Fans von Eintracht Frankfurt und Chemie Leipzig.

Beim Testspiel in Leipzig Testspiel in Leipzig: Fans von Eintracht Frankfurt beschützen israelische Bar

Stand: 18.10.2023 11:30 Uhr

Nach den Gewalt-Aufrufen der Hamas gegen israelische Einrichtungen sorgte sich ein Betreiber einer Bar in Leipzig um seine Mitarbeiter. Dann kamen Fans der Eintracht und von Chemie Leipzig zur Hilfe.

Eldar Fano hatte am Freitag Angst um seine Mitarbeiter und sich selbst. Nachdem die Hamas zu einem "Tag des Zorns" und Gewalt gegen Israelis aufgerufen hatte, wollte der Betreiber der "Akko Hummus Bar" in Leipzig eigentlich seinen Laden schließen. Als er gegen 12 Uhr an der Tür stand, warteten dort bereits zwei Personen – allerdings mit besten Absichten.

"Das waren zwei Dudes aus der Nähe von Frankfurt, sie waren für das Fußballspiel da. Sie sagten: 'Hab keine Angst, wenn Angreifer kommen, boxen wir die raus'", erzählt Fano auf hr-Nachfrage. Die Eintracht bestritt am Abend ein Freundschaftsspiel bei Chemie Leipzig. Zuerst hatte die Leipziger Volkszeitung über den Schutz der Fans für das Lokal berichtet.

Beide Klubs mit Statements gegen Antisemitismus

Fano, der vor 17 Jahren der Liebe wegen aus Israel nach Leipzig gezogen war, schloss also nicht nur die Bar auf, sondern bereitete alle Gerichte vor. Währenddessen tranken die Fans Tee und spielten Schach. "Im Laufe des Tages kamen immer wieder andere Gruppen von Fans, die ich noch nicht gesehen hatte. Die beiden waren insgesamt drei Mal da. Sie haben mir Mut zugesprochen, und am späten Abend haben wir dann zusammen getrunken", berichtet Fano über die besondere Gesellschaft.

Auch Anhänger von Chemie Leipzig sollen zu den Gästen gehört haben, die das Lokal beschützen wollten. Sie hinterließen in der Bar nicht nur ein Gefühl der Sicherheit, sondern auch Sticker der Fans gegen Rassismus und Antisemitismus.

Die Fan-Szenen von Eintracht Frankfurt und Chemie Leipzig pflegen seit vielen Jahren eine enge Freundschaft. Am Freitagabend bestritten sie ein Testspiel in Leipzig. Die Eintracht hatte sich mit vielfältigen Aktionen immer wieder gegen Antisemitismus eingesetzt, Gleiches gilt für die Leipziger. Am Holocaust-Gedenktag im Januar postete der Klub beispielsweise ein Fan-Banner mit der Aufschrift: "Antisemitismus bekämpfen! In den Kurven und den Verbänden." Am Freitag waren Transparente im Block mit den Sätzen "Peace for the people of Israel" und "Freedom for all people" zu sehen.

Lokal auf Liste bedrohter Orte

Für Bar-Betreiber Fano bleibt im Alltag weiterhin ein mulmiges Gefühl: "Ich mache erst auf, wenn die Polizei da ist. Sie kamen auch am Freitag und stellten sich auf die gegenüberliegende Straßenseite." Laut Leipziger Volkszeitung hatte die jüdische Gemeinde das Lokal auf ihre Wachliste bedrohter Orte für die Polizei aufgenommen.

Fanos zwei Brüder sind in Israel für die Armee und Polizei im Einsatz. Seine hehre Hoffnung für den Nahen Osten und auch für die Situation hierzulande lautet: "Jetzt ist es keine schöne Zeit, aber irgendwann wird sich alles wieder normalisieren."