Spanien - San Sebastian mischt die Liga auf

David Silva, Alexander Isak

Außenseiter nutzt die Schwäche der Favoriten

Spanien - San Sebastian mischt die Liga auf

Von Olaf Jansen

Die großen Klubs schwächeln, ein Außenseiter aus dem Baskenland nutzt das: Real Sociedad San Sebastian führt in Spanien die Liga an. Sogar Borussia Dortmund mischt in dieser Geschichte mit.

Als es in diesem Sommer bei Real Sociedad San Sebastian um das Thema Neuzugänge ging, hatte Klubpräsident Jokin Aperribay keine guten Nachrichten für Trainer Imanol Alguacil: "Kein Geld", teilte der Klubpatron seinem leitenden Angestellten mit.

Der Umbau des Estadio Anoeta, das seit dem Einsteigen einer Versicherungsgrupe seit kurzem "Reale Arena" heißt, hatte den Klub fast 40 Millionen Euro gekostet. Da war kaum mehr Geld übrig für neues fußballerisches Personal. Mit dem 34-jährigen David Silva konnte zwar ein Routinier von Manchester City ins Baskenland gelotst werden, ansonsten rückten aber lediglich vier Jungs aus dem Reserveteam des Klubs neu in den Kader.

Nach zehn Spieltagen Tabellenführer

All dies scheint der sportlichen Entwicklung der Weißblauen aus dem Norden Spaniens keinen Abbruch getan zu haben. Am Wochenende gewann Real bei Aufsteiger FC Cadiz mit 1:0 und führt die Tabelle der spanischen La Liga nach nunmehr zehn Spieltagen weiter an. Natürlich wird dieser sensationelle Zwischenstand in Spanien hauptsächlich auf die aktuelle Schwächephase der Großklubs aus Barcelona und Madrid zurückgeführt. San Sebastians Tabellenführung zeigt aber auch, dass gerade in Zeiten wie der Coronapandemie, da auch großen Vereinen die Luft auszugehen scheint, eine stabile und bodenständige Vereinsphilosophie Früchte tragen kann.

Bescheidenheit ist das Schlüsselwort bei Real Sociedad San Sebastian - das war schon so, als der kleine Verein 1982 das bisher erste und einzige Mal spanischer Meister wurde. Und es änderte sich auch nicht, als der Klub 2003 - angeführt vom jungen Mittelfeldregisseur Xabi Alonso - knapp hinter Real Madrid Zweiter der spanischen Liga wurde. Auf solche Erfolge sind sie enorm stolz im strukturell benachteiligten Baskenland - wenn man es den reichen Klubs aus dem Süden hin und wieder mal so richtig zeigen kann.

Bis 1989 nur Basken im Team

Der Stolz im Baskenland geht sogar so weit, dass bis Ende der 80er Jahre auch bei Real nur einheimische Profis in der ersten Mannschaft zugelassen waren. Konkurrent Athletic Bilbao hält das heute noch so, in San Sebastian sehen sie das schon seit 1989 nicht mehr so eng. Damals wurde mit dem irischen Angreifer John Aldridge erstmals ein nicht-baskischer Spieler verpflichtet.

Und so stehen im aktuellen Erfolgsteam des einheimischen Coaches Alguacil natürlich baskische Jungs wie Igor Zubeldia, Roberto López, Ander Guevara und Mikel Oyarzabal hoch im Kurs. Das Team wird aber auch getragen von Spielern wie eben David Silva, der von den Kanaren stammt, dem in Pamplona geborenen Mikel Merino oder gar dem Schweden Alexander Isak. Die Abwehr steht, hat in zehn Spielen nur vier Gegentore kassiert. Und vorn wurde schon 21 Mal getroffen.

Alexander Isak - bei Borussia Dortmund ohne Chance

Die Personalie Isak ist dabei ganz besonders interessant, denn auf den Torjäger, der am Wochenende in Cadiz das entscheidende 1:0 köpfte, hält Borussia Dortmund noch Aktien.

Der heute 21-Jährige versuchte sich schon einmal bei der Borussia, konnte sich aber zwischen Januar 2017 und 2019 nicht bei den Schwarz-Gelben durchsetzen. Nachdem der damalige BVB-Trainer Thomas Tuchel zu Beginn nur kurz anmerkte, er kenne den für 8,5 Millionen Euro aus Solna verpflichteten schwedischen Neuzugang gar nicht, fristete der hauptsächlich ein Dasein in Borussias zweiter Mannschaft. Und wechselte im Januar 2019 auf Leihbasis nach Tilburg in die niederländische Eredivisie, bevor Borussia ihn im Sommer für nur 6,5 Millionen Euro ganz nach San Sebastian verkaufte.

Barcelona zeigte Interesse am Stürmer

Dort startete er so richtig durch. Markierte in der Meisterschaft neun Treffer, dazu kamen acht Tore im Pokalwettbewerb. Der 1,90 Meter große Schlaks performte derart stark, dass im vergangenen Winter sogar der FC Barcelona Interesse an einer Verpflichtung anmeldete. Daraus wurde aber nichts, auch weil sich Isak in San Sebastian noch pudelwohl fühlt.

Das könnte auch Borussia Dortmund zu spüren bekommen, falls die Westfalen ernsthaft darüber nachdenken, den plötzlich Treffsicheren zurückholen zu wollen. Denn dazu hätten sie durchaus die Möglichkeit, weil sie sich 2019 beim Verkauf ein Rückholrecht für 2021 für einen festgeschriebenen Betrag von 30 Millionen Euro zusichern ließen. Darauf angesprochen, antwortete Isak im Sommer einer baskischen Tageszeitung aber nur: "Kein Thema. Ich bin im Moment einfach nur froh, hier zu sein."

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Sportschau 08.11.2020 03:40 Min. Verfügbar bis 08.11.2021 ARD Von Oliver Neuroth


Stand: 23.11.2020, 11:49

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