich mächtig stolz beim Schachklub Gau-Algesheim. "Jetzt sieht man, er spielt mit den ganz großen Namen. Er spielt so erfolgreich. Vize-Weltmeister im Schnell-Schach. Das kann man nicht so begreifen, dass er so gut spielt. Das ist was ganz Verrücktes", sagt Felix Kling, der als Spieler und Trainer beim Schachklub in Gau-Algesheim aktiv ist.

Vize-Weltmeistertitel im Schnellschach ein erstes Ausrufezeichen

Vincent Keymer ist dort schon Ehrenmitglied, trotz seines jugendlichen Alters. Dort begann seine Karriere noch als Kind. Mittlerweile hat er sich zum besten Schachspieler Deutschlands entwickelt und zählt zu den 50 besten seines Fachs in der Welt. Läufer, Springer, Bauern, Turm sowie Dame und König - die Schachfiguren sind seine Welt und sein Werkzeug, mit dem er große Erfolge feiert, so wie zuletzt Vize-Weltmeister im Schnellschach.

"Es war jetzt ein Rapid-Turnier, wo es extrem gut für mich lief. So wie ich gespielt habe, war ich sehr zufrieden. Aber jetzt Schlüsse auf die klassischen Partien und die Rangliste zu ziehen, das würde ich jetzt nicht machen", sagt Keymer, der damit noch etwas auf die Euphoriebremse tritt. Der Weg zum WM-Titel im klassischen Schach ist noch weit, aber nicht außer Reichweite.

Mitgliederschwund durch Online-Schach

Die mediale Aufmerksamkeit durch das Supertalent Keymer ist das Eine, aber der Schachsport im Land hat in Wahrheit große Probleme.

Der Schachsport in Rheinland-Pfalz ist in der Krise

1000 Mitglieder sind schon abgewandert in Rheinland-Pfalz in den letzten drei Jahren. In Rheinhessen hat sich die Zahl der Schachvereine in den letzten 20 Jahren halbiert. Die Gründe: Online-Schach beziehungsweise die Pandemie. Denn Vereinsabende durften in der Coronazeit teilweise nicht stattfinden, wenn dann nur mit Maske. Warum dann weiter im Schachklub spielen, Mitgliedsbeitrag bezahlen?

Schach im Netz boomt

Gleichzeitig boomte das Schachspielen im Internet. Marius Friedrich, der erste Vorsitzende des Schachklubs Gau-Algesheim, beschreibt das Problem so. "Es ist alles teurer geworden, was das Lokal angeht. Für die Person, wenn sie über mehrere Kilometer kommt. Die Anreise ist teurer. Man hat auch gemerkt, es geht auch anders. Und im Internet war der Boom so groß, dass die Plattformen eine so große Qualität geliefert haben. Da haben sich manche überlegt, ob sie nach einer langen Woche, weil das meist am Wochenende stattfindet, ihre Freizeit opfern und dann hierherkommen."

Weckruf durch Keymer-Erfolge

Aktuell spielen noch rund 7.000 Leute in den Vereinen in Rheinland-Pfalz, etwa 75 sind es in Gau-Algesheim. Doch der Trend zeigt fallende Tendenz. Und da ruhen die Hoffnungen nun auf Vincent Keymer. "Wenn er Weltmeister werden würde, also im langen Schach, nicht im Schnellschach, das könnte eine richtige Welle bringen, auch durch ein Medienecho", glaubt Marius Friedrich.

Es könnte ein Weckruf sein für alle, die das Schachspiel mit seinen Anforderungen an Strategie und Taktik fasziniert.