ARD-Handball-Experte Dominik Klein

Qualifikationsturnier in Hannover Handball-Experte Klein: Deutschland und Kroatien lösen Olympia-Ticket

Stand: 14.03.2024 08:20 Uhr

Beim Qualifikationsturnier in Hannover wollen die deutschen Handballer das Olympia-Ticket für Paris lösen - und die Fragezeichen nach der Heim-EM abräumen. Wie stehen die Chancen des DHB-Teams und wie sind die Gegner Algerien, Kroatien und Österreich einzuschätzen? ARD-Handball-Experte Dominik Klein gibt Antworten.

Von Tim Osing

Es geht um das Ticket für die Olympischen Spiele, es geht um Alfred Gislasons Vertrag, der sich nur bei erfolgreicher Qualifikation verlängert - und es geht um Wiedergutmachung. Im Januar erst rumpelte sich die deutsche Nationalmannschaft gegen Österreich zu einem glücklichen 22:22-Unentschieden. Gegen Kroatien gab es zum Abschluss der Hauptrunde sogar eine 24:30-Niederlage. Sportlich unbedeutend, das DHB-Team zog trotzdem ins Halbfinale ein und wurde letztlich Vierter.

"Entwicklungsschritt aus der EM bestätigen"

Dennoch wirft die Heim-EM, bei der Deutschland genau so viele Spiele gewann wie verlor (je vier), ihre Schatten auf das jetzt anstehende Quali-Turnier, findet ARD-Handball-Experte Dominik Klein. "Österreich und Kroatien waren zwei Mannschaften, die man Anfang des Jahres nicht besiegen konnte. Deshalb gucke ich ganz gespannt darauf, hier kann die deutsche Mannschaft den Entwicklungsschritt aus der EM bestätigen und zeigen, dass das Jahr wirklich positiv angefangen hat." Das junge deutsche Team könne ein Statement setzen: "'Hey, wir gehören vor diese Nationen.'"

Algerien - Pflichtaufgabe zum Auftakt

Zum Auftakt heute (17.45 Uhr) trifft Deutschland auf Algerien, auf dem Papier der schwächste Gegner. Vor 14 Monaten fertigte das DHB-Team bei der WM 2023 die Nordafrikaner mit 37:21 ab. Algerien konnte in Polen und Schweden nur das Spiel um Platz 31 gewinnen und wurde damit Vorletzter. Seitdem steigerte sich das Team, erreichte bei der Afrikameisterschaft im Januar das Finale (21:29-Niederlage gegen Ägypten).

Gegen europäische Mannschaften hat Algerien die vergangenen 16 Duelle verloren. Der optimale Auftaktgegner also? Klein: "Körperlich, physisch sind solche Mannschaften immer zu beachten. Dennoch gilt es für Deutschland, sich auf sich zu fokussieren und das eigene Spiel wieder aufzunehmen." Größter Name bei den Algeriern ist Ayoub Abdi, der 26-jährige Rückraumspieler wechselt im Sommer von Toulouse zum französischen Top-Club HBC Nantes.

Spielplan
Donnerstag, 14.3, 17:45 Uhr Deutschland Algerien
Samstag, 16.3,14:30 Uhr Deutschland Kroatien
Sonntag, 17.3, 14:10 Uhr Deutschland Österreich

Kroatien - besonderes Wiedersehen mit Sigurdsson

Gibt es gegen Kroatien (Sonnabend, 14.30 Uhr, live im ZDF) die Revanche für die EM-Pleite? Der Bundestrainer lehnt diesen Gedanken ab, blendet das 24:30 vom Januar ganz aus. Deutschland stand bereits vor dem letzten Spiel der Hauptrunde im Halbfinale, Gislason rotierte viel und schonte Stammspieler. Jetzt könnte es gegen die Kroaten um das Weiterkommen gehen, für ARD-Experte Klein ist das Team um THW-Kiel-Kapitän Domagoj Duvnjak der stärkste Gegner. "Sie spielen mit viel Herz, Emotionen, Geschlossenheit. Und jetzt kommt mit Dagur Sigurdsson neue Energie, neues Know-How dazu."

Der 50-jährige Sigurdsson ist seit Februar der erste ausländische Trainer der kroatischen Handballer, wurde nach der enttäuschenden EM Nachfolger von Goran Perkovac - und gab dafür das bereits sichere Olympia-Ticket mit der japanischen Nationalmannschaft auf. So kommt es zum besonderen Wiedersehen für den Isländer mit dem DHB-Team, mit dem er 2016 Europameister wurde. "Ich war auf der Suche nach einer Herausforderung, nach einem Abenteuer, einem mit Leidenschaft", sagte Sigurdsson, für den die Rückkehr nach Deutschland "ein großer Spaß" wird.

Dagur Sigurdsson bejubelt den EM-Titel 2016 mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

Dagur Sigurdsson wurde mit Deutschland 2016 Europameister.

In Hannover schätzt Gislason den Einfluss seines Landsmannes noch gering ein: "Ich glaube nicht, dass Dagur in vier, fünf Tagen alles auf den Kopf stellt bei den Kroaten." Schon im Sommer könnte die stolze Handballnation aber wieder in die Weltspitze zurückkehren, glaubt Klein: "Mit Blick auf Olympia wird das eine spannende Nation sein, die als Überraschungskandidat auch um Medaillen mitsprechen kann."

Österreich - verschworene Einheit mit großem Traum

Die Österreicher träumen von ihrer ersten Olympia-Teilnahme - und wollen an die tolle EM anknüpfen, mit dem Sieg über Spanien sowie den Unentschieden gegen Deutschland und Kroatien. Am Ende stand Platz acht, im eigenen Land löste die Mannschaft von Trainer Ales Pajovic dennoch Euphorie aus. Der langjährige Bundesliga-Profi Robert Weber sieht sein Team in Hannover vor einer "Herkulesaufgabe", wie er dem ZDF sagte. "Zwei Favoriten und ein Underdog mit Algerien - und wir mittendrin." Deutschland trifft im letzten und womöglich entscheidenden Spiel auf die Österreicher (Sonntag, 14.10 Uhr, live in der ARD und bei sportschau.de).

Wie im Januar, als Weber sogar ins All Star Team gewählt wurde, setzt Österreich auf "Flow und Teamgeist". Weber: "Wir können nur gewinnen." Mit dem Kieler Nikola Bilyk streift sich zudem einer der derzeit besten Spieler der Welt das österreichische Trikot über. "Er ist für seine Nation der Hero, der Topspieler, das gibt ihm Kraft", sagt ARD-Experte Klein. Es werde entscheidend sein, wie schnell die Österreicher vom Liga-Alltag zum Mannschaftsgeist der EM zurückkehren können, so Klein. "Das Spiel Österreich gegen Kroatien gleich zum Auftakt heute wird fast schon das Spannendste, was man bei diesem Turnier sehen kann."

Klein: Heimvorteil und EM-Flow spricht für Deutschland

Mit unmittelbaren Folgen fürs deutsche Team, schließlich sind dies die beiden größten Konkurrenten um die zwei Olympia-Tickets. Klein setzt darauf, dass Deutschland und Kroatien nach Paris fahren: "Die Konstellation, dass Deutschland zu Hause spielt und die Chance hat, etwas wirklich Großes zu erreichen und diesen EM-Flow mitzunehmen, die spricht fürs deutsche Team. Kroatien hat mit ihrem neuen Trainer noch mal ein emotionales Aufputschmittel."

Für das junge DHB-Team geht es in Hannover um viel: den nächsten Entwicklungsschritt und den Sprung auf die größte Bühne im Handball, das olympische Turnier. Misslingt die Qualifikation, steht der eingeschlagene Weg in Frage - und die Nationalmannschaft ohne Trainer da.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 13.03.2024 | 17:17 Uhr