Kieler Vorbilder: Unterklassige Teams im DFB-Pokalfinale

Kieler Vorbilder: Unterklassige Teams im DFB-Pokalfinale

Aachen, die Amateure von Hertha BSC, Kickers Offenbach - erst dreizehn Mal hat es ein unterklassiges Männerteam im Fußball ins DFB-Pokalfinale geschafft. Holstein Kiel könnte die Liste nun erweitern.

Kiel jubelt

Holstein Kiel gibt sich vor dem Halbfinal-Duell mit Borussia Dortmund kämpferisch. "Wir wollen unsere eigenen Stärken einbringen", sagte "Störche"-Trainer Ole Werner vor der Partie. Und die haben die Kieler bereits unter Beweis gestellt, immerhin haben sie in der 2. Pokalrunde bereits den Rekord-Champion aus München rausgeworfen. Holstein würde sich mit dem Finaleinzug in die bislang überschaubare Runde unterklassiger Pokalfinalisten einreihen.

Holstein Kiel gibt sich vor dem Halbfinal-Duell mit Borussia Dortmund kämpferisch. "Wir wollen unsere eigenen Stärken einbringen", sagte "Störche"-Trainer Ole Werner vor der Partie. Und die haben die Kieler bereits unter Beweis gestellt, immerhin haben sie in der 2. Pokalrunde bereits den Rekord-Champion aus München rausgeworfen. Holstein würde sich mit dem Finaleinzug in die bislang überschaubare Runde unterklassiger Pokalfinalisten einreihen.

1965 - Alemannia Aachen: Vier Pokal-Halbfinale hat Alemannia Aachen in der Vereinsgeschichte bestritten. Gleich das erste (1965) konnten die Alemannen in der Verlängerung gegen Schalke 04 für sich entscheiden (4:3). Dortmund war im Finale in Hannover dann allerdings eine Nummer zu groß. 0:2 hieß es am Ende aus Aachener Sicht. Den Platz in den Geschichtsbüchern als erster unterklassiger Klub im DFB-Pokalfinale seit Einführung der Bundesliga nimmt ihnen trotzdem niemand mehr.

1968 - VfL Bochum: Die größte Sensation gelang den Bochumern im Halbfinale. Dort besiegten sie Titelverteidiger und Europapokal-Sieger FC Bayern München mit 2:1. Auch vorher räumte der VfL jeweils Bundesligisten aus dem Weg: Karlsruhe, Stuttgart und Mönchengladbach. Nur im Finale musste man dem klassenhöheren 1. FC Köln den Vortritt lassen. Die Mannschaft um Wolfgang Weber und Heinz Flohe gewann das Endspiel mit 4:1.

1970 - Kickers Offenbach: Als Zweitligist in den Pokalwettbewerb gestartet - als Erstligist den Pokal gewonnen. Dieses Kunststück haben die Kickers Offenbach gemeistert. Möglich wurde das durch die WM 1970 in Mexiko, die bereits im Mai begann. Deshalb ließ der DFB die Pokalsaison erst nach der Sommerpause zu Ende spielen - die 1969/70 in die Bundesliga aufgestiegenen Kickers konnten so als frischgebackener Bundesligist den Pokalsieg gegen den 1. FC Köln (2:1) feiern.

1983 - Fortuna Köln: Ein kölsches DFB-Pokalfinale: Dafür sorgten 1983 der damals ohnehin als Spitzenteam geltende 1. FC Köln sowie Fortuna Köln. Der kleinere der beiden Kölner Vereine - damals Zweitligist - fegte im Halbfinale Borussia Dortmund mit 5:0 vom Platz. Das Finale im Müngersdorfer Stadion entschied dann aber Pierre Littbarski zugunsten der "Geißböcke".

1987 - Stuttgarter Kickers: Der kleinere Verein aus Stuttgart zog über die Stationen TB Berlin, Neunkirchen, Hannover, Frankfurt und Düsseldorf ins Finale ein. Auch im Endspiel gegen den Hamburger SV ging es gut los. Die Führung nach 15 Minuten durch Dirk Kurtenbach hatte allerdings keine Minute Bestand. Das HSV gewann trotzdem erst spät mit 3:1. Für die Kickers war es der größte Pokalerfolg in der Vereinsgeschichte. 2000 zogen die Kickers immerhin erneut ins Halbfinale ein.

1992 - Hannover 96: Allein der Einzug ins Pokalfinale wäre für die 96er ein riesiger Erfolg gewesen. Hannover setzte aber noch einen drauf und gewann das Finale gegen den Erstligisten Borussia Mönchengladbach. Nach 120 Minuten ohne Tor setzten sich die Niedersachsen im Elfmeterschießen mit 4:3 durch. Es war der erste und bislang einzige Pokaltriumph der Landeshauptstädter. Nach den Kickers Offenbach (1970) ist Hannover der erste "richtige" Zweitligist, der im Pokalfinale triumphierte.

1993 - Hertha BSC Amateure: Als Berliner Verbandspokalsieger erreichten die Amateure der "Alten Dame" das Final-Heimspiel im Olympiastadion. Dort trafen die Hauptstädter auf Leverkusen, das im Achtelfinale auch schon die "Großen" der Hertha aus dem Pokal geworfen hatte. Wie schon gegen die Erstvertretung siegten die Rheinländer auch gegen die zweite Mannschaft mit 1:0. Auf dem Weg ins Finale hatten die Hertha-Amateure immerhin drei Zweitligisten und einen Erstligisten rausgeschmissen - darunter Titelverteidiger Hannover 96.

1994 - Rot-Weiss Essen: Während RWE in der 2. Bundesliga absteigen musste, marschierte man im DFB-Pokal bis ins Finale. Auf dem Weg dahin räumte Essen St. Pauli, Duisburg, Jena und TB Berlin aus dem Weg. Im Finale war Werder Bremen mit dem einstigen Essener Otto Rehagel auf der Trainerbank eine Nummer zu groß.

1995 - VfL Wolfsburg: Der Finaleinzug des VfL Wolfsburg war etwas Besonderes: Als Zweitligist siegten sie im Halbfinale auswärts beim Bundesligisten 1. FC Köln. Gegen den rheinischen Rivalen vom 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, reichte es für die "Wölfe" im Finale dann aber nur zu Platz zwei. 1997 stieg Wolfsburg auf und ist seitdem fester Bestandteil der Bundesliga.

1997 - Energie Cottbus: Eine Saison, an die man sich in Cottbus heute noch gerne erinnert: In der damals drittklassigen Regionalliga war Cottbus unter dem Trainer Eduard Geyer, den alle "Ede" nannten, nicht aufzuhalten und stieg nach zwei Aufstiegsspielen gegen Hannover 96 in die 2. Bundesliga auf. Eine Woche später stand Energie im DFB-Pokalfinale, als zweiter Amateurklub überhaupt. Am Ende unterlag Cottbus dem VfB Stuttgart mit Krasimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber 0:2.

2001 - Union Berlin: Die "Eisernen" zogen sogar als Regionalligist (damals dritthöchste Spielklasse) ins Finale ein. Im Wohnzimmer des großen Rivalen Hertha BSC musste sich Union dann allerdings Schalke 04 und dem Doppeltorschützen Jörg Böhme geschlagen geben. Union Berlin hatte als unterklassiges Team in jeder Runde das Heimrecht und spielte so in der gesamten Pokalsaison 2000/01, wie auch schon die Amateure von Hertha BSC 1993, nicht außerhalb der Hauptstadt.

2004 - Alemannia Aachen: Die Pokalreise der Alemannia hatte zwar kein Happy End, aber ein schönes Trostpflaster. Die Aachener zogen als Finalteilnehmer in den UEFA-Pokal ein, da Pokalsieger Bremen bereits für die Champions League qualifiziert war. Garant für den Erfolg von Willi Landgraf, Erik Meijer und Co. war auch das alte Tivoli-Stadion: Hier wurden gleich drei Erstligisten rausgekegelt, unter anderem Titelverteidiger Bayern München.

2011 - MSV Duisburg: Die "Zebras" hatten in der Saison 2010/11 einen vergleichsweise leichten Weg nach Berlin und mussten mit dem 1. FC Köln lediglich ein höherklassiges Team ausschalten. Im Halbfinale schossen Stefan Maierhofer und Srdjan Baljak den MSV gegen Energie Cottbus ins Finale. Gegen Schalke 04 setzte es dort aber eine deutliche 0:5-Pleite.

Stand: 30.04.2021, 13:26 Uhr

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