"SpiO"-Talk DHfK-Manager Günther zur Corona-Lage bei der EM: "Die EHF hat kläglich versagt"

Stand: 20.01.2022 14:43 Uhr

Eine Vielzahl an Corona-Fällen überschattet das bisher gute Abschneiden der deutschen Handballer bei der Europameisterschaft. Ein vorzeitiger Rückzug aus dem Wettbewerb ist zwar vorerst vom Tisch, die Sorgen halten aber weiter an. DHfK-Manager Karsten Günther übte harte Kritik am europäischen Verband.

Sportlich läuft es wie am Schnürchen für die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft. Dennoch steht das Turnier in Ungarn und der Slowakei unter keinem guten Stern. Das DHB-Team wird durch Corona-Fälle immer weiter dezimiert. Mittlerweile wurden zwölf Spieler positiv getestet. Ein Rückzug vom Turnier ist aber vorerst vom Tisch.

Günther: "Wir werden unserer Verantwortung gerecht"

Karsten Günther, Manager des SC DHfK Leipzig, erklärte im "SpiO"-Talk am Donnerstag (20. Januar): "Wir haben uns gestern intensiv im HBL-Präsidium ausgetauscht und am Ende den Plan des DHB unterstützt, Spieler nachzunominieren und weiterzuspielen." Trotz der widrigen Umstände, unter denen das Turnier stattfindet, glaubt Günther, dass "die Spieler dort nach wie vor ein sicheres Umfeld haben. Das Wichtigste ist, dass ausgeschlossen wird, dass infizierte Spieler auf das Spielfeld gehen." Der DHB habe ein umfangreiches Hygienekonzept, die Spieler halten sich im Gegensatz zu vielen anderen Nationen streng isoliert in einer Bubble auf, unterstrich Günther: "Wir werden unserer Verantwortung gerecht und sind keine Gefahr für jemand anderes."

MDR-Reporter vom Wege: "Es ist ein Abwägungsprozess"

Doch wie verhält es sich mit der Verantwortung gegenüber anderen Mannschaften im Turnier? Der erste positive Test in der deutschen Mannschaft wurde bereits nach dem Auftakt gegen Weißrussland festgestellt. Nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Österreich gab es fünf weitere positive Fälle. MDR-Reporter Thorsten vom Wege mahnt: "Abgesehen von der hervorragenden Einstellung der Mannschaft müssen wir unsere Verantwortung gegenüber den anderen Nationen wahrnehmen. Es ist nicht auszuschließen, dass infizierte Spieler auflaufen. Es ist ein Abwägungsprozess, den man treffen muss, bevor man die Mannschaft auf das Parkett lässt."

Handball-EM: Weitere Corona-Fälle dezimieren DHB-Auswahl

Kritik am europäischen Verband

Einen nicht geringen Anteil an der angespannten Situation, da sind sich Günther und vom Wege einig, trägt die Europäische Handballföderation (EHF). "Die EHF hat kläglich versagt, ein geeignetes Hygienekonzept aufzustellen", kritisiert Günther. Die Tests müssten engmaschiger ausfallen, zudem hinken die Labore mit den Ergebnissen hinterher. Das Hygienekonzept "hätte man nachschärfen können und müssen", betont vom Wege, nachdem die Omikron-Welle aus Südafrika nach Europa geschwappt ist. So ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Vereine in der Handball-Bundesliga nach der Rückkehr ihrer Nationalspieler von positiven Fällen betroffen sein werden.

Die EHF hat kläglich versagt, ein geeignetes Hygienekonzept aufzustellen Karsten Günther | Manager SC DHfK Leipzig

Deutschland trifft auf Europameister Spanien

Auf die sportliche Leistung der DHB-Auswahl hatte das Corona-Geschehen bisher keinen Einfluss. Mit einer makellosen Bilanz ist das Team von Alfred Gislason in die Hauptrunde eingezogen. Dort wartet am Donnerstagabend Spanien (18 Uhr live hören in der "SpiO"-App). Der DHB wollte das Spiel verlegen lassen, was die EHF aber ablehnte. Gegen den amtierenden Europameister geht das deutsche Team als Außenseiter in die Partie - auch aufgrund der angespannten Personalsituation. Günther ist dennoch zuversichtlich. "Die Jungs haben Lunte gerochen und sehen, was sie als Mannschaft hinbekommen. Sie sind Vollblutsportler, die ihr Herz auf der Platte lassen. Dafür gebührt ihnen Respekt."

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jsc