LIV-Turnierserie

"Risiko einschätzen" US-Kongress prüft Golf-Fusion von PGA und LIV

Stand: 13.06.2023 08:55 Uhr

Die spektakuläre Verschmelzung der US-PGA-Tour und der DP-World-Tour mit der umstritten Saudi-Serie LIV Golf wird politisch - der US-Kongress schaltet sich ein.

Der "Ständige Unterausschuss für Untersuchungen des Senats" leitete zu Wochenbeginn ein Prüfverfahren zu dem Vorgang ein und forderte die PGA und LIV zu gezielten Auskünften binnen einer Frist von 14 Tagen auf.

"Die Untersuchung ist der Schlüssel dazu, das mögliche Risiko durch die Übernahme der Kontrolle über eine wertgeschätzte amerikanische Institution durch Saudi-Arabiens Regierung einzuschätzen", begründete der demokratische Senator Richard Blumenthal als Vorsitzender des Ständigen Unterausschusses die Ermittlungen der Politik. "Ich erwarte von der PGA und LIV Informationen dazu, wie es zu dieser Vereinbarung mit dem saudischen Staatsfonds gekommen ist und wie die neue Organisation strukturiert sein soll und agieren wird. Wir fordern deswegen Aufzeichnungen, Dokumente und andere Beweise für wichtige Fakten an."

Fusion völlig überraschend

PGA und die europäische DP-World-Tour einerseits und LIV Golf andererseits hatten sich vor Wochenfrist nach über einjährigem Streit vollkommen unerwartet zusammengeschlossen. Mit der geradezu sensationellen Vereinbarung zwischen den so ungleichen Partnern endeten auch sämtliche Auseinandersetzungen beider Lager vor Gerichten.

Es entstehe ein "gemeinsames, gewinnorientiertes Unternehmen, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten von einem Modell profitieren, das maximale Spannung und Wettbewerb unter den besten Spielern des Spiels bietet", teilten die beteiligten Organisationen mit. 

Rory McIlroy zeigt Verständnis

Die Einführung der LIV Tour 2022 hatte die Golfwelt gespalten. Die stark umstrittene Serie wurde von Saudi-Arabien mit Millionensummen finanziert. Die US-PGA-Tour schloss Profis aus, die am Konkurrenzwettbewerb teilnahmen. Dazu gehörte auch der deutsche Ex-Weltranglistenerste Martin Kaymer (Mettmann).

Einer der vehementesten Kritiker von LIV Golf war neben Tiger Woods auch Rory McIlroy. Der nordirische Golfstar äußerte sich nach der Fusion allerdings durchaus positiv. "Wenn ich versuche, mich selbst aus dieser Situation herauszunehmen, wenn ich auf das große Ganze schaue, auf die nächsten zehn Jahre - dann wird es vermutlich gut sein für den professionellen Golfsport. Dadurch wird er vereint, und die finanzielle Zukunft wird gesichert."

USA und Saudi-Arabien: Kritik und Beziehungen

Der demokratische US-Senator Blumenthal wies in Briefen an die Spitzen von PGA und LIV ausdrücklich auf Saudi-Arabiens "tief verstörenden" Umgang mit der Achtung von Menschenrechten als Auslöser für seine Untersuchungen hin: "Saudi-Arabien benutzt Investitionen im Sport, um strategische Ziele seiner Regierung zu verfolgen."

Saudi-Arabien folgt dem Vorbild seiner Nachbarstaaten Katar und Vereinigte Arabische Emirate, die schon seit vielen Jahren in internationale Sportveranstaltungen investieren. Dadurch erhoffen sie sich politischen Einfluss und einen Imagegewinn. Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie ohne Meinungs- und Pressefreiheit, Frauen und Minderheiten werden unterdrückt. Kritiker sprechen von Sportswashing, wenn eine Nation Sport und Sportler dafür einsetzt, von Menschenrechtsverletzungen abzulenken.

Donald Trump könnte profitieren

Auch aus den USA kommt immer wieder diese Art von Kritik an Saudi-Arabien. Gleichzeitig pflegen US-Regierung und US-Konzerne intensive wirtschaftliche Beziehungen zu dem reichen Ölstaat. Die PGA Tour folgt nun diesem Beispiel, behält in der neuen Organisation zwar die Stimmenmehrheit, räumt dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF als größten Investor aber viel Einfluss ein.

Einer der Profiteure des Zusammenschlusses könnte Ex-US-Präsident Donald Trump sein, aktuell Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Drei seiner Golf-Resorts sind Austragungsorte für LIV-Turniere, unter anderem die Anlage im saudi-arabischen Dschidda beim Saisonfinale. So ist absehbar, dass Trumps Resorts auch im neuen gemeinsamen Turnierkalender auftauchen werden.