buten un binnen Mauer Start bei Werders Info-Auftakt zum Neubau der Talente-Schmiede

Stand: 02.07.2022 13:15 Uhr

Zoff um den Neubau eines Nachwuchsleistungszentrums in der Pauliner Marsch gibt es schon lange. Werder setzt auf Dialog, doch zum Auftakt kamen nur wenige Anwohner.

Von Olaf Rathje, Karsten Lübben

Kommt es oder kommt es nicht? Seit Jahren wird über den möglichen Neubau eines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) in der Pauliner Marsch debattiert. Gegen das Projekt gibt es Widerstand von den Anwohnerinnen und Anwohnern. Das Problem für Werder: Bei rund 350 Anwohnern ist im Grundbuch das Recht verankert, massive bauliche Veränderungen auf gewissen Grundstücken in der Pauliner Marsch verhindern zu können. Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald drohte daher vor einigen Jahren bereits damit, dass der Klub in diesem Fall einfach Bremen verlässt, ins niedersächsische Umland umzieht und die Profis dabei gleich mit nimmt. Eine schöne Drohkulisse: Wer will schon schuld daran sein, dass Werder nicht mehr in Bremen spielt?

Das Projekt besitzt Brisanz, denn Werders NLZ würde mitten in einem Hochwasserschutzgebiet errichtet werden. Dort würden dann ein neues Leistungszentrum und ein kleines Stadion für 5.000 Zuschauer stehen. Darüber hinaus sollen die bestehenden Trainingsplätze saniert und erweitert werden. Offen ist noch, wer die derzeit angepeilten Baukosten von 30 Millionen Euro zahlen soll. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke) machte dabei schon vor drei Jahren klar, dass der Klub diese Kosten komplett selbst tragen müsste.

Eine Grafik des neuen Werder Leistungszentrums.

Auch dieses Stadion für 5.000 Zuschauer soll in der Pauliner Marsch errichtet werden.

"Beteiligungsspaziergänge" sollen Fragen beantworten

Doch bevor um die Finanzierung gestritten werden kann, muss erstmal überhaupt gebaut werden können. Und dafür benötigt Werder grünes Licht von den Anwohnern. Gesetzt wird daher jetzt auf ein Moderationsverfahren, das sich "grundsätzlich ergebnisoffen" mit Werders Planungen für den Bau des Nachwuchsleistungszentrums in der Pauliner Marsch auseinandersetzen soll. Anregungen, Kritik und Lob sollen hier Gehör finden. Geleitet wird das Moderationsverfahren von Markus Birzer aus Hamburg, der hierfür zudem ein Begleitgremium gebildet hat. In diesem sitzen Anwohner, weitere Bürger der Stadt Bremen, die Vereine in der Pauliner Marsch, Politik, Verwaltung und Werder.

Der erste Schritt des Verfahrens sind drei "Beteiligungsspaziergänge", bei denen Interessierte mit Birzer durch die Pauliner Marsch gehen und Fragen stellen können. Die bittere Nachricht für Werder: Der erste Termin am Freitag stieß auf eine schwache Resonanz. Nur sehr wenige Anwohner zeigten Interesse und schauten vorbei. "Da hätte ich mir schon ein bisschen mehr Beteiligung gewünscht", gestand Birzer im Gespräch mit Radio Bremen ein.

Mehrere Menschen stehen in Bremen am Osterdeich.

Kaum Interesse: Der erste "Beteilungsspaziergang" fand in äußerst kleiner Runde statt.

Hoffnung auf mehr Resonanz beim nächsten Mal

Die Pläne für das NLZ stellte dabei Peter Rengel, Direktor Infrastruktur bei Werder, vor. Wie er erklärte, könne angepasst an ein mögliches Hochwasser gebaut werden. Dies sei ein "lösbares Thema". Der Weg führte am Freitag auch auf "Platz 11" und in die dortigen Kabinen, die ihre besten Zeiten hinter sich haben. "Es ist schon sehr eng hier", sagte Anwohnerin Irmgard Lindenthal. Sie fragt sich jedoch, was aus ihrer "Oase" Pauliner Marsch wird, falls das Projekt umgesetzt werden sollte. Viele ihrer Fragen seien offen geblieben. Dies sei aber schon im Vorfeld so kommuniziert worden.

Obwohl nur wenige Interessierte vorbei schauten, war Ortsamtsleiterin Hellena Hartung zufrieden. Das Verfahren helfe, um nochmal Stimmen und Eindrücke aus der Öffentlichkeit einzuholen. Sie würde sich jedoch wünschen, dass die beiden weiteren Termine am 9. Juli um 14 Uhr und am 11. Juli um 18:30 Uhr auf eine größere Resonanz stoßen. Nach den Beteiligungsspaziergängen sollen dann Workshops veranstaltet werden. Rengel hofft, dass es im kommenden Frühjahr die Entscheidung gibt, ob in der Pauliner Marsch gebaut werden kann oder nicht. "Wir hatten einen langen Vorlauf, aber jetzt spüre ich, dass Dynamik in diesen Prozess kommt", erklärt er. "Das ist gut, wir möchten wirklich schnell werden."

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