UEFA-Präsident Ceferin verteidigt Supercup: "Wir wollen Hoffnung bringen"

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

Bayern München - FC Sevilla in Budapest

UEFA-Präsident Ceferin verteidigt Supercup: "Wir wollen Hoffnung bringen"

Von Chaled Nahar

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat die Austragung des Supercups vor rund 16.000 Fans in Budapest verteidigt. Es gebe klare Vorgaben und Schutzmaßnahmen. Das Spiel zwischen Bayern München und dem FC Sevilla ist umstritten, weil die Zahl der Neuinfektionen in Ungarn hoch ist - Budapest gilt in Deutschland derzeit als Risikogebiet.

Ceferin befand sich bei der Pressekonferenz vor dem Supercup zwischen Bayern München und dem FC Sevilla im Angriffsmodus. "Das Leichteste wäre, nichts zu tun und zu warten. Denn wenn man nichts macht, macht man auch keine Fehler. Aber dann bewegt sich natürlich auch nichts", sagte Ceferin zum Vorhaben der UEFA, das Spiel am Donnerstag (21 Uhr) trotz der Umstände vor Fans auszutragen. "Wir wollen Hoffnung bringen", so der UEFA-Präsident.

Ceferin verwies darauf, dass nur etwa 16.000 Fans im Stadion sein werden, das eigentlich 67.155 Menschen fasst. Die Vorkehrungen seien streng, deshalb stelle sich die Frage nach einem Gesundheitsrisiko für die Fans nicht. "Wir werden es nicht zulassen, dass man uns in irgendeine politische Diskussion schleift", sagte Ceferin und verwahrte sich besonders gegen einen Gedanken: "Glaubt nicht, dass wir das wegen des Geldes tun. Es kostet mehr als wir einnehmen."

Ceferin: "Glaubt nicht, dass wir das wegen des Geldes tun" Sportschau 24.09.2020 00:36 Min. Verfügbar bis 24.09.2021 Das Erste

Nicht ganz 1.000 Fans der Bayern trotz Reisewarnung erwartet

Das Risiko einer Infektion besteht allerdings nicht nur im Stadion. In Deutschland gibt es wegen der hohen Infektionszahlen eine klare Haltung der Behörden: Ungarn sollte derzeit dringend gemieden werden.

"Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Hauptstadt Budapest wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt", heißt es auf den Seiten des Auswärtigen Amtes in den Reise- und Sicherheitshinweisen zu Ungarn. Das Robert Koch-Institut stuft die Region Budapest als Risikogebiet ein. Etwas weniger als 1.000 der ursprünglich bis zu 3.000 möglichen Fans des FC Bayern planen nach Angaben des Klubs aber trotz allem die Tour nach Budapest. Der Klub organisiert in Zusammenarbeit mit einem Militärdienstleister zwei kostenlose Coronatests für Fans, um Anreise und Rückkehr reibungslos sicherzustellen.

Fans müssen am Eingang ihre Körpertemperatur messen lassen

Puskas-Arena in Budapest

Die Puskas-Arena in Budapest ist der Austragungsort, auch vier Spiele der in das Jahr 2021 verschobenen EM sollen dort stattfinden. Die Fans müssen vor, während und nach ihrem Stadionbesuch zahlreiche Bedingungen erfüllen:

  • Jeder Fan muss einen Abstand von 1,5 Metern zu anderen Zuschauern einhalten.
  • Auf dem Stadiongelände gilt zu jeder Zeit eine Maskenpflicht.
  • Fans sollen sich möglichst häufig die Hände waschen und/oder desinfizieren.
  • Beim Zutritt müssen sich Fans ihre Körpertemperatur messen lassen - ist sie höher als 37,8 Grad, dürfen sie nicht hinein.
  • Wer typische Symptome von Covid-19 aufweist (beispielsweise trockener Husten oder Fieber), darf nicht ins Stadion kommen.
  • Die UEFA teilte die Sitzplätze so zu, dass der Abstand zu anderen Fans gewahrt bleibt, weshalb jeder Fan den auf der Eintrittskarte angegebenen Platz nutzen muss.

Ungarn schloss die Grenzen - mit einer Lücke für die UEFA

Wegen der Coronavirus-Pandemie dürfen seit dem 1. September 2020 Menschen aus dem Ausland eigentlich nicht mehr nach Ungarn einreisen. Offiziell heißt es aus Ungarn, man wolle das Risiko der Einschleppung des Coronavirus verkleinern. Wenig später folgte die Einführung einer Ausnahmeregelung. Seit dem 5. September 2020 ist "für Zuschauer internationaler Sportereignisse und kultureller Veranstaltungen" eine Einreise nach Ungarn für maximal 72 Stunden möglich. Es war für die UEFA und ihr erstes Spiel vor Zuschauern die entscheidende Lücke in den eigentlich geschlossenen Grenzen.

Die 72 Stunden verkürzten sich für Fans des FC Bayern zunächst auf 48 Stunden, wenn sie der Vorschrift einer Quarantäne entgehen wollten. Denn nur wer sich weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufhält, durfte laut Einreise-Quarantäneverordnung ohne negativen Test oder Quarantäne zurück nach Bayern. Doch dann wurde diese Bestimmung verschärft. Das Kabinett des Freistaats Bayern strich die Ausnahmeregel für Besucher von Sportveranstaltungen.

Söder und Ungarns Oberbürgermeister mit Kritik

"Das trifft insbesondere das Thema Supercup", sagte Ministerpräsident Markus Söder. "Jeder soll sich das nochmal ganz genau überlegen, ob das sinnvoll ist, denn Budapest ist ein Hochrisikogebiet." Viele Fans haben es sich überlegt und sahen von der Reise ab.

Budapests Oberbürgermeister Gergely Karacsony hatte sich ebenfalls für ein Spiel ohne Zuschauer ausgesprochen. "Hätte ich die rechtlichen Möglichkeiten, das zu entscheiden, würde ich das Match hinter geschlossenen Toren stattfinden lassen", sagte Karacsony der Tageszeitung "Nepzava". Die Verantwortung liege aber bei der Regierung von Ministerpräsident Orban.

Das Spiel sollte eigentlich in Portugal stattfinden

Das Spiel war ursprünglich an Portugal vergeben worden, es sollte in Porto ausgetragen werden. Mitte Juni, als die UEFA die Austragung der Champions League in Form eines Finalturniers in Portugal beschloss, bekam Ungarn den Super-Cup. "Wir werden nützliche Erkenntnisse aus dem Spiel ziehen", sagte UEFA-Präsident Ceferin später. "Bezüglich der Sicherheit der Menschen werden wir keinerlei Risiken eingehen."

Stand: 24.09.2020, 15:11

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