FC Salzburg mit historischer Chance in der Königsklasse

Salzburger Erfolgsgarant: Trainer Matthias Jaissle

Fußball | Champions League

FC Salzburg mit historischer Chance in der Königsklasse

Von Frank Hellmann

Noch nie hat der FC Salzburg das Achtelfinale der Champions League erreicht. Ein deutscher Trainer und Torjäger tragen die Hoffnung, dass beim VfL Wolfsburg der große Coup gelingt.

Die Formulierung klingt im ersten Moment gewiss etwas übertrieben. "Griff nach den Sternen" heißt es auf der Homepage des FC Red Bull Salzburg, um den Erwartungshorizont für das Champions-League-Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (Dienstag 18.45 Uhr) zu beschreiben.

Gegen den Fluch der Vergangenheit

Doch wenn Salzburg in Wolfsburg antritt, dann spielt tatsächlich eine historische Komponente mit. Noch nie ist der österreichische Meister in das Achtelfinale der Königsklasse eingezogen. Weswegen die Salzburger es gar nicht erwarten können, dass der Traum vom erstmaligen "Aufstieg", wie es in Österreich heißt, in die K.o.-Phase in Erfüllung geht.

Hinzu kommt die vermaledeite Champions-League-Vergangenheit. Zwar spielt der FC Salzburg inzwischen das dritte Mal in der Gruppenphase mit, aber es gibt eine lange Liste des Scheiterns in Qualifikationsrunden und Playoffs. Garniert mit grotesken Pleiten, Pech und Pannen.

Trainer Matthias Jaissle hat bei Ralf Rangnick gelernt

Insofern wäre es auch vor diesem Hintergrund bemerkenswert, wenn die im Schnitt nur 22 Jahre alte Rasselbande des deutschen Trainers Matthias Jaissle jetzt in die Phalanx der ganz Großen vordringt. Der im Sommer zum Nachfolger des zum Schwesterverein in Leipzig abgewanderten Jesse Marsch beförderte Cheftrainer ist in der Bundesliga ein guter Bekannter. Als humorloser Abwehrspieler war er daran beteiligt, dass die TSG Hoffenheim einst 2008 zur Herbstmeisterschaft stürmte.

Wegen einer schweren Knieverletzung musste der gebürtige Nürtinger früher aufhören als gewollt, studierte Sportökonomie und bildete sich als Trainer im Nachwuchs von RB Leipzig weiter. Wie so viele Fußballlehrer ist auch der 33-Jährige vom Lehrmeister Ralf Rangnick entscheidend beeinflusst. In Hoffenheim wie Leipzig übrigens.

Abgänge werden immer wieder aufgefangen

Es verwundert nicht, dass diese DNA sich jetzt auf dem Platz widerspiegelt. Allen Abgängen zum Trotz - im Sommer verließ mit Torjäger Patson Daka für 30 Millionen Euro zu Leicester City der nächste Leistungsträger den Verein - spielen die Salzburger einen herzerfrischenden, teils hinreißenden Fußball. Selbst verschossene Elfmeter wie beim wilden Gruppenspiel beim FC Sevilla (1:1) können sie nicht schocken.

Mit sieben Punkten führen die Repräsentanten der Mozartstadt die Gruppe G erstaunlicherweise an. Jaissle sagt: "Wir sind bisher ganz gut damit gefahren, dass wir nicht anfangen, zu rechnen, sondern uns darauf konzentrieren, unsere Art des Fußballs auf den Platz zu bringen und frech und mutig aufzutreten. Das ist den Burschen bisher prima gelungen." Rund 800 Salzburger Schlachtenbummler sind in Wolfsburg mit dabei.

Komplimente auch von Trainer Florian Kohfeldt

Und in der österreichischen Bundesliga gibt es ohnehin keinen echten Konkurrenten: Seit saisonübergreifenden 19 Ligaspielen sind die "Bullen" schon wieder unbesiegt, das jüngste 2:2 beim SV Ried war ein Ausrutscher, mehr nicht. Zwölf Punkte beträgt der Vorsprung auf Sturm Graz.

VfL-Trainer Florian Kohfeldt sieht bei Salzburg, "einen sehr klaren, intensiven Fußball": Merkmal seien ein "extrem mutiges Umschalten, schnelle Pässe in die Tiefe, ohne Umschweife". Sein Gegenüber, sagte der 39-Jährige, werde von dieser Grundidee jetzt bestimmt nicht abweichen: "Sie spielen Vollgas, das zeichnet sie aus."

Haaland, Keita oder Lainer kommen alle aus Salzburg

Was generell bei deisem Verein heraussticht, ist die weitsichtige Kaderplanung, die immer wieder europaweit begehrte Topspieler ausspuckt. Erling Haaland (Borussia Dortmund) ist der Bekannteste aus einem Reigen von Klassespielern. Aber auch Naby Keita (FC Liverpool), Dominik Szoboszlai und Amadou Haidara (beide RB Leipzig), Stefan Lainer (Borussia Mönchengladbach) oder Xaver Schlager (VfL Wolfsburg) haben einst in jungen Jahren in Salzburg wichtige Grundlagen gelegt.

Aktuell heißt die heißeste Aktie Karim Adeyemi. Der gebürtige Münchner flog als Neunjähriger aus der Nachwuchsabteilung des FC Bayern, fand Unterschlupf bei der SpVgg Unterhaching, als die Salzburger rund 3.5 Millionen Euro Ablöse für den damals 16-Jährigen zahlten. Heute wird der Marktwert des 19-Jährigen mit 20 Millionen Euro angegeben. Tendenz steigend.

Adeyemi und Okafor sind im Sturm kaum zu halten

Zu seinem mit einem Tor gekrönten Debüt in der deutschen Nationalelf unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick kommen allein drei Tore und zwei Vorlagen an den ersten drei Gruppenspieltagen. "Seine Schnelligkeit ist der Wahnsinn, hoffentlich stoppen wir ihn morgen", sagte der Wolfsburger Stürmer Lukas Nmecha am Montag (01.11.2021) auf der Pressekonferenz. Nmecha und Adeyemi kennen sich bestens aus der deutschen U21-Nationalelf.

Draufgänger im Sturm: Karim Adeyemi und Noah Okafor

Draufgänger im Sturm: Karim Adeyemi und Noah Okafor

Der flinke Mittelstürmer bildet mit dem vom FC Basel gekommenen Noah Okafor, auch erst 21 Jahre alt, einen Hochgeschwindigkeitsturm, der beim 3:1-Hinspielsieg die Abwehr des VfL Wolfsburg fast allein schwindlig spielte. Alle Tore gingen auf das Konto der zwei stürmenden Draufgänger, die vielleicht irgendwann noch mit ganz anderen Vereinen wirklich nach den Sternen greifen.

Stand: 01.11.2021, 12:38

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