Der neue BFC-Trainer Heiner Backhaus. / imago images/Eibner

Interview | Neuer BFC-Trainer Backhaus "Es ist ein sehr rauer Klub, aber ich bin auch ein sehr rauer Mensch"

Stand: 15.06.2022 14:24 Uhr

Der BFC Dynamo hat überraschend Heiner Backhaus als neuen Trainer präsentiert. Im Interview erklärt der Weltenbummler, was er in Südeuropa über den Fußall gelernt hat, warum er lieber Regionalliga als Bundesliga schaut - und was er Schalke 04 verdankt.

rbb|24: Heiner Backhaus, die Sportfreunde Lotte hatten bereits Ihr Engagement verkündet, bevor Sie sich doch noch für den BFC Dynamo entschieden. Wie liefen die Gespräche mit dem BFC ab, was hat Sie besonders an der neuen Aufgabe gereizt?
 
Heiner Backhaus: Ich habe in den letzten Jahren mit ganz kleinen Vereinen gearbeitet. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Wir haben mit minimalem finanziellem Aufwand die maximalen sportlichen Ziele erreicht. Mein Traum war es aber immer, mal in einem Klub wie dem BFC Dynamo trainieren zu können, also einen Traditionsverein. Ich bin ein sehr emotionaler Typ, ich lebe den Fußball. Mich reizen die Tradition und die Fans, es ist ein sehr rauer Klub. Aber ich bin auch ein sehr rauer und emotionaler Mensch. Es gibt viele Leute, die mich gut kennen und die sagen, das könnte passen wie die Faust aufs Auge.

Der neue Mann an der Seitenlinie des BFC Dynamo: Heiner Backhaus. / imago images/Oliver Vogler
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Sie haben vorher bereits zahlreiche Fußballkulturen kennengelernt, waren in acht Ländern aktiv, zum Beispiel in Zypern und Saudi-Arabien. Was haben Sie über den Fußball gelernt?
 
Die Wichtigkeit des Fußballs. Es ist egal, in welchem Teil der Erde du Fußball spielst, es geht immer darum, erfolgreich zu sein. Insbesondere im Süden Europas ist das Spiel am Wochenende unheimlich wichtig für die Gesamtsituation der gesamten Stadt. Das ist sehr prägend, wie viel Verantwortung man als Trainer oder Spieler hat. In Deutschland geht es schon viel inhaltlicher zu, es wird weniger polemisch kritisiert. Es ist aber sehr, sehr gut für mich, dass ich das erleben durfte. Da zehre ich als Mensch und Trainer von.
 
Welche Station war für Ihre Entwicklung besonders wichtig?
 
Da würde ich bis in meine Jugend zurückgehen und meine Zeit bei Schalke 04 hervorheben. Der Klub steht für traditionelle Werte und spricht ein Arbeiterklientel an. Es herrscht ein rauer Umgangston, dort bin ich groß geworden und so wurde ich geprägt. Man muss sich die Wahrheit ins Gesicht sagen.

In Malta wurden Sie mit Valetta Meister, schlugen in einem Fußball-Cup zur Winterpause sogar Juventus Turin. Ihr größter sportlicher Erfolg?
 
Das war eine super Erfahrung. Ich habe zuhause noch das Trikot von Hasan Salihamidžić aus dem Spiel. In Malta gab es damals ein Riesenfest, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich finde aber Erfolge generell wichtiger, die eine gesamte Saison beinhalten. An einem Tag eine gute Leistung abzuliefern, ist immer auch formabhängig, hinter einer ganzen guten Saison steht hingegen aber immer ein Plan, Organisation und ganz viel Fleiß. Den Meistertitel fand ich damals also noch wichtiger.
 
In Malta sollen Sie eine Berühmtheit geworden sein.
 
(Lacht) Ich hatte als Spieler immer sehr lange, blonde Haare, damit fiel man in Malta auf. Mit 1,87 Meter war ich zudem auch einer der Größten. Valetta ist aber auch eine der Städte, wo der Verein und Fußball gelebt werden.
 
Später spielten Sie in Saudi-Arabien. Wie fühlt es sich an, dort als Profi aktiv zu sein?
 
Der Job ist überall derselbe. In Saudi-Arabien war es natürlich unglaublich heiß, daran musste ich mich gewöhnen. Die Liga war aber super, dort spielen zahlreiche internationale Topstars. Ich habe dort gegen Spieler gespielt, auf die ich in Deutschland nie getroffen wäre, weil ich nicht gut genug war. Saudi-Arabien ist schon ein Fußball-Land.

Ein Fußballbegeisterter wie Sie, der eher in der Peripherie des absoluten Spitzenfußballs aktiv war, wie blickt der auf den gegenwärtigen Elite-Fußball, in dem mit Millionensummen jongliert wird und in dem einige wenige reiche Klubs die Herrschaft innehaben?
 
Das ist ein Trend, den man gar nicht stoppen kann. Ich finde aber deshalb den Fußball, der in der Regionalliga gespielt wird, nicht weniger attraktiv. Wenn ich die Wahl zwischen einem Spiel von Rot-Weiss Essen oder Borussia Dortmund hätte, würde ich mir lieber Rot-Weiß Essen anschauen. Das ist der ehrlichere Fußball, man findet noch einen Zugang und kennt teilweise die Spieler persönlich. Das finde ich deutlich angenehmer. Aber natürlich gucke ich auch die Champions League, aber ich verfolge die Top-Teams nicht mehr so wie noch als Spieler.
 
Sie haben vor 20 Jahren auch bei Union Berlin gespielt, existieren aus dieser Zeit noch Verbindungen zu Stadt oder Klub?
 
Viele aus dieser Zeit sind heute Trainer, man läuft sich also immer mal wieder über den Weg. Zum Beispiel habe ich gegen Sreto Ristić als Trainer der Kickers Offenbach jetzt schon einige Male gespielt. Auch mit Christian Fiel gibt es hin und wieder Kontakt. Richtige Freundschaften habe ich allerdings im Fußball selten gehabt.

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Haben Sie Ihre neue Mannschaft beim BFC denn schon kennengelernt?
 
Mit einigen Spielern habe ich schon sprechen können, andere sind noch im Urlaub. Ich freue mich, wenn die auch noch zurückkommen – sie haben ja ein Wechselbad der Gefühle hinter sich. Man merkt jetzt schon in den Gesprächen, dass damit alle unterschiedlich umgehen. Wenn der Ball dann wieder rollt, hat man Lust darauf, in die Zukunft zu schauen.
 
Was ist das Ziel für die nächste Saison?
 
Besser als Erster zu werden, geht ja gar nicht – der BFC hat also letztes Jahr eine super Runde gespielt. Das Ziel ist es jetzt, diese Mannschaft zu halten und dann weiterzuentwickeln. Wir sind derzeit noch weit davon entfernt, dass wir schon alle Spieler unter Vertrag haben. Wir müssen darum kämpfen, dass das Team im Kern zusammenbleibt – das ist sehr wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!
 
Das Interview führte Shea Westhoff, rbb Sport.