Fußball | Bundesliga "Freue mich extrem, wieder dabei zu sein" – Max Eberl bei RB Leipzig vorgestellt

Stand: 10.12.2022 10:20 Uhr

Voller Energie und Tatendrang hat sich Max Eberl der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf den neuen Sportgeschäftsführer von RB Leipzig warten große Aufgaben – vor allem in der Kaderplanung.

"Ich bin müde, ich bin erschöpft. Ich beende etwas, das mein Leben war" – mit diesen unter Tränen geäußerten Worten hatte sich der sichtlich mitgenommene Max Eberl Ende Januar nach mehr als zwei Jahrzehnten als Spieler, dann Nachwuchskoordinator und Sportchef von Borussia Mönchengladbach verabschiedet. Über zehn Monate später ist der 49-Jährige nun endgültig wieder ins Scheinwerferlicht der deutschen Fußballöffentlichkeit getreten: bei seiner offiziellen Vorstellung als Sportgeschäftsführer von RB Leipzig.

Im Sommer kam das "Kribbeln" zurück

"Ob es Burnout war, ob es Depression war, keine Ahnung. Auf jeden Fall war es der Zeitpunkt, an dem ich als Mensch einfach mal stoppen musste", blickt der gebürtige Niederbayer am Freitagvormittag (9. Dezember) im voll besetzten Pressekonferenzraum des Trainingszentrums am Leipziger Cottaweg zurück. Er habe in den vergangenen Monaten die "beste Zeit meines Lebens gehabt, sie war extrem emotional und aufschlussreich und nun freue ich mich extrem, wieder dabei zu sein bei einem extrem spannenden Klub", berichtet der spürbar aufgeräumte, energiegeladene Eberl.

Ob es Burnout war, ob es Depression war, keine Ahnung. Auf jeden Fall war es der Zeitpunkt, an dem ich als Mensch einfach mal stoppen musste. RB-Sportgeschäftsführer Max Eberl |

Der Kontakt zum damaligen RB-Klubboss Oliver Mintzlaff bestand schon länger, doch wirklich konkrekt über einen möglichen Einstieg sei es erst im Sommer geworden, als bei Eberl die "Lust" zurückkam und es wieder "zu kribbeln" begann. Er selbst habe dabei "ein Stückweit das Tempo vorgegeben. Oliver hat mich nicht bedrängt, er musste mich auch gar nicht großartig überzeugen" und "Ende August habe ich dann gesagt, 'ja, ich kann mir das vorstellen, ich mach' das."

Eberl hofft auf weitere Pokale mit RB Leipzig

Eberl will im Winter "keinen Spieler abgeben"

Neben der Verpflichtung von Marco Rose als Trainer war Max Eberls Engagement eine der letzten großen personellen Amtshandlungen, ehe Mintzlaff nach dem Tod von "Red Bull"-Gründer Dietrich Mateschitz Mitte November bekanntermaßen zum Konzern-Geschäftsführer in Fuschl am See aufstieg. Es ist also nur folgerichtig, dass Eberl der neue starke Mann des aktuellen Bundesliga-Dritten und Champions-League-Achtelfinalisten sein wird. Auch wenn der sich betont bescheiden gibt und als Teamplayer versteht: RB Leipzig habe "in den letzten Jahren Herausragendes geleistet. Ich bin erst acht Tage da und fühle mich noch nicht als Gesicht des Vereins." Dennoch "versuche ich, meine Rolle zu finden und sehr präsent zu sein."

Ich bin erst acht Tage da und fühle mich noch nicht als Gesicht des Vereins. RB-Sportgeschäftsführer Max Eberl |

Allzu viel Zeit zur Eingewöhung bleibt dem früheren Profi mit 215 Spielen in Bundesliga und 2. Liga nicht. In sechs Wochen steht der Jahresauftakt in der Bundesliga gegen Eberls Jugendverein an – Abo- und Rekordmeister Bayern München. "Ein bisschen was habe ich bis dahin ja noch zu tun", weiß er. Nicht zuletzt die Weichenstellung für die kurz- und längerfristige Personalplanung. "Ich kann relativ klar sagen, dass wir keinen Spieler in diesem Winter abgeben- und mit diesem Kader in die Rückrunde gehen wollen", unterstreicht der Sportgeschäftsführer. Soweit, so klar.

Max Eberl: "Bei Christopher Nkunku droht was"

Was wird aus Nkunku, Laimer, Olmo oder Gvardiol?

Deutlich komplizierter, wenn nicht sogar aussichtslos dürfte jedoch die Hoffnung auf eine auch über den Sommer 2023 hinausgehende Zusammenarbeit mit Topangreifer Christopher Nkunku und Mittelfeldantreiber Konrad Laimer werden. "Der ein oder andere Transfer droht", bekannte der Sportgeschäftsführer. "Mit Christo kann ich noch nichts bestätigen, aber es gibt großes Interesse." Dem Vernehmen nach soll sich der französische Nationalspieler schon seit geraumer Zeit mit dem FC Chelsea einig sein. Immerhin winkt RB dabei eine exorbitante Ablöse, da Nkunku seinen Vertrag in Leipzig erst im vergangenen Sommer verlängert hatte.

Laimer wiederum ist ablösefrei und liebäugelt nicht erst seit gestern mehr oder weniger offen mit einem Wechsel zum FC Bayern. Entschieden habe sich der österreichische Nationalspieler noch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit auf einen Verbleib sei "sehr, sehr, sehr gering", gibt Eberl zu. Dennoch: "Wenn es nur ein Prozent wäre, würde ich darum fighten." Mindestens genauso begehrt sind Innenverteidiger Josko Gvardiol, der auf der WM-Bühne nun auch den letzten europäischen Großklub von seinen Qualitäten überzeugt haben wird, oder Offensivmann Dani Olmo. Zu Olmos Situation (Vertrag bis 2024) sagt Eberl: "Die Gespräche haben schon begonnen und sind ganz oben auf der Agenda."

Kapitel Gladbach "ist abgeschlossen"

Tiefgreifende Sorgen über die weitere Wettbewerbsfähigkeit wird sich Max Eberl jedoch nicht machen müssen. Im Gegenteil. "Wir bewegen uns bei RB noch einmal in anderen Größenordnungen – das ist für mich ein großer Schritt mit neuen Möglichkeiten. Dinge, von denen ich in Gladbach geträumt habe, dass ich sie mal haben könnte, findet man jetzt vor." Ansonsten mied er bestmöglich eine Rekapitulation seines nicht zuletzt bewegten und auch im Nachgang alles andere als geräuschlosen Abgangs vom Niederrhein. Dieses Kapitel "ist jetzt geschlossen", betont Eberl.

Wir bewegen uns bei RB noch einmal in anderen Größenordnungen – das ist für mich ein großer Schritt mit neuen Möglichkeiten. Dinge, von denen ich in Gladbach geträumt habe, dass ich sie mal haben könnte, findet man jetzt vor. RB-Sportgeschäftsführer Max Eberl |

"Ich habe für mich da einen Abschluss gefunden. Es war eine großartige Zeit, in der ich extrem viel lernen durfte, aber auch extrem viel geben konnte. Jetzt habe ich eine neue Aufgabe und will nur noch den Blick in die Zukunft werfen." Und die liegt in Leipzig. "Ich mache jetzt keine Kampfansage, dass wir in drei Jahren Deutscher Meister sind." Dafür sei der FC Bayern in der Bundesliga einfach zu "übermächtig". Aber "ich bin hierhergekommen, um die größtmöglichen Erfolge anzustreben."

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mhe

RB Leipzig: Die Vorstellung von Max Eberl