Krisensitzung beim DFB - Keller sogar der Gewinner?

DFB-Präsident Fritz Keller (l) und DFB-Generalsekretär Friedrich CurtiusDFB-Präsident Fritz Keller (l) und

Machtkampf beim Deutschen Fußball-Bund

Krisensitzung beim DFB - Keller sogar der Gewinner?

Von Matthias Wolf und Marcus Bark

Die Rede ist vom Showdown in Potsdam, auch über das Aus für DFB-Präsident Fritz Keller wird spekuliert. Doch den Showdown wird es nach Informationen der Sportschau nicht geben, wenn sich die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), darunter 21 Präsidenten der Landesverbände, ab Samstag (01.05.2021) in einem Hotel in Potsdam zu einer Krisensitzung trifft.

Es gehe am Wochenende nicht um das Aus von Keller, sondern nach Ansicht des schleswig-holsteinischen Verbandschefs Uwe Döring sogar darum, den DFB-Boss zu stärken. Mehr Macht für Keller, dem aktuell "die Richtlinienkompetenz entzogen worden sei", fordert Döring. Und er gibt an, Unterstützer in vielen anderen Landesverbänden zu haben.

Kellers Rücktritt sei nicht die Lösung - "nur der Grüß-August"

Mehrere Verbandspräsidenten in den Ländern würden Fritz Keller trotz der Entgleisung in Richtung seines Vizepräsidenten Rainer Koch gerne mit mehr Macht sehen, so Döring. Keller hatte auf der DFB-Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag Koch mit dem Präsidenten des Volksgerichtshofs, Nazi-Richter Roland Freisler, verglichen.

Einen Rücktritt Kellers vom Präsidentenamt sieht Döring aber nicht als Lösung grundsätzlicher Probleme im DFB. "Es kann nicht sein, dass Keller ständig die Torten ins Gesicht bekommt - aber im Grunde nur der Grüß-August ist. An diesem Problem würde auch ein Rücktritt von Keller nichts ändern", so Döring: "Wer soll unter diesen Voraussetzungen denn dieses Amt ausüben?"

Kein Landesverband fordere Rücktritt des DFB-Präsidenten

Uwe Döring ist der Initiator eines Briefes, der der Sportschau vorliegt - und den zahlreiche Verbandspräsidenten unterzeichnet haben. Döring spricht von "achtzig Prozent Zustimmung". Über den Entwurf dieses Briefes berichtete die "Süddeutsche Zeitung" bereits am 16. April  - just an dem Tag, als es zu jener Entgleisung von Fritz Keller kam.

Die Aussage, die Keller durch eine Entschuldigung indirekt eingestand, würde von allen scharf verurteilt, betonte Döring gegenüber der Sportschau, aber seitdem habe "kein Landesverband den Rücktritt von Keller gefordert, auch nicht die Deutsche Fußball-Liga". Tatsächlich hatte die DFL die Aussage von Keller deutlich kritisiert, aber keine persönlichen Konsequenzen angemahnt.

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Befremdliches Szenario auf besagter Sitzung

Das Szenario auf der besagten Präsidiumssitzung des DFB, auf der es zu Kellers Entgleisung gekommen war, wirkte auf mindestens einen Teilnehmer befremdlich. Vorne sollen nebeneinander im Sitzungszimmer gesessen haben: Keller, Koch und Generalsekretär Curtius, der Rest des Präsidiums auf Abstand im Raum verteilt oder online zugeschaltet.

Es sei viel und kontrovers diskutiert worden, schildert ein Sitzungs-Teilnehmer der Sportschau – und so hätten er und andere den Vergleich mit Nazi-Richter Roland Freisler gar nicht mitbekommen. Umso erstaunter seien einige gewesen, als der Fall erst zweieinhalb Tage später bei der DFB-Ethik-Kommission angezeigt worden sei. Das sei ein Mangel an Diskussionskultur.

"Wir haben eine Pandemie und die da oben streiten nur"

Der Bayerische Fußball-Verband, dem DFB-Vize Rainer Koch vorsitzt, schrieb, DFB-Präsident Keller habe "die Gräben vertieft", er trage die "alleinige Verantwortung für das Verlassen der sachlich-konstruktiven Ebene". Doch diese Ebene sei schon längst von vielen verlassen worden, sagen andere wie Uwe Döring. Das Lager um Keller mitsamt der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf der einen Seite und die Gruppe um Friedrich Curtius, Schatzmeister Stephan Osnabrügge und eben auch Koch auf der anderen Seite sei hoffnungslos zerstritten.

Es gehe um Macht, Pfründe, Eitelkeiten und Heimlichkeiten. "Ich glaube nicht mehr daran, dass in dieser Konstellation noch gut gearbeitet werden kann - auch und vor allem nicht für uns Amateure", so Döring: "Die fragen sich doch immer mehr, was da los ist. Wir haben eine Pandemie, allen Vereinen steht das Wasser bis zum Hals - und die oben streiten sich nur."

Der Machtkampf im deutschen Fußball: Profis gegen Amateure sport inside 21.02.2021 12:24 Min. Verfügbar bis 21.02.2022 WDR Von Matthias Wolf

Döring: Keller will Aufklärung und wird blockiert

Döring und andere fordern Aufklärung rund um all die Skandale wie das Sommermärchen und um Steuer-Affären und Beraterverträge. Es sei ein Dickicht, in dem keiner mehr durchblicke, heißt es aus Kreisen der Landespräsidenten. Döring fordert: "Es geht darum, viele Vorgänge jetzt endlich mal genau zu überprüfen."

Er glaubt, Keller wolle Licht ins Dunkel bringen - und werde blockiert. "Er ist ein Präsident, der gewisse Dinge nicht genau angucken darf", so Döring: "Der Wille nach Transparenz und Aufklärung, den Fritz Keller an den Tag legt, scheint bei einigen nicht sehr groß zu sein."

Keller wurden Kompetenzen entzogen - so eskalierte der Machtkampf

Im Zuge des DFB-Bundestages am 27. September 2019, auf dem Keller gewählt wurde, seien auch die Kompetenzen des Präsidenten beschnitten worden. Ein Fehler im Nachhinein, glaubt Döring. Nur so habe  es passieren können, dass Kellers Büroleiter entlassen worden sei  - weil er verdächtigt wurde, interne Beraterverträge an Journalisten weitergegeben zu haben. Keller sei bei der Kündigung seines engen Vertrauten vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagt Döring. Von da an eskalierte der Machtkampf.

Dass hier längst beide Seiten interne Informationen nach Außen durchstecken, um der Gegenseite zu schaden, ist offenkundig. Fakt sei, so Döring, dass "das Bild des DFB seit Jahren immer schlechter wird. Da muss man auch mal nachfragen, ob Aufgaben und Kompetenzen richtig verteilt sind". Der Präsident jedenfalls sei nicht mehr die starke Person, die er nach Ansicht einiger  Landespräsidenten eigentlich sein müsse und die zum Beispiel Kellers Vorgänger Reinhard Grindel noch gewesen sei.

Landespräsidenten kritisieren DFB-Zentrale

Die Landespräsidenten, allen voran Döring, hatten vor Wochenfrist ihren Protest-Brief ans DFB-Präsidium übersandt. Darin zu lesen: heftige Kritik an der Verbandszentrale in Frankfurt am Main. Seit einem halben Jahr gelinge es nicht, "inhaltliche und /oder persönliche Differenzen" beizulegen, stattdessen ständig "neue Grabenkämpfe", die öffentlich würden: "Es wirkt so, als müsse die Presselandschaft nicht einmal investigativ tätig werden - häufig werden Hintergrundinformationen offensichtlich aus erster Hand geliefert."

Dies, "gepaart mit Hausdurchsuchungen und Ermittlungsverfahren", schade nicht nur dem DFB selbst, sondern auch "dem Fußball in seiner Gesamtheit", bis hinunter in die Vereine. "Eine Zusammenarbeit zwischen Fritz Keller, Friedrich Curtius, Stephan Osnabrügge und Rainer Koch ist in der aktuellen Konstellation undenkbar. Vielmehr wird jeder weitere Tag nicht nur den Personen selbst, sondern vor allem dem gesamten Fußball in Deutschland massiv schaden."

Machtkampf geht weiter

Im Grunde fordern die unterzeichnenden Landesverbände eine neue Führung, sie nennen konkret als Ziel: "der neue DFB." Dazu bedürfe es laut Döring und anderer Verbandschefs eines außerordentlichen DFB-Bundestages.

Den strebt nach Informationen der Sportschau auch Fritz Keller an. Er will sich dort bestätigen lassen. Der Machtkampf geht weiter.

Stand: 29.04.2021, 18:33

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