Hertha-Trainer Sandro Schwarz. (Bild: IMAGO / Matthias Koch)

Hertha vor dem Heimspiel gegen Frankfurt Das Pokerface des Sandro Schwarz

Stand: 11.08.2022 18:09 Uhr

Nach der Derby-Niederlage zum Saisonstart trifft Hertha BSC am Sonnabend zur Heimpremiere auf die spielstarke Mannschaft von Eintracht Frankurt. Hertha-Coach Sandro Schwarz hält sich bezüglich seiner Startelf äußerst bedeckt.

Thema der Woche

Herthas Manager Fredi Bobic hatte am Mittwoch der Sport Bild ein Interview gegeben, das durch einige Aussagen für etwas Wirbel in der Medienlandschaft sorgte. Bobic arbeitet sich darin munter an einem breiten Themenspektrum ab, wie etwa der mangelnden Vermarktung des Frauenfußballs, einem Supercup im Ausland, der Fußball-WM in Katar und der Rolle des neuen Hertha-Präsidenten Kay Bernstein. Und das mit teils recht kontroversen Sichtweisen.

Auf die Frage, ob er sich ein Supercup-Endspiel der Bundesliga im Ausland vorstellen könne, sagte Bobic: "Wenn wir den Supercup mal im Ausland austragen, brechen wir uns doch keinen Zacken aus der Krone. Wir reden über ein Spiel." Das würden manche aktive Fans sicher anders sehen.

Hertha-Trainer Sandro Schwarz gibt seinen Spielern Davie Selke und Myziane Maolida Anweisungen beim Derby gegen den 1. FC Union Berlin (imago images/Contrast)
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Ob Fredi Bobic mit ein paar knackigen Aussagen in alter Uli-Hoeneß-Manier etwas von den sich aufdrängenden sportlichen Themen ablenken wollte, bleibt sein Geheimnis. Fakt ist, sportlich läuft es nach Pokal-Aus und Derby-Pleite nicht bei der Hertha und die Kaderplanung ist ebenfalls nicht abgeschlossen.
 
Aussortierte Spieler wie Omar Alderete und Dedryck Boyata sollen schnellstmöglich verkauft werden. Der paraguanische Abwehrspieler wurde gar vom Training freigestellt und solle sich privat fit halten, so der Verein. Zur Personalie Boyata, der immerhin noch letzte Saison die Kapitänsbinde trug, sagte Bobic auf Herthas abschließender Pressekonferenz vor dem Frankfurt-Spiel: "Es kann sein, dass er in dieser Transferperiode noch transferiert wird, aber aktuell war noch keiner vorstellig."
 
Darüber hinaus taucht immer wieder der Name Paco Alcacer in Verbindung mit Hertha BSC auf. Der Ex-Dortmunder möchte laut eigener Aussage gerne seinen aktuellen Verein Villareal Richtung Bundesliga verlassen und wurde bereits im Juli den Herthanern angeboten. Sollte Bobic noch einen Käufer für den aussortierten polnischen Angreifer Krzysztof Piatek finden, wäre der 28-jährige Alcacer wohl die erste Option, um Herthas Sturm zu verstärken.

Fakten der Woche

Zum Einstand in die neue Bundesliga-Saison tut sich organisatorisch einiges im Olympiastadion. Da wäre zum einen das neue Schutzkonzept gegen Diskriminierung, das der Verein am Donnerstag vorgestellt hatte. Mit dem Codesatz "Wo ist Lotte?" können Betroffene sich an Helferinnen und Helfern in auffälligen pinken Westen wenden und zudem einen Schutzraum im Block O des Olympiastadions aufsuchen, in dem sie betreut werden.
 
Neu ist auch ein Bierexpress-Wagen, der die Fans in der Halbzeit schneller mit Flüssignahrung versorgen soll. Und die ersten 2.023 Zuschauer, die das Stadion am Sonnabend betreten, bekommen einen Coupon für einen freien Döner ausgehändigt. Spendiert wird das Ganze von Herthas Mittelfeldmann Kevin Prince Boateng. Früh da sein, lohnt sich also.
 
Besonders ist auch, dass die Trainingseinheit am Donnerstagnachmittag vorab im Olympiastadion stattfindet. Sandro Schwarz begründete diesen ungewöhnlichen Schritt damit, vor dem ersten Heimspiel "ein Gefühl für den Ort und den Platz zu bekommen." Gerade für die neuen Spieler sei dies wichtig. Den Greenkeeper wird's freuen.

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Der Gegner

Herthas Verantwortliche haben gehörigen Respekt vor Gegner Eintracht Frankfurt, auch wenn die Mannschaft von Oliver Glasner den Saisonauftakt in der Bundesliga – ähnlich wie die Hertha – durch eine 1:6-Heimpleite gegen die Bayern verpatzt hatte. Trainer Sandro Schwarz hat die Eintracht intensiv studiert, spricht von "sehr guter Qualität" und einem "sehr breiten Kader".
 
Dabei wird aber ein Schlüsselspieler der Eintracht wohl nicht mit nach Berlin reisen. Außenstürmer Filip Kostic steht unmittelbar vor einem Wechsel zu Juventus Turin. Fredi Bobic kennt den Spieler nur zu gut aus seiner Zeit als Eintracht-Manager. "Er ist schon einer, der den Unterschied ausmachen kann. Ohne ihn werden sie aber nicht leichter auszurechnen sein", sagt Bobic.
 
Sein Trainer Sandro Schwarz sieht den Schlüssel gegen Frankfurt im schnellen Umschaltspiel. "Es ist eine Mannschaft, die gut und aggressiv verteidigt, die im Zentrum sehr flexibel ist und fußballerische Klasse hat. Wir müssen die Räume, die sich uns bieten, letztlich mit unser Schnelligkeit nutzen."

Die Schlüsselduelle

Sandro Schwarz deutete es bereits auf der Pressekonferenz an, dass sich die entscheidenden Duelle im Spiel gegen die Hessen aller Voraussicht nach im zentralen Mittelfeld abspielen werden. Gut möglich, dass der zuletzt starke Daichi Kamada dort den Vorzug vor dem etwas schwächelnden Rode erhält. Im Verbund mit dem Schweizer Djibril Sow, dem pfeilschnellen Jesper Lindström und Neuzugang Mario Götze schlägt dort das spielerische Herz der Eintracht.
 
Auf die defensiven Abräumer der Hertha, allen voran Ivan Sunjic, wird also viel Arbeit zukommen, die Schnittstellen-Pässe in die Spitze zu verhindern, denn dort lauert mit Rafael Borré ein eiskalter Vollstrecker.
 
Zweikämpfe wurden auch deshalb in dieser Woche vermehrt im Training der Herthaner geübt. Hertha-Coach Sandro Schwarz fordert von seiner Mannschaft, die dort gezeigte Energie und Intensität dann auch am Sonnabend auf den Rasen zu bringen. Stichwort: maximale Bereitschaft. Also ein sichtlich anderes Auftreten als im Hauptstadtderby gegen Union Berlin.

Die erwartete Aufstellung

Herthas Startelf könnte im Vergleich zur Derbypleite gegen den 1. FC Union nicht zuletzt aufgrund der kürzlich verpflichteten Neuzugänge gehörig durcheinandergewirbelt werden. Im rechten, zentralen Mittelfeld könnte der Neu-Herthaner Jean-Paul Boetius anstelle von Kevin-Prince Boateng den Vorzug erhalten. Denkbar wäre auch, dass Wilfried Kanga und Chidera Ejuke ihre Chance im Angriff erhalten werden.
 
Trainer Sandro Schwarz wollte sich zum Thema Aufstellung überhaupt nicht in die Karten schauen lassen. Selbst nach mehrmaligem Nachfragen zur Startaufstellung behielt er sein Pokerface bei, vermutlich auch um für seinen Gegenüber Oliver Glasner schwer berechenbar zu bleiben.
 
Lucas Tousart ist nach seiner Sperre zwar wieder einsatzbereit, aber ob es für einen Einsatz reicht, müsse man laut Schwarz abwarten. Der nach seiner Tumor-OP genesene Marco Richter ist zwar wieder im Mannschaftstraining hat aber noch zu viel Rückstand. Einzig die Abwehr wird wohl im Vergleich zum Union-Spiel unverändert auflaufen.

Unsere Prognose

"Wenn die Eintracht das spielt, was sie spielen kann und ich von ihr in der Vorbereitung gesehen habe, dann sind sie klarer Favorit", sagte Eintracht-Experte Philipp Hofmeister vom Hessischen Rundfunk zuletzt im Interview mit rbb24. Dass Hertha nach den gezeigten Leistungen nicht in der Favoritenrolle ist, scheint klar, doch das Offensivpotential ist durchaus vorhanden bei den Blau-Weißen. Ein Punkt sollte möglich sein in einem Heimspiel gegen einen Gegner, der noch am Donnerstag 90 Minuten lang gegen Real Madrid im europäischen Supercup bestehen musste. Ob es ein Befreiungsschlag in Form eines Sieges für die Mannschaft von Sandro Schwarz geben wird, hängt auch davon ab, inwieweit die Blau-Weißen mit ihrer Spielweise genau daraus Kapital schlagen können.
 
So könnte Hertha beginnen: Christensen - Kenny, Uremovic, Kempf, Plattenhardt - Sunjic - Boetius, S. Serdar - Lukebakio, Kanga, Ejuke

Sendung: rbbUM6, 11.08.2022, 18 Uhr