Champions League - es ist noch nicht die Zeit für Lobeshymnen

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach bejubeln den Einzug ins Achtelfinale der Champions League

Vier deutsche Teams im Achtelfinale

Champions League - es ist noch nicht die Zeit für Lobeshymnen

Von Tim Beyer

Borussia Mönchengladbach verlor und jubelte dann doch. Alle vier deutschen Teams haben sich für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert, das hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben. Doch jetzt wird es erst richtig spannend.

Ganz am Ende eines langen Abends, in dessen Verlauf die Fußballer von Borussia Mönchengladbach zunächst oft vergeblich denen von Real Madrid hinterhergelaufen waren, war da doch noch Jubel. 0:2 hatte Gladbach verloren, doch nach dem Abpfiff hatten sich die Spieler eilig an der Seitenlinie zusammengefunden, verschwitzt, enttäuscht und irgendwie doch voller Hoffnung.

So standen sie da, dicht gedrängt, im Kreis versammelt. Sie hatten einander die Arme um die Schultern gelegt und schauten auf einem Laptop zu, wie das Parallelspiel zwischen Inter Mailand und Schachtjor Donezk in die Nachspielzeit ging. Wie Inter drückte, aber kein Tor mehr fiel und Gladbach deshalb zum ersten Mal überhaupt das Achtelfinale der Champions League erreichte.

Gladbach: Alle starren auf den Bildschirm

Sportschau 09.12.2020 01:51 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD


In die K.o.-Runde gezittert

"Wahnsinn. Wir machen eigentlich unser schlechtestes Spiel und kommen trotzdem weiter. Am Ende haben wir richtig gezittert", sagte der Kapitän Lars Stindl bei "DAZN". Tatsächlich ist es in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach eher nicht so oft vorgekommen, dass ein verlorenes Spiel für derart viele positive Nachrichten gesorgt hat. Überhaupt hatte man ja nicht unbedingt damit rechnen können, dass Gladbach in einer Vorrundengruppe mit Real, Inter und Donezk Zweiter wird.

Vor sechs Jahren war auch Schalke im Achtelfinale

Auch für die Bundesliga ist das Abschneiden der Borussia eine schöne Geschichte, haben sich damit doch alle vier deutschen Teilnehmer für das Achtelfinale qualifiziert. Das ist sonst nur Spanien gelungen. Dadurch hat die Bundesliga ihren Vorsprung in der Fünf-Jahreswertung gegenüber Frankreich schon jetzt ausgebaut und sich so auf absehbare Zeit vier Teilnehmer in der Champions League gesichert. Zuletzt hatten sich in der Saison 2014/15 alle vier deutschen Teilnehmer für das Achtelfinale qualifiziert - auch Schalke 04 war damals dabei, man mag es kaum glauben.

Auch in der Europa League läuft es gut für die deutschen Vereine, dort stehen Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim schon vor dem letzten Gruppenspiel als Teilnehmer an der K.o.-Runde fest. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) gratulierte dann auch artig.

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Zwischen Pflichterfüllung und Überraschung

Und doch stellt sich die Frage, was genau das wirklich aussagt über den Zustand des deutschen Fußballs. Das Auftreten der vier Champions-League-Vertreter lässt sich womöglich ganz gut in zwei Kategorien zusammenfassen: Die Gladbacher haben positiv überrascht, sie hatten aber auch Glück. Dass RB Leipzig in einer Gruppe mit Paris St. Germain und Manchester United Zweiter geworden ist, zeugt von einer sportlichen Entwicklung unter dem Trainer Julian Nagelsmann. Wie fragil dieser Prozess mitunter ist, davon bekam man allerdings einen Eindruck, als Leipzig Ende Oktober 0:5 in Manchester verlor.

Dass die Bayern, immerhin aktueller Titelträger in der Champions League, weiterkommen, ist dagegen keine Überraschung. Fünf von sechs Vorrundenspielen hat die Mannschaft von Hansi Flick gewonnen, das Weiterkommen stand frühzeitig fest. So konnten die Bayern schon im vorletzten Spiel gegen den ärgsten Konkurrenten Atlético Madrid eine Startelf nominieren, in der Talente wie Bright Akwo Arrey-Mbi,17, und Jamal Musiala, 17, standen. Es reichte immerhin zu einem Unentschieden.

Auch mit einem Achtelfinal-Einzug von Borussia Dortmund hatte man in einer Gruppe, in der Lazio Rom mit Abstand der stärkste Gegner war, rechnen dürfen. Überraschend war lediglich, dass sich der BVB trotz einer 1:3-Niederlage zum Auftakt in Rom noch Platz eins gesichert hat. Zu tun hatte das sicher mit einer positiven Entwicklung der jungen Dortmunder Mannschaft, aber eben auch mit der relativen Schwäche von Lazio, das gleich viermal unentschieden spielte.

Gladbach gelingt "etwas Historisches"

Lobeshymnen über den Zustand des deutschen Fußballs wären auch deshalb verfrüht. Zwar sagte etwa der Bayern-Trainer Flick gerade, dass auch die Bundesliga an Qualität gewonnen habe. "Letztlich ist es eine Aufwertung der Bundesliga. Mit der Entwicklung kann man zufrieden sein."Doch wo Deutschlands Spitzenklubs im Vergleich mit denen aus England, Spanien, Italien und Frankreich einzuordnen sind, das wird man frühestens nach dem Achtelfinale analysieren können.

Als 2014/15 zuletzt vier deutsche Teams die K.o.-Runde der Champions League erreicht hatten, war dies für drei Mannschaften gleichbedeutend mit dem Ende des Wettbewerbs. Mancher Fan wird sich noch erinnern: Der BVB war chancenlos gegen Juventus, Leverkusen schied im Elfmeterschießen unglücklich gegen Atlético aus, und Schalke gewann zwar ein spektakuläres Rückspiel gegen Real Madrid, doch am Ende fehlte ein Tor zum Weiterkommen.

Den Gladbachern wird das völlig egal sein, sie haben gerade allen Grund zur Freude. "Etwas Historisches" habe man mit dem Einzug ins Achtelfinale geschafft, sagte der Trainer Marco Rose. Natürlich mochte ihm niemand widersprechen. Am Montag (14.12.2020) ist die Auslosung der Achtelfinales. Gladbachs Gegner wird Liverpool, Manchester City, Chelsea, Juventus Turin oder Paris St. Germain heißen - die Mannschaft wird ganz sicher Außenseiter sein. Der Trainer Rose sagte: "Da kommen ein paar nette Namen."

Rose: "Jeder hat gehört, dass es für uns großen Grund zur Freude gab" Sportschau 10.12.2020 Verfügbar bis 10.12.2021 Das Erste

Stand: 10.12.2020, 11:41

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