Mattia Binotto, Teamchef von Ferrari

Formel 1 in Kanada Bricht Ferrari mit Binotto die Pannen-Serie?

Stand: 15.06.2022 07:07 Uhr

In sechs von acht Formel-1-Rennen holte Ferrari die Pole. Die Rennbilanz aber stürzt ab - in Kanada rückt auch der Teamchef in den Fokus.

Von Christian Hornung

Dass Ferrari in diesem Jahr endlich mal wieder perfekte Vorarbeit geleistet und eigentlich das stärkste Auto im Feld hat, lässt sich anhand der Qualifyings kaum bestreiten. An den Samstagen hält bisher nicht mal Red Bull mit. Doch was der ruhmreiche Rennstall aus Maranello aus diesem Vorteil einen Tag später in den Rennen macht, ist so armselig, dass der so hoffnungsvoll in die Saison gestartete Leclerc mittlerweile zugibt: "Es tut wirklich weh."

"Darf uns nicht mehr passieren"

Zuletzt beim Fiasko in Baku schieden gleich beide Roten wegen technischer Probleme aus, ob diese tiefgreifender Natur sind, muss das bevorstehende Rennwochenende in Kanada (Live-Ticker bei sportschau.de ab Freitag, 20 Uhr) zeigen.

Leclerc hadert: "Das darf uns wirklich nicht mehr passieren. Zu Beginn der Saison hatten wir keine großen Probleme, und wir haben auch nicht viel verändert. Das ist schwer zu verstehen und sehr enttäuschend."

Charles Leclerc ist nach seinem erneuten Ausscheiden in Aserbaidschan frustriert

Charles Leclerc ist nach seinem erneuten Ausscheiden in Aserbaidschan frustriert

Auto weltmeisterlich, Taktik kläglich

Das Problem war aber bisher weniger die Technik. Sondern eher die Taktik. Nach den Siegen zum Auftakt in Bahrain und im dritten Rennen in Australien verfiel Ferrari erstaunlich schnell in die verheerenden Fehler der Vorsaison: Kommunikations-Pannen, Abstimmungsfehler, falsche Entscheidungen bei Safetycar-Phasen und verspätete, verfrühte oder missratene Boxenstopps. Tutti come sempre, alles wie immer in der jüngeren Ferrari-Vergangenheit, aber diesmal ist es schlimmer. Denn das Auto ist 2022 weltmeisterlicher Form.

"Maranello, wir haben ein Problem", titelt Tuttosport nach Baku und damit vor Montreal, die Gazzetta dello Sport schreibt von einem "schweren Schlag" für Leclercs WM-Hoffnungen und La Stampa schlägt Alarm: "Für Leclerc steht der WM-Titel auf dem Spiel."

Selbst Pérez zieht an Leclerc vorbei

Noch ist es nicht zu spät, es sind noch 14 Rennen zu fahren, 350 Punkte im Pott. Der Rückstand von Leclerc auf Max Verstappen beträgt "nur" 34 Zähler, aber die Tendenz ist besorgniserregend: Mittlerweile ist sogar Sergio Pérez im zweiten Red Bull am Monegassen vorbeigezogen.

Sehr gefragt ist bereits wieder der in der Vorsaison schon arg ramponierte Teamchef Mattia Binotto, dessen Aussagen nicht unbedingt so klingen, als habe er mit Blick auf Kanada konkrete Lösungsansätze: "Wir werden versuchen, Baku wiedergutzumachen. Es gibt auf jeden Fall noch einiges zu tun."

"Definitiv noch Raum für Verbesserungen"

Binotto versucht zwar wie immer in seiner Amtszeit, das Positive herauszustellen, aber das rückt die Diskrepanz zwischen Qualifying und Rennen auch nicht gerade in ein besseres Licht: "Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir große Fortschritte in Bezug auf die Leistung gemacht. Aber es gibt definitiv noch Raum für Verbesserungen in Bezug auf die Zuverlässigkeit."

Diesen Raum muss Ferrari in Kanada mit Inhalt, also mit Ergebnissen füllen. Sonst gerät der Teamchef selbst zunehmend in den Fokus - bei der Suche nach einer möglichen Lösung des großen Ferrari-Problems.