Der Fußballer Krisztian Lisztes bejubelt einen Treffer für Werder Bremen.

Interview Ungarn Außenseiter gegen DFB? Warum Ex-Bremer Lisztes auf 1:1 tippt

Stand: 19.06.2024 06:55 Uhr

Um 18 Uhr trifft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM auf Ungarn. Der Ex-Bremer Krisztian Lisztes ordnet die Chancen seines Heimatlandes ein.

Von Marc Mokrisch

Herr Lisztes, Ungarn hat sein Auftaktspiel mit 1:3 gegen die Schweiz verloren. Wie haben Sie die Partie erlebt?

In der ersten Halbzeit waren wir sehr schlecht. Dass wir hinten so viele Probleme bekommen, ist bei uns eher selten. Aber natürlich hat die Schweiz eine Top-Mannschaft mit super Einzelspielern. Und unser Trainer Marco Rossi hat auch gesagt, dass die Schweiz uns mit taktischen Änderungen überrascht hat.

Krisztian Lisztes

Der 47-Jährige lief zwischen 2001 und 2005 für Werder auf (114 Spiele und neun Tore). Als Stammspieler holte Lisztes mit den Bremern in der Saison 2003/04 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Für das ungarische Nationalteam kam er auf 49 Einsätze und erzielte neun Tore.

In der zweiten Halbzeit konnten wir uns aber ziemlich gut umstellen. Wir haben das 1:2 gemacht und auf Unentschieden gespielt, aber am Ende alles nach vorne geworfen und das dritte Tor bekommen.

Wer sind die Schlüsselspieler in der ungarischen Mannschaft?

Natürlich unser Kapitän Dominik Szoboszlai, der sehr wichtig für uns ist. Vorne sind dann noch Roland Sallai und Barnabás Varga auf der Neuner-Position, hinten Willi Orban und Péter Gulácsi im Tor. Wir haben schon sehr gute Spieler, aber natürlich muss die Mannschaft funktionieren. Gerade Orban und Szoboszlai müssen sich verbessern. Es gibt aber auch sicherlich ein paar Veränderungen in unserer Mannschaft.

Was trauen Sie Ungarn gegen Deutschland zu?

Das wird natürlich sehr schwer. Aber: Die letzten drei Spiele gegen Deutschland haben wir alle nicht verloren. Und wir werden versuchen, das Beste herauszuholen.

Worauf kommt es für Ungarn an gegen das DFB-Team?

Ich hoffe, dass wir unsere Verteidigung verbessern können. Wir müssen die ersten 20, 30 Minuten sehr kompakt stehen und es mit dem Ball viel besser machen als gegen die Schweiz. Wir müssen mehr Ballbesitz bekommen und versuchen, nach Deutschlands Ballverlusten nach vorne zu kommen. Das ist unsere Chance.

Die Werder-Spieler, die vor 20 Jahren das Double gewonnen haben, posieren für ein Mannschaftsfoto im Weser-Stadion.

Krisztian Lisztes (vordere Reihe, Zweiter von links) war auch beim 20-jährigen Double-Jubiläum im Weser-Stadion dabei.

Und wie geht das Spiel aus?

Ich tippe auf 1:1. Ein Unentschieden wäre nicht schlecht. Vielleicht kann Deutschland damit ja auch leben.

Glauben Sie noch daran, dass Ungarn ins Achtelfinale einzieht?

Wir müssen erstmal abwarten, wie das Spiel gegen Deutschland ausgeht. Am letzten Spieltag müssen wir dann unbedingt gegen Schottland gewinnen und hoffen, als einer der besten Gruppendritten weiterzukommen.

Was trauen Sie Deutschland zu?

Ehrlich gesagt, sehe ich Deutschland im Finale. Dass sie mit dieser Mannschaft und mit ein bisschen Glück ins Endspiel einziehen, ist für mich sehr realistisch.

Das Interview führte Marc Mokrisch. Helge Hommers hat es für butenunbinnen.de aufbereitet.

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Dieses Thema im Programm:
Sportblitz, 18. Juni 2024, 18:06 Uhr