Super League und Champions League - Konflikte toben weiter

Aleksander Ceferin, UEFA-Präsident

Super League und Champions League

Super League und Champions League - Konflikte toben weiter

Von Chaled Nahar

Seit dem vorläufigen Zusammenbruch der Super League sortieren sich die Interessenvertreter neu. Die Strategien der UEFA, der Ligen und der abtrünnigen Klubs zeigen, dass es weiter große Konflikte um die Super League und die Reform der Champions League gibt.

Die UEFA: Maximale Isolation für Real Madrid, FC Barcelona und Juventus

Am Mittwoch verkündete die Sportgerichtsbarkeit der UEFA, dass offiziell Ermittlungen gegen Juventus Turin, Real Madrid und den FC Barcelona aufgenommen werden. Am Ende dieses Verfahrens könnte im Extremfall ein Ausschluss dieser drei Klubs aus der Champions League für eine oder mehrere Saisons stehen - sofern eine solche Maßnahme anschließend vor dem Internationalen Strafgerichtshof oder ordentlichen Gericht Bestand hätte. "Wir werden versuchen, alle Sanktionen anzuwenden. Diese Klubs und auch ihre Spieler müssen so schnell wie möglich aus allen unseren Wettbewerben verbannt werden", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin kurz nach Ausrufung der Super League.

Die UEFA unternimmt derzeit alles, um die drei letzten Klubs, die öffentlich an der Idee Super League festhalten, sportpolitisch maximal zu isolieren. Auch deshalb begnadigte sie die neun anderen Klubs der Super League unter einigen Auflagen. Atletico Madrid, AC Mailand, Inter Mailand sowie die englischen Klubs Tottenham, Chelsea, Arsenal, Manchester City, Manchester United und Liverpool sind wieder offiziell Teil des Systems und müssen vorerst keine weiteren Konsequenzen mehr fürchten. Diese Strategie der UEFA sorgt aber zumindest in Teilen für Unzufriedenheit bei den Ligen.

Die Ligen: Gleichzeitig Unmut und Verständnis für die UEFA

Denn die Strafen für die neun Klubs sind milde. Fünf Prozent ihrer UEFA-Einnahmen einer Saison beträgt die Geldstrafe für jeden der neun offiziell reumütigen Super-League-Klubs. Das macht im schlimmsten Fall derzeit einen Betrag von vier bis sieben Millionen Euro aus - Kleinigkeiten in diesem Bereich. "Das ist ein Problem", sagt ein Vertreter einer europäischen Liga im Gespräch mit der Sportschau. "Die UEFA muss die neun Klubs bestrafen und gleichzeitig mit Perspektiven wieder auf ihre Seite ziehen. Wichtiger als Strafen sind deshalb Regeln, die einen Versuch für eine Super League deutlich erschweren."

Die UEFA handelte mit den Klubs zudem eine Vertragsstrafe von 100 Millionen Euro pro Klub aus, sollte es einen weiteren Versuch zum Ausbruch in eine Super League geben. Auch das bereitet den Ligen Sorge. Denn damit hängt an diesen Klubs ein Preisschild, von dem wenig Abschreckung ausgeht. In der Super League sollten schließlich mehrere Milliarden bewegt werden. Jedem einzelnen Klub wurden mehr als 300 Millionen Euro geboten, die Strafe klingt im Vergleich verkraftbar.

Super League, Champions League & das House of Cards des Fußballs

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 24.04.2021 42:43 Min. Verfügbar bis 16.04.2041 WDR 5


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Die Ligen haben allerdings ganz ähnliche Probleme wie die UEFA. In Italien drohte der Verbandspräsident, dass Juventus Turin aus der Serie A ausgeschlossen würde, sollte sich der Klub nicht von der Super League distanzieren. Dass die Ligen auf ihre größten Zugpferde kaum verzichten können, wissen allerdings auch die Klubs. "Natürlich hat beispielsweise die Premier League überhaupt kein Interesse daran, künftig ohne Manchester United, Chelsea oder Liverpool zu spielen", sagte der Ligavertreter. Die Macht der Klubs bleibt also groß - und könnte bald größer werden.

Die ECA: Neun abtrünnige Klubs kehren zurück, ihr Einfluss wohl ebenfalls

Spielszene aus Liverpool gegen Chelsea

Liverpool und Chelsea - ihre Klubführungen sind zurück in der ECA

Völlig zerrupft stand die Klubvereinigung ECA nach dem Desaster um die Super League da. Jahrelang war sie die Gegenspielerin von UEFA, Ligen und Fan-Organisationen. Sie übte als Lobbyverband der Spitzenklubs Druck aus und forderte mit Erfolg immer mehr Startplätze für die großen Klubs aus den großen Nationen. Ein Neuanfang schien nach dem Super-League-Debakel möglich, mittlerweile deutet jedoch Vieles auf die Rückkehr alter Strukturen hin. Nasser Al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain, ist nun Chef der ECA. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sitzt mit ihm gemeinsam UEFA-Exekutivkomitee - die beiden wichtigsten Posten bekamen erneut die großen Klubs.

Die neun Klubs, die von der UEFA begnadigt wurden, haben als ersten Schritt ihrer Rehabilitierung bereits ihre Mitgliedschaften in der ECA zurück. Zwar sind die Sitze im ECA-Vorstand, die von Arsenal, Manchester United, Atletico Madrid, FC Liverpool und Inter Mailand gehalten wurden, derzeit noch nicht wieder von diesen Klubs besetzt. Auch aus den mächtigen UEFA-Gremien wie der Kommission für Klubwettbewerbe sind diese Klubs von der UEFA zunächst entfernt worden. Doch mittelfristig wird ihr Einfluss wohl wieder der alte sein.

Juventus, Real Madrid und der FC Barcelona sind allerdings auch bei der ECA noch komplett draußen. Denn sie haben weiter eigentlich anderes vor.

Die drei Rebellen: Mit verletztem Stolz auf dem Rechtsweg

Andrea Agnelli

Andrea Agnelli, Präsident von Juventus und Ex-ECA-Chef

Von der Super League distanzieren wollen sich drei Klubs immer noch nicht. Juventus, Real Madrid und der FC Barcelona gaben in einer gemeinsamen Mitteilung an, in einen Dialog mit der UEFA treten zu wollen, doch ihr Ziel bleibt wohl die Super League. Ein Weg zurück in die UEFA wäre zudem für alle drei Klubpräsidenten mit einem erheblichen Gesichtsverlust verbunden. In Barcelona und Madrid müssen sich die Präsidenten Mitgliederversammlungen stellen, auf denen man nicht durch Kompromisse mit der UEFA Mehrheiten gewinnt. Und Juventus-Präsident Andrea Agnelli hat ohnehin alle Brücken zur UEFA abgebrannt.

Eine Niederlage eingestehen wollen die drei Klubchefs nicht. Sie zweifeln an, dass beispielsweise ein Ausschluss aus der Champions League oder eine Verhinderung der Super League mit den angedrohten Strafen wie dem Ausschluss aus den nationalen Ligen rechtlich möglich ist und leiteten über das neu gegründete Super-League-Unternehmen rechtliche Schritte ein. In Madrid legte ein Handelsgericht laut der spanischen Zeitung "El Pais" deshalb dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg die Frage vor, ob die UEFA und die FIFA durch eine Monopolstellung den freien Wettbewerb verhindern und damit gegen EU-Recht verstoßen. Derselbe Richter hatte zunächst Sanktionen gegen die Super-League-Klubs untersagt. Ein großer juristischer Erfolg ist die Fragestellung an den EuGH allerdings noch nicht. Bislang wurde das bestehende Sportsystem von den europäischen Institutionen ausdrücklich unterstützt.

Die Champions League: Die Reform ab 2024 steht weiter zur Debatte

Die Reform der Champions League ab 2024, mit der vor der K.o.-Phase die Gruppenspiele abgeschafft und ein Ligensystem eingeführt werden, steht in der Kritik. Einige Details stehen besonders in Frage: Die Abschaffung der Qualifikation für zwei Klubs auf Grundlage alter Erfolge aus der UEFA-Koeffizientenrangliste gilt in der UEFA bereits als sicher - der Unmut über dieses Rettungsnetz für schwächelnde Großklubs war zu deutlich. Ligen und Fanbündnisse wollen aber weitere Kritikpunkte anbringen.

Umstritten bleibt, ob es wirklich 100 Spiele mehr sein müssen in der Champions League, denn dadurch würden nationale Wettbewerbe weniger Termine haben und möglicherweise geringere Chancen auf TV-Geld haben. Zudem geht es um die generelle Geldverteilung, bei der die Ligen darauf hoffen, dass es mehr Geld für Mannschaften gibt, die nicht am Europapokal teilnehmen. Dass soll eine finanzielle Schieflage und immer größere Langeweile in den Ligen zumindest bremsen. Aus UEFA-Kreisen ist allerdings zu hören, dass sich vor dem Ende der Europameisterschaft im Sommer in diesem Bereich nichts entscheidendes tun wird.

Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe sport inside 18.04.2021 08:43 Min. UT Verfügbar bis 18.04.2022 WDR

Die Fans: Mit neuer Macht in die UEFA

Am Mittwoch traf sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin mit mehreren Fangruppen der Super-League-Klubs. Auch das europäische Fanbündnis Football Supporters Europe (FSE) war dabei. "Wir sollten ihnen in wichtigen relevanten Fragen eine Stimme geben", sagte UEFA-Präsident Ceferin und stellte in Aussicht, dass die Fans eine offizielle Interessenvertretung in der UEFA bekommen. Für die Fanbündnisse wären nach Informationen der Sportschau zumindest beratende Funktionen in den unteren Kommissionen der UEFA interessant - dort werden beispielsweise der Turniermodus für den Europapokal, die Geldverteilung oder die Bedingungen für das Financial Fairplay ausverhandelt.

"Wir freuen uns auf einen sinnvollen Dialog über die Zukunft der UEFA-Klubwettbewerbe, die Rechte der Gäste-Fans, die Rückkehr zu Stehplätzen und andere Themen", sagte FSE-Geschäftsführer Ronan Evain. Das englische Bündnis FSA forderte ultimativ die Rücknahme der Koeffizienten-Qualifikation und der Erhöhung der Anzahl von Spielen in der Champions League ab 2024. Zudem solle das Geld gleichmäßiger verteilte werden.

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Stand: 14.05.2021, 15:17

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