Sprinter Usain Bolt bei der WM 2009 in Berlin

Rückblick Leichtathletik - Die WM-Höhepunkte von 2001 bis 2019

Stand: 06.06.2022 12:34 Uhr

Ein "Liegestreik", starke deutsche Werfer und die Show von Superstar Usain Bolt: Ein Rückblick auf die WM-Höhepunkte von Edmonton 2001 bis Doha 2009.

2001: WM-Premiere in Nordamerika

Nur wenige Zuschauer und kaum Höchstleistungen im Nach-Olympia-Jahr: Die WM im kanadischen Edmonton kann mit den sieben Vorgängerveranstaltungen nicht Schritt halten.

Zwei Überraschungen schönen die insgesamt durchschnittliche Bilanz des deutschen Teams: Martin Buß holt Gold im Hochsprung, Ingo Schultz Silber über 400 m.

2003: Klüft strahlt - Drummond streikt

Die schwedische Siebenkämpferin Carolina Klüft startet in Paris ihre Siegesserie bei Weltmeisterschaften und begeistert die Leichtathletik-Fans. Grenzenloser Jubel auch beim Marokkaner Hicham El Guerrouj, der sein viertes Gold über 1.500 m gewinnt.

Für einen unvergessenen Moment sorgt US-Sprinter John Drummond. Er weigert sich, sein Aus nach einem Fehlstart zu akzeptieren und geht auf der Bahn in den "Liegestreik". Erst nach 45 Minuten verlässt er das Stadion - unter lauten Pfiffen der Zuschauer.

John Drummond protestiert gegen seine Disqualifikation bei der WM 2003.

Drummond ist nicht der Einzige, der für Negativ-Schlagzeilen sorgt: Kelli White - Siegerin über 100 und 200 m - wird noch während der WM des Dopings überführt. Andere Sprintstars wie Marion Jones geraten später in den Doping-Strudel.

Die deutschen Leichtathleten enttäuschen und bleiben ohne WM-Titel. Lediglich vier Medaillen holt das DLV-Team.

2005: Zurück zu den WM-Wurzeln

22 Jahre nach der WM-Premiere ist Helsinki erneut Gastgeber für die Weltmeisterschaften. Die Stimmung ist gut, das Wetter nicht immer. Gewitter und starker Regen sorgen mehrmals für Unterbrechungen.

Verlass ist wieder einmal auf die deutschen Werferinnen und Werfer: Franka Dietzsch schleudert den Diskus am weitesten und wird zum zweiten Mal Weltmeisterin.

Christina Obergföll überrascht im Speerwerfen mit Europarekord und Silber, Steffi Nerius gewinnt Bronze. Nur Osleidys Menéndez (Kuba) ist noch besser - ihr gelingt mit 71,70 m einer von drei Weltrekorden. Die Russinnen Jelena Issinbajewa (Stabhochsprung/5,01 m) und Olimpiada Iwanowa (20 km Gehen/1:25:41 Std.) steuern die beiden anderen bei.

2007: Triple für Gay und Felix

Osaka ist nach Tokio der zweite japanische WM-Gastgeber. Die Leistungen sind top, das Zuschauerinteresse mit insgesamt lediglich 254.000 Besuchern aber enttäuschend.

"König und Königin der WM" sind mit jeweils drei Erfolgen die US-Sprinter Tyson Gay, der über 100 und 200 m sowie mit der 4x100-m-Staffel Gold gewinnt, und Allyson Felix, die über 200 m und mit beiden Staffeln nicht zu schlagen ist.

Das DLV-Team überzeugt wieder in den Wurfdisziplinen: Ist das dritte WM-Gold von Diskus-Ikone Franka Dietzsch nach 1999 und 2005 erwartet worden, gehören Betty Heidlers Hammer-Sieg und Robert Hartings Diskus-Silber zu den positiven Überraschungen.

2009: Bolt überstrahlt alle in Berlin

Usain Bolt lässt das Berliner Olympiastadion gleich mehrfach beben. Auf der markanten blauen Tartanbahn pulverisiert er die Weltrekorde über 100 m (9,58 Sek.) und 200 m (19,19). Mit der Staffel gibt es das dritte Gold. In Sachen Show macht dem Jamaikaner ohnehin niemand etwas vor.

Auch die deutschen Starter überzeugen bei ihrer Heim-WM: Speerwerferin Steffi Nerius verabschiedet sich mit Gold von der großen Leichtathletik-Bühne, Robert Harting unterstreicht seine Ausnahmestellung bei den Diskuswerfern. Neun Medaillen holt das deutsche Team insgesamt.

2011: Großer Wurf der deutschen Werfer in Daegu

Bolt steht auch in Südkorea wieder im Blickpunkt - einmal allerdings ungewollt: Er wird über die 100 m nach einem Fehlstart disqualifiziert. Trösten kann er sich mit den Titeln über 200 m und den Sieg mit der Staffel in Weltrekordzeit.

Allyson Felix erweitert ihre Medaillensammlung um zwei goldene, eine silberne und eine bronzene. Deutschland bestätigt einmal mehr seinen Ruf als Werfer-Nation: Gold holen Diskusriese Robert Harting, der seinen Titel von Berlin erfolgreich verteidigt, Speerwurf-Überraschungssieger Matthias de Zordo und David Storl, der sich zum jüngsten Weltmeister im Kugelstoßen krönt.

2013: Große Emotionen im deutschen Team 

Der Fauxpas von Dague ist vergessen, Usain Bolt in Moskau wieder ganz der Alte: Der Jamaikaner gewinnt wie in Berlin dreimal Gold und überflügelt mit einer Gesamtbilanz von acht WM-Titeln und zwei Silbermedaillen Carl Lewis als erfolgreichsten Teilnehmer bei Weltmeisterschaften.

Sprinter bei der WM in Moskau

Große Emotionen gibt es im deutschen Team. Raphael Holzdeppe schlägt im spannenden Stabhochsprung-Duell den Favoriten Renaud Lavillenie. Robert Harting und David Storl siegen erneut - und endlich gelingt auch Christina Obergföll mit dem Speer der große Wurf: Nach fünf Silbermedaillen holt sie ihren ersten Titel bei einer internationalen Großveranstaltung.

2015: Bolt mit drei weiteren Titeln

Im "Vogelnest" von Peking beginnt 2008 die Erfolgsserie von Usain Bolt, sieben Jahre später dominiert er dort zum letzten Mal ein Leichtathletik-Großereignis. Trotz einer durchwachsenen Vorbereitung gewinnt der Jamaikaner erneut das Triple (100, 200 m sowie die Staffel). Sein größter Widersacher ist der bereits zweimal wegen Dopings gesperrte US-Amerikaner Justin Gatlin, was die Sympathien der Zuschauer noch deutlicher in Richtung Bolt schwenken lässt.

Und die Deutschen? Das DLV-Team startet mit Kugel-Gold für Christina Schwanitz in die WM und schließt sie mit dem Titel von Speerwerferin Katharina Molitor ab. Dazwischen gibt es ebenfalls überzeugende Leistungen und einige Überraschungen. Hervorzuheben vor allem Bronze für Gesa Krause über 3.000 m Hindernis - die erste Laufmedaille im Einzel für den DLV seit 14 Jahren. Cindy Roleder legt über 100 m Hürden später sogar noch einen drauf und gewinnt Silber.

2017: Rekordkulisse in London

Die Briten sind für ihre Sportbegeisterung bekannt und zeigen dies eindrucksvoll bei der WM im Olympiastadion von 2012: Mehr als 700.000 Leichtathletik-Fans sorgen für einen Rekord. Eigentlich der richtige Rahmen für einen großen Abschied von Usain Bolt. Doch auch der Jahrhundertsprinter kann die Gesetze der Natur nicht (oder nur manchmal) außer Kraft setzen.

Über 100 m reicht es beim Sieg für Justin Gatlin nur zu Rang drei. In der Sprintstaffel findet Bolts WM-Karriere schließlich ein schmerzhaftes Ende: Er muss verletzt aufgeben. Das Publikum ist entsetzt, bricht aber wenig später in lauten Jubel aus, da sich die Briten Gold sichern.

Das DLV-Team holt vier seiner fünf Medaillen am vorletzten Tag. Vor allem die deutschen Mehrkämpfer überzeugen. Carolin Schäfers zweitem Rang lassen Rico Freimuth und Kai Kazmirek Silber und Bronze folgen. Zwei deutsche Medaillen im Zehnkampf hat es seit 30 Jahren nicht mehr gegeben.

2019: WM der Extreme in Katar

Die Weltmeisterschaften 2019 in Katar sind höchst umstritten, für das deutsche Team aber erfolgreich: Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Niklas Kaul holen Gold bei den Titelkämpfen im heißen Golf-Emirat, die für viele Diskussionen sorgen.

Die Vergabe der WM an Katar ist von Korruptionsvorwürfen überschattet, die Bedingungen außerhalb des klimatisierten Stadions am Rande des Erträglichen. 41 Prozent beträgt die Ausfallquote beim in der Nacht gestarteten Frauen-Marathon - trauriger WM-Rekord.

WM-Stimmung kommt nur selten auf. Anfangs verlieren sich nur wenige Tausend Zuschauer im Stadion. Erst nachdem die Veranstalter Freikarten verteilen, wird die Atmosphäre besser. Mit dem Leichtathletik-Fest von London ist die WM in Doha allerdings nicht zu vergleichen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Sportschau | 15.07.2022 | 20:20 Uhr