Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter kommt zu seinem Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Fußball | FIFA-Skandal Blatter bei FIFA-Prozess: "Kann nicht richtig atmen"

Stand: 08.06.2022 16:35 Uhr

Der demonstrativ guten Laune von Ex FIFA-Präsident Sepp Blatter folgte das überraschende Aus. Vier Stunden nach Prozessbeginn bat der 86-Jährige um Verschiebung der Befragung, er sei gesundheitlich angeschlagen.

Auf dem Weg in den Gerichtssaal gaben sich die beiden Angeklagten Joseph S. Blatter und Ex-UEFA-Präsident Michel Platini noch betont gelassen. "Mit der schönen Sonne, die da ist, bin ich gut gelaunt. Ich bin zuversichtlich, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe", sagte Blatter am Mittwochmorgen bei seiner Ankunft am Bundesstrafgericht im schweizerischen Bellinzona vor den rund einem Dutzend TV-Kameras. "Es dauert zwei Wochen, also muss ich doch am ersten Tag guter Laune sein."

Prozessauftakt gegen Blatter ud Platini in Bellinzona

Blatter-Vernehmung wegen gesundheitlicher Probleme verschoben

Dann kam die überraschende Wende: Er sei sehr müde, sagte Blatter nach den ersten gut vier Stunden des mit Spannung erwarteten Prozesses: "Hohes Gericht, es geht mir nicht gut. Ich habe eine Beschwerde, die wieder zurückkommt, dann kann ich auch nicht richtig atmen. Ich sehe mich nicht in der Lage, zu antworten", sagte Blatter. Nach Angaben von Rechtsanwalt Lorenz Erni habe sein Mandant Brustschmerzen und Atemschwierigkeiten. Die Vernehmung von Blatter soll nach dessen Krankmeldung wurde um einen Tag verschoben. Am Donnerstag soll auch Platini erstmals vor Gericht aussagen.

Platini-Anwälte sprechen von Komplott

Bis dahin war der Auftakt im Prozess gegen die einstigen Fußball-Spitzenfunktionäre vom rhetorischen Schlagabtausch der verschiedenen Lager geprägt. Dabei stand die Strategie der Platini-Anwälte, die wie schon vor dem Verfahrensbeginn das Bild eines Komplotts gegen den ehemaligen UEFA-Boss zeichneten, im Mittelpunkt. Laut Platini-Anwalt Dominic Nellen gebe es "einen direkten Zusammenhang" zwischen dem Betrugsverdacht gegen seinen Mandanten und den geheimen Treffen zwischen dem aktuellen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino mit dem früheren Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber. Deshalb gehe es um die Frage, wer ein Interesse an diesem Verfahren gehabt habe. Tatsächlich ist nicht bekannt, wie die Ermittler auf den Vorgang gestoßen sind.

Staatsanwalt Thomas Hildbrand und FIFA-Anwältin Catherine Hohl-Chirazi wiesen diese Mutmaßungen jedoch zurück. Hohl-Chirazi warf der Platini-Seite vor, eine "Verschwörungstheorie" aufzustellen. Das Gericht beriet gegen Mittag über mehrere Anträge der Verteidigung. So forderten die Anwälte unter anderem die FIFA als Privatklägerin auszuschließen und das Verfahren an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen.

Urkundenfälschung und Veruntreuung

Die Generalanwaltschaft der Schweiz (OAG) wirft Blatter und Platini vor, dass sie den Weltverband über eine angeblich noch ausstehende Forderung Platinis getäuscht haben. Blatter soll laut Anklage unrechtmäßig die Zahlung der FIFA in Höhe zwei Millionen Franken (nach heutigem Stand rund 1,92 Millionen Euro) plus Sozialversicherungsbeiträge an Platini bestätigt haben. Es geht also um Urkundenfälschung. Der Schweizer Blatter ist zudem wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung angeklagt, der Franzose Platini wegen Beihilfe dazu.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) ermittelte seit 2015 in dem Fall, die Klage wurde im November des vergangenen Jahres eingereicht. Der Prozess ist bis zum 22. Juni angesetzt, elf Verhandlungstage soll es geben. Das Urteil wird für den 8. Juli erwartet. Die möglichen Strafen reichen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.