Claus-Dieter Wollitz klatscht (Bild: Imago/Fotostand)

Kadersorgen bei Energie Cottbus "Einfach mal so Erster werden wird nicht möglich sein"

Stand: 16.06.2022 12:09 Uhr

Eine Woche vor dem Trainingsstart gibt es beim FC Energie Cottbus noch große Lücken. Zwei Neuzugänge stehen zehn Abgängen gegenüber. Der Kader muss breiter werden. Kommt da noch was? Von Andreas Friebel

Noch eine knappe Woche haben die Kicker von Energie Cottbus frei. Auch Trainer Claus-Dieter Wollitz ist ein paar Tage im Urlaub. Allerdings bekommt er nur wenig Erholung. Da der aktuelle Kader noch etwas klein ist, versucht Wollitz auch in seinem Urlaub, neue Spieler vom FC Energie zu überzeugen. Immer klappt das aber offenbar noch nicht.

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Am Mittwoch, den 22. Juni, ist die Sommerpause für die Cottbuser Spieler vorbei. Knapp vier Wochen nach dem Sieg im Landespokal über Krieschow (2:0) will Trainer Claus-Dieter Wollitz sehen, wie seine Jungs über die freien Tage gekommen sind. Zunächst stehen aber Leistungstests an. Erstmals auf den Rasen geht es am 25. Juni bei einer Art Geheimtraining ohne die Öffentlichkeit. Die bekommt den neuen FC Energie am 26. Juni bei einem öffentlichen Training zu sehen.
 
"Wir haben lange diskutiert, ob es nicht besser wäre, ein paar Tage früher anzufangen. Durch den Landespokal hatten wir aber eine relative lange Saison", weshalb Trainer Wollitz seinen Spielern etwas mehr freigegeben hat. "Unser Kader war in der abgelaufenen Saison klein. Es gab auch viele Verletzte. Deshalb sollten sich die Jungs lieber etwas mehr erholen." Allerdings bekam jeder Spieler einen individuellen Trainingsplan mit nach Hause. So dass "aktive Regeneration" betrieben werden konnte.

Viele Abgänge - kaum Neue

Auch der Coach verabschiedete sich ein paar Tage in den Urlaub. Allzu viel Erholung wird Wollitz aber kaum bekommen haben. Denn im Kader gibt es noch einige Lücken. Zehn Abgängen stehen bislang erst zwei Neuzugänge gegenüber. Eventuell auch schon mehr. Denn am 24. Juni steht die Mitgliederversammlung von Energie an. Vielleicht wird da noch der ein oder andere im großen Rahmen präsentiert. Offiziell sind es (Stand Donnerstagmittag) bislang aber zwei neue Gesichter.
 
Neuzugang Nummer eins hatte schon Mitte Mai unterschrieben. Angreifer Tim Heike wechselte vom VfB Germania Halberstadt nach Cottbus. "Tim ist ein groß gewachsener und sehr dynamischer Spieler, der in Wolfsburg und Braunschweig eine sehr gute Ausbildung genossen hat. Er hat in Halberstadt eine sehr gute Saison gespielt, viele Tore erzielt und sein Potenzial gezeigt." Elf Tore hat der 22-Jährige bislang erzielt. Neuzugang Nummer zwei steht für jede Menge Erfahrung. Maximilian Oesterhelweg wechselt vom Ligakonkurrenten FC Carl Zeiss Jena in die Lausitz. 31 Jahre ist er alt. Wollitz erwartet von ihn, dass er in "schwierigen Situationen das Heft in die Hand nimmt und vorangeht."

 
Weitere Neuzugänge gibt es bislang nicht. Dabei besteht gerade in der Offensive und auf der Torwartposition noch Handlungsbedarf. "Wir sind uns einig, dass wir uns vom Spielermarkt nicht treiben lassen. Wichtig ist, dass die neue Mannschaft stabiler und breiter aufgestellt ist", so Wollitz.

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Kader muss breiter werden

Gerade das Thema "breiter aufstellen", ist für den 56-Jährigen sehr wichtig. Noch einmal mit einem Mini-Kader durch die Saison gehen will er nicht. Denn das Ziel, dass Cottbus in der neuen Saison anstrebt, ist groß. "Wenn wir 34 Ligaspiele erfolgreich bestreiten wollen, sechs im Landespokal und zwei um den Aufstieg, macht das 42 Pflichtspiele. Da muss der Kader eine andere Struktur haben als in der alten Saison." Zumindest ernsthaft um den Aufstieg mitspielen möchten die Lausitzer. Auch wenn Präsident Sebastian Lemke noch etwas mauert: "Dass wir oben mitspielen wollen, das steht außer Frage. Es sind aber noch fast zwei Monate bis zum Saisonstart, und wir sind gerade dabei, eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen. Somit wäre es unangebracht, jetzt von konkreteren Zielsetzungen zu sprechen."
 
Ähnlich defensiv beantwortet der Klubchef auch Fragen zum künftigen Etat. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Nur die Aussage: "Wir versuchen, dem sportlichen Bereich Mittel zur Verfügung zu stellen, um eine erfolgreiche Saison spielen zu können." Aus früheren Aussagen der Klubspitze lässt sich aber ableiten, dass in den vergangenen gut anderthalb Jahren, seit das neue Präsidium aktiv ist, viele finanzielle Lücken geschlossen wurden. Und sich zur neuen Saison der Etat erhöhen dürfte. Trotz etwas besser finanzieller Möglichkeiten gestaltet sich die Suche nach Neuzugängen noch etwas schwierig. Schon seit der Winterpause gibt es Gerüchte über eine Rückkehr von Torjäger Streli Mamba, der allerdings zuletzt in Rostock wenig überzeugen konnte

Publikumsliebling Viteritti kommt nicht zurück

Die "Lausitzer Rundschau" berichtete zudem über einen Kontakt zwischen Claus-Dieter Wollitz und Fabio Viteritti. Der ehemalige Publikumsliebling hat sich allerdings im vergangenen Jahr am Kreuzband verletzt und wird seine Karriere beenden, nachdem die Gespräche mit dem FC Energie nicht wirklich ins Laufen kamen. Bis zum Trainingsstart in der kommenden Woche sollte sich aber im Kader noch etwas tun.

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Schon deutlich weiter ist der Fußball-Regionalligist beim Vorbereitungsprogramm. Zwar fehlt noch ein Gegner für die letzte Partie vor dem ersten Pflichtspiel (DFB-Pokal gegen Bremen). Aber genug Gelegenheit sich einzuspielen, bekommt die neue Mannschaft. So stehen am ersten Juli-Wochenende drei Freundschaftsspiele gegen drei unterklassige Teams aus der Region an. Am 8. Juli wird dann Erstligist Hertha BSC im Stadion der Freundschaft zu Gast sein. Gefolgt von einem Heimspiel gegen den polnischen Klub Lechia Zielona Gorá und einem Auswärtsauftritt bei Budissa Bautzen.
 
Am 1. August kommen dann die Bremer in die Lausitz. Wenig später startet die Fußball-Regionalliga in die neue Saison. Und diese Spielzeit wird es in sich haben. Weil die Staffelstärke auf 18 Teams reduziert wird, ist die Leistungsdichte höher als zuletzt bei 20 Mannschaften. Meister BFC Dynamo hat den Aufstieg verpasst und wird alles daransetzen, wieder vorn mitzumischen. Außerdem kehrt Viktoria Berlin nach einem kurzen Drittliga-Gastspiel in die Regionalliga Nordost zurück. "Einfach mal so Erster werden, wird nicht möglich sein", schätzt Claus-Dieter Wollitz die Lage ein. Trotzdem wollen sie in Cottbus alles daransetzen, dass die vierte Regionalligasaison am Stück dann auch die vorerst letzte ist.
 
 

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.06.2022