Eintrittskarten für die EURO 2020 - Losverfahren, Tests und Quarantäne

Vereinzelte Fans beim UEFA-Super Cup in der Puskas Arena

Fußball-EM in zwölf Ländern

Eintrittskarten für die EURO 2020 - Losverfahren, Tests und Quarantäne

Von Chaled Nahar

Bei der EURO 2020 werden nicht alle Plätze in den Stadien besetzt werden können. Dadurch wird es wohl weniger verfügbare Plätze als verkaufte Eintrittskarten geben. Außerdem könnten Spielorte wegfallen - es gibt viele Fragen für Fans mit Eintrittskarten.

Am Freitag (09.04.2021) kündigte die UEFA an, dass das Turnier nach aktuellem Stand wie bisher geplant in zwölf Städten verteilt über das UEFA-Gebiet stattfinden soll, vier Städte gelten jedoch als Streichkandidaten: Bilbao, Rom, Dublin und München.

Nun stellen sich in Sachen Eintrittskarten zahlreiche Fragen.

Was passiert mit Karten für die Spiele in München, falls diese nicht dort stattfinden?

Über genau diesen Fall wurde im Januar gestritten. Menschen, die Eintrittskarten für die EM gekauft hatten, sollten sich zunächst bis zum 26. Januar entscheiden, ob sie ihre Karten behalten wollen - ohne zu wissen, wo die Spiele wirklich stattfinden. Damals waren Austragungsorte noch unklarer als heute. Später lenkte die UEFA ein.

"Sollte ein Spiel der UEFA EURO 2020 an einen Ort verlegt werden, der mehr als 50 km vom ursprünglichen Austragungsort entfernt ist, haben Ticketkäufer Anspruch auf eine vollständige Rückerstattung des Ticketpreises, wenn sie nicht teilnehmen können oder wollen", teilte der Verband mit. Wer also die Spiele der deutschen Mannschaft gegebenfalls nicht an einem anderen Ort sehen will, kann sein Geld zurückfordern.

Wie lange kann man Eintrittskarten noch zurückgeben?

Das Online-Portal der UEFA für die Rückgabe von Eintrittskarten ist derzeit geöffnet. Wer seine Karten noch los werden will, hat weiter die Gelegenheit zu einem Umtausch. Die aktuelle Frist der UEFA läuft bis zum 22. April, 18 Uhr MESZ.

Eine Entscheidung über München sowie über die drei anderen Städte soll am 19. April fallen - es bleiben anschließend im Ernstfall also drei Tage Zeit, die UEFA kündigte für den Ernstfall aber auch weitere Möglichkeiten an.

Was passiert, wenn es mehr verkaufte Karten als verfügbare Plätze gibt?

Die UEFA kündigte an, in diesem Fall die Fans auszulosen, die ins Stadion dürfen. Diese Auslosung soll bei Bedarf im Mai stattfinden.

Werden Fans der Teams oder Zuschauer aus den Ausrichterstädten bevorzugt?

Offen ist, ob die generelle Öffentlichkeit an den Spielorten bei der Kartenzuteilung bevorzugt wird oder die Fans der Teams, die Karten über ihre Verbände haben.

Ronan Evain von Football Supporters Europe (FSE)

Ronan Evain von Football Supporters Europe (FSE)

"Wir sind der Meinung, dass die Fans der Teams Vorrang haben sollen", sagt Ronan Evain vom europäischen Fanbündnis Football Supporters Europe im Gespräch mit der Sportschau. "Viele von ihnen haben auch Zeit und Geld geopfert, um weniger attraktive Qualifikationsspiele zu sehen." Eine endgültige Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht.

Kann man einfach zu einem Spiel in einem anderen Land reisen?

Die UEFA veröffentlichte den aktuellen Stand für die Spielorte, vielerorts gilt beispielsweise die Pflicht zu einer Quarantäne oder mindestens zur Vorlage negativer Testergebnisse. Ausnahmen für Karteninhaber gibt es nach bisherigem Stand an neun Standorten nicht.

Nur für Baku, Budapest und Sankt Petersburg gibt es derzeit Bestätigungen oder Pläne, ausländischen Zuschauern Ausnahmen von Einreisebestimmungen zu gewähren. Fans, die nicht in Ungarn leben, müssen für eine Reise nach Budapest zwei negative Corona-Tests vorlegen, die innerhalb der fünf Tage vor der Einreise erfolgt sein müssen. Genügend ist außerdem der Beleg einer Infektion mit dem Coronavirus innerhalb von sechs Monaten vor der Einreise. Aserbaidschan mit Baku kündigte an, Staatsbürger der beteiligten Mannschaften zu den Spielen zu lassen. Es soll dort Ausnahmen von der Quarantänepflicht für Karteninhaber geben. Auch in Russland sollen ausländische Gäste mit einem negativen Test einreisen können, Austragungsort ist Sankt Petersburg.

Wie viele Fans dürfen in die Stadien?

Budapest verspricht ein voll besetztes Stadion, obwohl die Zahlen aktuell hoch sind: Am 9. April war die Sieben-Tage-Inzidenz mit 380,6 eine der höchsten Europas (Quelle: Johns Hopkins University). Baku und Sankt Petersburg sagten 50 Prozent Auslastung zu.

Bei den meisten anderen Spielorten spricht die UEFA von 25 bis 33 Prozent, Mitteilungen auf den Verbandsseiten lassen teilweise auch auf nur 20 Prozent schließen. In München und Dublin sind derzeit keine Fans zugelassen. Hinter Bilbao und Rom stehen ebenfalls Fragezeichen.

Pläne für die Spielorte der EURO 2020 (Stand: 08.04.2021)
StadtKapazitätAuslastung (ca.)
London90.00025-50%
Rom72.68920%
München70.000unklar
Baku69.87050%
St. Petersburg69.50150%
Budapest67.155100%
Bukarest55.60020%
Amsterdam54.99020%
Glasgow52.50025%
Dublin51.700unklar
Bilbao50.00025%
Kopenhagen38.19033%

Wie soll der Ablauf am und im Stadion aussehen?

Die Regeln sollen laut UEFA streng werden. Jeder Fan mit einer Eintrittskarte erhält ein bestimmtes Zeitfenster von 30 Minuten, in dem er am Stadion sein muss. Eine Maskenpflicht soll zu jeder Zeit gelten. Hinzu kommen könnten Temperaturmessungen - aber die Situation werde sich von Stadion zu Stadion auch unterscheiden, so die UEFA.

Erarbeitet wurde das Konzept unter anderem von Dr. Tim Meyer, der wie beim DFB auch in der UEFA den Vorsitz in der medizinischen Kommission hat. Meyer ist einer der Urheber der Hygienekonzepte, die im deutschen Profiußball verwendet werden.

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Gibt es Papierkarten?

In den meisten Fällen nicht. Eintrittskarten sollen weitgehend über mobile Anwendungen fürs Handy verkauft werden. Mit einem "Mobile Ticket" auf dem Telefon erhält man Zutritt zum Stadion.

Bitter für Fans, die Karten sammeln: Für ein sogenanntes "Souvenir-Ticket" in Papierform berechnet die UEFA 15 Euro zusätzlich. Aber auch hier ist zumindest eine Erstattung bei Widerruf der Eintrittskarte vorgesehen.

Wie hoch ist der Einnahmeverlust für die UEFA?

Das lässt sich nur erahnen. Der Verkauf von Eintrittskarten ist für die UEFA ein bedeutsamer Posten: 2,1 Milliarden Euro wurden vor der Pandemie als Einnahmeziel für die EURO 2020 genannt. Die Einnahmen setzen sich im Wesentlichen aus dem Verkauf von Fernsehrechten, von Sponsoringmaßnahmen und eben von Eintrittskarten inklusive luxuriöser VIP-Pakete mit Bewirtung zusammen.

Bei der EM 2016 nahm die UEFA laut eigenem Geschäftsbericht (Seite 24) insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro ein, fast 400 Millionen kamen aus dem Kartenverkauf. Durch die zu erwartenden leeren Sitze bei der EM wird dieser Teil wohl kleiner werden und dazu beitragen, dass das Einnahmeziel schwieriger zu erreichen sein wird.

Einnahmen EM-Turniere (Quelle: UEFA)
TurnierGesamt €Eintrittskarten inkl. VIP
199240,9 Mio.12,3 Mio.
1996147,3 Mio.64,7 Mio.
2000229,9 Mio.82,5 Mio.
2004855,2 Mio.111,4 Mio.
20081350,9 Mio.255,6 Mio.
20121390,9 Mio.238,1 Mio.
20161916,0 Mio.397,3 Mio.
2020??

UEFA-Medizinberater Koch: EM mit Zuschauern wird möglich sein Sportschau 01.04.2021 00:17 Min. Verfügbar bis 01.04.2022 Das Erste

Stand: 10.04.2021, 12:55

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