Daniel Farke ist der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Teamcheck Bundesliga Borussia Mönchengladbach - Mit Farke zurück zu altem Glanz

Stand: 04.08.2022 10:01 Uhr

Nach aufwühlenden anderthalb Jahren ist Borussia Mönchengladbach wieder um Ruhe bemüht. Daniel Farke soll für Konstanz auf der Trainerbank sorgen - und die Borussia zurück nach Europa führen.

Anderthalb enttäuschende Jahre liegen hinter Borussia Mönchengladbach. Im Fokus standen dabei vor allem die Trainer: erst der unrühmliche Abgang von Marco Rose, dann das Missverständnis mit Adi Hütter. Jetzt soll Daniel Farke die Borussia zurück zu alten Tugenden und Erfolgen führen.

So lief die vergangene Saison

Mit einem Wort: enttäuschend. Nachdem die Gladbacher das internationale Geschäft in der Vorsaison nach dem Störfeuer um den Abgang von Trainer Marco Rose verspielt hatten, sollte es nun eigentlich zurück nach Europa gehen. Dafür hatten die Gladbacher den damaligen Frankfurter Erfolgstrainer Adi Hütter für 7,5 Millionen Euro aus seinem Vertrag gekauft.

Doch es kam anders: Hütter und Borussia Mönchengladbach - die Kombination entpuppte sich als Missverständnis. Und so mussten die Gladbacher die gesamte Saison über in der Tabelle eher nach unten als nach oben schauen. Hütter startete mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Spielen.

Ein berauschendes 5:0 gegen den FC Bayern München in der zweiten Runde des DFB-Pokals sorgte für ein zwischenzeitliches Hoch, das dann durch eine 1:4-Derby-Niederlage in Köln wieder zunichte gemacht wurde. Borussia gewann in der Liga zwar noch einmal gegen die Bayern (2:1), verlor aber auch noch einmal gegen den 1. FC Köln (1:3). Tiefpunkte waren aber wohl das 0:6 gegen Borussia Dortmund und die ebenso hohe Heimniederlage gegen Freiburg.

Am Ende der Saison belegte Gladbach einen enttäuschenden zehnten Platz mit zwölf Siegen, neun Unentschieden und 13 Niederlagen. Direkt nach dem letzten Spiel, einem 5:1 gegen die TSG Hoffenheim, gab Hütter seinen Abschied bekannt.

Ende Januar musste die Borussia neben dem Platz einen herben Verlust hinnehmen. Sportdirektor und Macher Max Eberl erklärte aufgrund mentaler Erschöpfung seinen Rücktritt. Auf Eberl folgte Roland Virkus, der bis dahin das Nachwuchsleistungszentrum geleitet hatte.

Hütters Abschied aus Gladbach: "Einvernehmliche Lösung"

Wer kommt, wer geht

Den wichtigsten Wechsel gab es bei Borussia Mönchengladbach auf der Trainerposition. Daniel Farke, ehemaliger Trainer von Norwich City, ist der Neue auf der Bank und soll die Gladbacher wieder nach Europa führen.

Den Spielerkader haben die Gladbacher größtenteils zusammengehalten. Das Nationalspieler Matthias Ginter den Verein verlassen würde, stand schon früh fest. Ginter ist zum SC Freiburg zurückgekehrt. Etwas überraschender war dagegen der Wechsel von Breel Embolo zur AS Monaco. Dieser Transfer brachte der Borussia aber immerhin zwölf Millionen Euro.

Mittelfeldspieler László Bénes spielt mittlerweile bei Holstein Kiel, war aber keine tragende Säule. Das gilt auch für Keanan Bennetts (vereinslos) und Andreas Poulsen (Aalborg BK), die den Verein ebenfalls verlassen haben.

Kou Itakura (r.) beim Pokalsieg von Borussia Mönchengladbach zum Saisonauftakt.

Kou Itakura (r.) beim Pokalsieg von Borussia Mönchengladbach zum Saisonauftakt.

Die einzigen Neuzugänge sind bislang Ko Itakura und Oscar Fraulo. Itakura (25) kommt offiziell von Manchester City, hat in der vergangenen Saison aber leihweise für den FC Schalke 04 gespielt und in der zweiten Liga auf sich aufmerksam gemacht. Er könnte der Ersatz für Ginter in der Innenverteidigung sein, kam bei Schalke aber auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. Beim 9:1-Kantersieg im DFB-Pokal gegen den Oberligisten SV Oberachern bildete er mit Nico Elvedi das Innenverteidiger-Duo.

Mittelfeldspieler Fraulo kommt vom FC Midtjylland aus Dänemark, dürfte mit seinen 18 Jahren aber eher als Perspektivspieler gesehen werden. "Insbesondere für unsere mittel- und langfristige Zukunft sind wir froh, dass wir ihn als Spieler verpflichten konnten", sagt Trainer Farke.

Der Trainer

Beinahe wäre Lucien Favre zur Borussia zurückgekehrt. Doch die Wunschlösung sagte den Gladbachern letztlich ab. Nun heißt der neue Trainer Daniel Farke.

Über Borussia Dortmund II (2015 bis 2017) landete der 45-jährige gebürtige Ostwestfale (Büren-Steinhausen) bei Norwich City in England und machte dort auf sich aufmerksam. Gleich zwei Mal führte er den Verein als Underdog in die Premier League. Nach dem ersten Aufstieg stand allerdings der sofortige Wiederabstieg. Nach dem zweiten Aufstieg wurde Farke im November 2021 überraschend entlassen - Norwich stieg trotzdem direkt wieder ab.

Vor seinem Engagement in Gladbach stand Farke für knapp zwei Monate beim russischen Erstligisten FK Krasnodar unter Vertrag, löste diesen nach Beginn des russischen Angriffskrieges aber wieder. Ein Spiel betreute Farke in Russland nicht.

In Mönchengladbach soll Farke nun nichts Weiteres tun, als den erfolgreichen Fußball der 70er-Jahre wieder aufleben zu lassen. Weg vom wilden Pressingstil, zurück zum Fußball der feinen Art.

"Borussia Mönchengladbach steht in seiner Tradition für viel Ballbesitz, Kombinationsspiel, Dominanz, will Protagonist sein und entscheiden, in welche Richtung das Spiel geht. Der Verein steht für Spielfreude", sagt Farke. "Da finden sich meine Überzeugungen sehr gut wieder. Und deswegen haben wir alle das Gefühl, dass es sehr gut zwischen uns passt. Und das müssen wir dann auch auf dem Platz zeigen."

Die Borussia ist für Farke die erste Station auf Top-Niveau im deutschen Fußball. "Ich hatte dann in England fünf sehr intensive Jahre, jetzt muss ich mich schon anpassen", so Farke. Sein Vertrag gilt bis 2025, wohl ohne Ausstiegsklausel. Nach den Querelen um Rose und Hütter ist die Borussia auf der Trainerbank nun auch im Konstanz bemüht.

Gladbachs Trainer Farke: "Man darf nicht wie die Flagge im Wind sein"

Erwartungen an die Saison

Bereits in der vergangenen Saison hatte sich Ex-Manager Eberl mit Saisonzielen zurückgehalten und lediglich den "Wunsch" geäußert, bis zum Ende der Saison um Europa kämpfen zu können. Dass es dann eher der Klassenerhalt als Europa wurde, dürfte Hauptgrund für ähnlich verhaltene Stimmen vor der neuen Saison sein: "Wenn man nach der Saison das Gefühl hat, dass man das absolute Maximum rausgeholt hat. Ich würde das nicht an Tabellenplätzen festmachen", antwortete Farke auf die Frage eines Fans nach einer perfekt verlaufenen Saison.

Selbst Mittelfeldspieler Christoph Kramer, der als TV-Experte selten um Worte verlegen ist, ist "kein Freund davon, Ziele zu formulieren". Das begründet er auch mit der vergangenen Saison, wo man sich viel vorgenommen, aber wenig erreicht habe: "Also es bringt gar nichts, ein Ziel auszugeben. Natürlich sind wir ambitioniert und ehrgeizig. Du musst einfach jedes Spiel so angehen, dass du es gewinnen kannst", sagt Kramer.