Fußball | DDR-Oberliga Jürgen Pommerenke wird 70: "Ein hoch qualifizierter Techniker"

Stand: 22.01.2023 09:04 Uhr

Gegen den Ball tritt er schon lange nicht mehr, doch seinen 1. FC Magdeburg verfolgt er immer noch genau. Jürgen Pommerenke, einer der erfolgreichsten Fußballer der DDR, wird am Sonntag 70 Jahre alt.

Dreifacher DDR-Meister, viermaliger Pokalsieger, Europapokalsieger mit dem 1. FC Magdeburg und dazu noch olympisches Bronze sowie einen kompletten Medaillensatz bei den UEFA-Juniorenturnieren: Jürgen Pommerenke ist einer der erfolgreichsten Fußballer, den die DDR hervorgebracht hat. Am 22. Januar wird der frühere Mittelfeldspieler 70 Jahre alt.

Gegen den Ball tritt der aus Wegeleben im Vorharz stammende Pommerenke schon länger nicht mehr. "Gerade habe ich ein paar Probleme mit dem Fuß, da muss ich die Diagnose abwarten", erzählte der inzwischen im Niederrheinischen heimische Jubilar. "Das im letzten August operierte Knie sollte aber im April oder Mai wieder hergestellt sein." Das ist Pommerenke zu wünschen, denn um das Jubiläum des Europapokalsiegs zu feiern, treffen sich die früheren Mitspieler nach wie vor einmal im Jahr.

Schuss von Jürgen Pommerenke (Magdeburg)

Jürgen Pommerenke – hier im Oberligaduell seines 1. FC Magdeburg gegen den FC Karl Marx-Stadt – trug in 15 Jahren für den FCM 404 Mal das Trikot der Blau-Weißen und erzielte dabei 147 Tore.

Über Wegeleben nach Magdeburg

Bei Traktor Wegeleben in seinem Heimatort begann Pommerenke mit dem Fußball, wechselte aber schon mit 14 Jahren zum 1. FC Magdeburg. Schon mit 16 stand er erstmals für die Junioren-Nationalmannschaft auf dem Platz, mit der er dreimal am UEFA-Juniorenturnier - dem Vorläufer der heutigen U21-Europameisterschaft - teilnahm. 1970 gelang der Turniersieg, 1969 der zweite und 1971 der dritte Platz. Trainiert wurde der Jungspund im seinerzeit exzellenten FCM-Nachwuchs (die Jugendmannschaften holten insgesamt 17 Meistertitel in drei Altersklassen) unter anderen von Ernst Kümmel. "Der hat einem Freude am Fußball vermittelt. Er war selbst ein technisch guter Spieler und hat darauf auch viel Wert gelegt. Das war schon ein guter Mann", erinnert sich Pommerenke.

Die Mannschaften der DDR und Niederlande auf dem Weg ins Gelsenkirchener Parkstadion bei der WM 1974. Jürgen Pommerenke steht auf der Rolltreppe zwischen Reinhard Lauck (vorn/BFC Dynamo und 1. FC Union Berlin) und Wolfram Löwe (hinten/1. FC Lok Leipzig).

WM-Hauptrunde 1974: Jürgen Pommerenke steht auf der Rolltreppe zwischen Reinhard Lauck (vorn) und Wolfram Löwe (hinten).

Er-Trainer Krügel lobte den Mittelfeldregisseur

Sein Debüt in der Herrenmannschaft des FCM gab Pommerenke im September 1970, wurde als 19-Jähriger erstmals 1972 Meister und holte im selben Jahr in München Olympia-Bronze. Das Risiko abzuheben bestand aber nicht. "Das war noch eine andere Zeit, die Medienpräsenz war ja nicht vorhanden. Wenn man sieht, womit die jungen Leute heute konfrontiert werden, auch über ihre Berater - das gab es ja damals alles noch nicht."

Später beschrieb ihn sein Trainer, der in Magdeburg legendäre Heinz Krügel, als "hoch qualifizierten Techniker" und adelte Pommerenke mit der Einschätzung: "Er war ein Mittelfeldregisseur, der in jeder europäischen Spitzenmannschaft eine Führungsposition hätte einnehmen können." In Magdeburg entwickelte sich Pommerenke zum Stammspieler, hat mit 404 Pflichtspieleinsätzen in Liga, Pokal und Europapokal die fünft meisten der Vereinsgeschichte vorzuweisen. Dank seiner Torgefahr hält er denselben Rang auch in der ewigen Torschützenliste des heutigen Zweitligisten.

Trainer Heinz Krügel (re.) gibt Jürgen Pommerenke (beide Magdeburg) während des Trainings Anweisungen

Trainer Heinz Krügel (re.) gibt Jürgen Pommerenke während des Trainings Anweisungen.

Pommerenke bleibt dem FCM nach frühen Karriere-Ende treu

1984 zwangen Knieprobleme den damals 31-Jährigen zum frühen Karriere-Ende. Anschließend arbeitete Pommerenke beim 1. FC Magdeburg als Nachwuchstrainer, betreute 1992 und 1993 kurzzeitig die Herrenmannschaft, die nach der Wiedervereinigung bis in die Amateur-Oberliga abgestürzt war. Danach betrieb er eine Fußballschule und betreute regelmäßig ein Fußball-Feriencamp.

Inzwischen hat sich der Mittelfeldregisseur in Rente an den Niederrhein zurückgezogen, der Nähe zur Tochter wegen. Dort wird auch "im engsten Familienkreis" der Geburtstag gefeiert. Seinen 1. FC Magdeburg verfolgt der Jubilar übrigens weiter aufmerksam, "zumindest die Herrenmannschaft". Die kämpft in der 2. Bundesliga um den Klassenverbleib. Ein erfolgreicher Ausgang würde sicher nicht nur Jürgen Pommerenke freuen.

Co Trainer Günter Konzack, Funktionär Günter Behne, Siegmund Mewes, Wolfgang Abraham, Manfred Zapf, Wolfgang Seguin, Trainer Heinz Krügel, Torwart Bernd Dorendorf, Detlef Enge, Torwart Hans Werner Heine, Jörg Ohm, Helmut Gaube, Detlef Raugust, Martin Hoffmann, Torwart Ulrich Schulze, Axel Tyll, Jürgen Pommerenke

Jürgen Pommerenke (untere Reihe, 1. v. re.) war Teil der legendären Mannschaft des 1. FC Magdeburg, die 1974 den Europapokal der Pokalsieger gegen den AC Mailand in Rotterdam gewann.

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dpa