Stale Solbakken und der FC Kopenhagen - Erfolgsgeschichte, zweiter Teil

Stale Solbakken, der Erfolgstrainer des FC Kopenhagen

Europa League, Viertelfinale

Stale Solbakken und der FC Kopenhagen - Erfolgsgeschichte, zweiter Teil

Von Tim Beyer

Der FC Kopenhagen hat zum ersten Mal das Viertelfinale der Europa League erreicht. Nun geht es in Köln gegen Manchester United. Für den Trainer Stale Solbakken wird es ein besonderes Spiel.

Vor einigen Tagen hat der FC Kopenhagen ein Video veröffentlicht, es dauert gerade einmal zwölf Sekunden, und doch könnte es den Trainer Stale Solbakken noch einiges kosten. Man sieht Solbakken inmitten seiner Spieler, der Kamera wendet er den Rücken zu und er sagt nur einen einzigen Satz: "Wenn ihr Manchester United schlagt, bekommt ihr meinen Bonus und müsst euch für den Rest eures Lebens keine Sorgen mehr machen." Der Rest ist Jubel und Gelächter, so endet dieser kurze Film.

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Manchester United, man muss das wissen, ist der nächste Gegner des FC Kopenhagen. Am Montagabend (10.08.2020) treffen beide Mannschaften im Viertelfinale der Europa League in Köln aufeinander. Nie zuvor ist Kopenhagen in einem europäischen Wettbewerb so weit gekommen, nun ist man im ungleichen Duell mit dem 20-maligen englischen Meister krasser Außenseiter. Ein Weiterkommen wäre eine Sensation, gewiss könnte der Trainer Solbakken dann auch den Verlust seiner Siegprämie verschmerzen.

Solbakken, 52, hat beinahe sein ganzes Trainerleben beim FC Kopenhagen verbracht. In zwölfeinhalb Jahren, verteilt auf zwei Amtszeiten, hat er mit dem Klub achtmal die dänische Meisterschaft gewonnen und viermal den Pokal, gegen United sitzt er zum 596. Mal in einem Pflichtspiel auf der Trainerbank der Dänen. Man darf Solbakken dennoch unterstellen, dass er sich an das Spiel gegen Manchester noch lange erinnern wird, und das unabhängig vom Ergebnis. Denn da ist ja immer noch die Sache mit Köln und dem FC und natürlich das Wiedersehen mit seinem Kumpel Ole Gunnar Solskjaer, dem Trainer der "Red Devils".

Zwei Norweger, einige SMS und gemeinsame Erinnerungen

"Die Teams von Stale sind immer gut organisiert und schwer zu bespielen", hat Solskjaer kürzlich gesagt. Wahrscheinlich hat auch er verfolgt, wie Solbakkens FCK überraschend im Achtelfinal-Rückspiel 3:0 gegen den türkischen Meister Istanbul Basaksehir FK gewann und damit ins Viertelfinale einzog. Doch Solskjaer musste sich bei seiner Gegneranalyse nicht nur auf die Eindrücke dieses einen Spiels verlassen, schließlich kennt er Solbakken seit vielen Jahren und weiß um die fußballerischen Vorlieben seines Landsmanns.

Anspannung bei Kopenhagens Trainer Stale Solbakken

Anspannung bei Kopenhagens Trainer Stale Solbakken

Als Norwegens Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1998 Brasilien schlug und überhaupt einige schöne Geschichten schrieb, gehörten der defensive Mittelfeldspieler Solbakken und der Stürmer Solskjaer zum Kader, später teilten sie sich vor den Spielen manchmal ein Zimmer im Hotel. Und noch etwas später machten beide gemeinsam in Kopenhagen ihren Trainerschein. "Stale ist ein guter Freund von mir", sagte Solskjaer und erzählte, sie hätten sich nun schon länger nicht gesehen, doch zuletzt habe er Solbakken gleich zwei SMS geschrieben - je eine vor und eine nach dem Spiel gegen Basaksehir.

Solbakkens Rückkehr nach Köln

Dass sich beide nun ausgerechnet in Köln wiedersehen werden, mag für Solskjaer eher unwichtig sein, für Solbakken hingegen dürfte der Ort schon eine Rolle spielen. Vor neun Jahren hatte der 1. FC Köln mit einigem Stolz einen Trainer verpflichtet, der mit seinem Klub gerade bis ins Achtelfinale der Champions League vorgerückt und dort eher unglücklich am FC Chelsea gescheitert war, nämlich Stale Solbakken. In Köln waren sie dann auch völlig begeistert und mindestens ebenso sicher, endlich einen Trainer gefunden zu haben, der den Erfolg zurück nach Köln bringen würde und innovatives Denken gleich mit.

Der Plan war gut, nur ging er nicht auf. Mancher in Köln wunderte sich bald über die Methoden des neuen Trainers, der gerne von raumorientierter Deckung sprach und von Gegenspielern, die voneinander zu isolieren und so zu Fehlern zu zwingen seien. Und dann nahm er auch noch Lukas Podolski die Kapitänsbinde weg, nicht alle fanden das clever im Rheinland. Nach nur 30 Bundesligaspielen wurde Solbakken entlassen, als der FC auf Platz 16 stand, am Ende stieg der Klub noch direkt ab. Kürzlich hat Solbakken dem "Express" ein Interview gegeben, es ging dabei natürlich auch um seine Zeit in Köln. Solbakken sagte: "Auch wenn es am Ende nicht funktioniert hat, hat mich die Stadt, die fantastischen Fans und das ganze Drumherum immer begeistert."

Eine Frage der Entwicklung

Seit bald sieben Jahren ist Solbakken nun wieder Trainer beim FC Kopenhagen, er setzt noch immer auf raumorientierte Deckung, und von seinem 4-4-2 hat er sich auch nicht verabschiedet, doch nun gibt ihm der Erfolg recht. Solbakken und Kopenhagen, das passt einfach. Solbakken sei einfach sehr gut darin, ein Team zu formen und gerade junge Spieler zu entwickeln, hat Solskjaer zuletzt öfter gesagt. Beim FCK ist Solbakken das in den letzten Jahren tatsächlich immer wieder gelungen, etwa bei Ludwig Augustinsson (jetzt bei Werder Bremen), Robert Skov (1899 Hoffenheim) oder Thomas Delaney (Borussia Dortmund).

Und auch im aktuellen Team der Dänen finden sich einige vielversprechende Talente: Mohammed Daramy, 18, gilt als außergewöhnlicher Spieler, aber auch Mikkel Kaufmann, 19, oder Jonas Wind, 21, haben zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. In Manchester werden sie sich für gewöhnlich eher nicht mit dem Kader eines dänischen Erstligisten beschäftigen, doch diesmal wird das anders sein, dafür wird der Trainer Solskjaer gesorgt haben.

Stand: 10.08.2020, 06:00

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