Xavi bei seiner Vorstellung beim FC Barcelona

Fußball | La Liga

Debüt gegen Espanyol: Es wird ernst für Barcelona-Legende Xavi

Stand: 19.11.2021, 09:58 Uhr

Während der Länderspielpause hat Xavi als neuer Trainer des FC Barcelona die Stimmung beim Krisenklub aufgehellt und für Disziplin gesorgt. Am Samstag debütiert er - gleich im Stadtderby.

Von Florian Haupt (Barcelona)

Am Mittwochnachmittag (17.11.2021) fand der Nostalgietrip des FC Barcelona seinen vorläufigen Höhepunkt. Vor über 10.000 Fans im Camp Nou wurde der Brasilianer Dani Alves als Neuzugang vorgestellt.

Alves war Barças Rechtsverteidiger zur großen Zeit zwischen 2008 und 2016, zuletzt führte er Brasilien als Kapitän zum Olympiasieg in Tokio. Mittlerweile ist er 38 Jahre alt. Doch zu seiner Präsentation kamen sogar mehr Menschen als zu der von Xavi eine Woche zuvor.

Xavi-Debüt gleich gegen Espanyol Barcelona

Xavi Hernández, 41, ist die noch größere Klublegende und der neue Trainer. Am Samstag (21 Uhr, Liveticker auf sportschau.de) debütiert er auf der Barça-Bank, es geht gleich gegen den Stadtrivalen Espanyol, der in der Tabelle auf Rang elf punktgleich hinter dem Neunten Barça liegt – mit einem Sieg könnte er erstmals seit Menschengedenken vorbeiziehen.

Drei Tage später kommt schon Benfica Lissabon zum Entscheidungsspiel um den Champions-League-Achtelfinaleinzug ins Camp Nou. Mehr Druck zum Einstieg geht kaum.

Dani Alves in Badelatschen

Barça hat sich dagegen während der Länderspielpause mit Feelgood-Stimmung zu imprägnieren versucht. Der lebensfrohe Alves ist insofern eine Idealbesetzung. Zu seiner Vorstellung kam er mitten im November mit Badelatschen, er stellte sie an der Seitenlinie ab und machte von da an barfuß weiter.

Barcelonas Dani Alves während einer Pressekonferenz in Badelatschen

Barcelonas Dani Alves während einer Pressekonferenz in Badelatschen

"Es lebe Barça, es lebe Katalonien und es leben die Mütter, die Euch geboren haben", rief er den Fans zu. Der seit März wieder amtierende Präsident Joan Laporta, selbst ein Rückkehrer, ging selig mit ihm auf eine Ehrenrunde. Alves bringe "Seele" in Klub und Kabine, sagt er.

Der Transfer steht gleichzeitig für Xavis Bemühungen, so viel aufzumischen, wie mitten in der Saison nur geht. Angesichts von Verletzungsplage und überschaubarem Fitnesszustand hat er Umbesetzungen bei Ärzten und Physios veranlasst.

Auch wurde die Vertragsauflösung von Kaderplaner Ramon Planes vereinbart. Ihn soll Jordi Cruyff, Sohn der verstorbenen Vereinslegende, ersetzen, der bisher für internationales Talentscouting zuständig war und als Vertrauter von Xavi gilt.

Auch ein Cruyff mischt wieder mit

Xavi, Laporta, ein Cruyff: Kann die Reproduktion der glorreichen Jahre gelingen? Zwischen 2003 und 2010 war Johan Cruyff der wichtigste Einflüsterer Laportas, derweil Xavi auf dem Platz die Fäden zog.

Barcelonas Xavi im Zweikampf

Barcelonas Xavi im Zweikampf

767 Spiele hat er bis 2015 für Barça absolviert, war verlängerter Arm des Epochentrainers Pep Guardiola und Vorlagengeber des Epochenspielers Lionel Messi. Spaniens Nationalelf führte er zu Titeln bei WM und EM. Schon als Aktiver prophezeiten ihm alle eine große Trainerkarriere.

An seiner ersten Station Al-Sadd hat er die Erwartungen sowohl mit Erfolgen als auch mit schönem Spiel erfüllt. Aber das war halt Katar. In Barcelona beginnt er nicht nur mitten in der Saison, sondern auch mitten in der größten Krise der Vereinsgeschichte.

Bei rund 1,35 Milliarden Euro liegen die Schulden, die Entlassung von Vorgänger Ronald Koeman und die Verpflichtung von Xavi mitsamt neuem Trainerteam hat auch die Portokasse geleert. Stand jetzt, so Barças Fußballchef Mateu Alemany bei der Alves-Präsentation, könne man im Wintertransferfenster keinen Euro ausgeben.

Ewiger Hoffnungsträger Dembélé

Xavi muss also mit dem arbeiten, was da ist. Vor allem der Angriff bereitet Probleme. Für Barças klassische 4-3-3-Spielweise und besonders ohne den abgewanderten Lionel Messi braucht es schnelle Spitzen auf den Flügeln, doch die dafür vorgesehenen Ansu Fati und Ousmane Dembélé konnten wegen diverser Blessuren diese Saison erst 366 und 25 Minuten auf dem Platz stehen.

Über den Franzosen, ewiges Sorgenkind seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund 2017, sagte Xavi bei Dienstantritt, er könne der Weltbeste auf seiner Position werden. "Wenn er gut bearbeitet wird."

Disziplin und Trainingsfleiß aber gelten nicht nur bei dem notorisch leichtfertigen Dembélé als ausbaufähig, sondern beim ganzen Team. Keinen anderen Aspekt betonte Xavi bei seiner Vorstellung mehr: "Gibt es Normen und Ordnung, läuft es gut, wenn nicht, dann nicht, das ist meine Erfahrung als Spieler", sagte er.

Xavi führte als erste Amtshandlungen wieder Geldstrafen bei Unpünktlichkeit oder das gemeinsame Mittagessen am Trainingszentrum ein. Harte Zeiten für Multitasker wie Abwehrspieler Gerard Piqué, der nebenher etwa noch den Davis Cup im Tennis veranstaltet.

"Es gibt nichts Besseres"

Auch für die Rückkehr zu Professionalität soll Alves stehen, der nicht umsonst mit 38 immer noch dabei ist. Spielen darf er zwar erst, wenn er im Januar als Neuzugang eingeschrieben werden kann. Bei seiner Begrüßung in der Kabine rief der den Teamkollegen aber schon mal ihr Privileg in Erinnerung: "Ihr, die hier (beim FC Barcelona, d. Red.) seid, müsst das hoch schätzen. Denn es gibt nichts Besseres."

Alles ist getan, um die Stimmung zu drehen. Jetzt kommt die Bewährungsprobe für Xavi – das, was bei Barça zuletzt am wenigsten Spaß machte: die Spiele.

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