Formel-1-Saison bis Januar 2021?

Lando Norris von McLaren vor dem Grand Prix in Australien

Formel 1 in der Zwangpause

Formel-1-Saison bis Januar 2021?

Auch bei der Formel 1 herrscht Ungewissheit, wie die Saison 2020 über die Bühne gehen könnte. Die Coronakrise sorgt auch in der Königsklasse für viele Umbauarbeiten.

Gesundheit - und fragwürdige Gedankenspiele

Die gute Nachricht zuerst: Aus den Formel-1-Teams gibt es derzeit keine Meldungen über Coronavirus-Infektionen. Lewis Hamilton hatte Anfang März Kontakt zu zwei infizierten Promis, meldete aber bereits am 21. März, dass er "null Symptome" habe und zweimal täglich trainiere. Der McLaren-Mitarbeiter, dessen Erkrankung mit für die Absage des Australien-GP verantwortlich war, ist ebenso wieder gesund wie ein Angestellter des Reifenherstellers Pirelli.

Fragwürdiges in Sachen Umgang mit der Coronakrise war allerdings zuletzt aus dem Rennstall von Red Bull zu vernehmen. So sollten sich die Einsatz- und Nachwuchsfahrer idealerweise in einem "Camp" gegenseitig mit dem Virus infizieren, um "dann, wann immer es losgeht, gerüstet" zu sein. Das äußerte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko (76) im ORF. Sein Vorschlag hätte keine Zustimmung gefunden. Besonders Starfahrer Max Verstappen wird nachgesagt, er habe panische Angst, sich mit dem Virus zu infizieren.

Weitere Verschiebungen möglich

Die ersten acht der insgesamt 21 geplanten Rennen sind mindestens verschoben worden, die Rennen in Australien und Monaco wurden für 2020 komplett abgesagt. Die Saison könnte nun frühestens am 14. Juni mit dem Großen Preis von Kanada starten. Allerdings hält der kanadische Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve, nach dessen Vater Gilles die Rennstrecke in Montréal benannt ist, ein Rennen dort zu diesem Zeitpunkt für verfrüht. Auch Formel-1-Chef Chase Carey hält es für gut möglich, dass weitere Grand Prix verschoben werden müssten.

Wegen der Terminenge wurde bereits die Sommerpause der Formel 1 in den März/April "vorverlegt", in der die Autos nicht weiter entwickelt werden dürfen. Im Sommer könnte es dann dichtgedrängt Rennwochenenden geben, auch die Verkürzung einzelner Veranstaltungen auf zwei statt drei Renntage ist im Gespräch. Und: Der Weltmeister 2020 könnte sogar erst im Januar 2021 gekürt werden. "Zwei, drei Rennen im Januar" könnten möglich sein, sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bei "Sky Italia", um die Saison so umfangreich wie möglich zu gestalten. Das Formel-1-Jahr 2021 könnte dann nach einer kurzen Winterpause wie zuletzt wieder im März beginnen.

Fahrer, Verträge, Gehälter

Schon jetzt ist klar: Die beschlossenen Regeländerungen zur Steigerung der Attraktivität der Rennserie werden auf das Jahr 2022 verschoben. Dabei sollen die Kosten reduziert werden, damit die kleineren Teams wieder mehr in den Titelkampf eingreifen können. Für 2021 ist nun geplant, wieder mit den Autos von 2020 zu fahren, um die Kostenreduktion wie geplant umzusetzen.

Gleichzeitig hat dies aber auch Einfluss auf die Besetzungen der Cockpits: Während Max Verstappen (Red Bull) und Charles Leclerc (Ferrari) langfristige Verträge unterschrieben haben, laufen die Kontrakte von beispielsweise Lewis Hamilton (Mercedes) und Sebastian Vettel (Ferrari) nach der Saison 2020 aus. Obendrein brisant: Vettel soll für die Zeit danach bei Ferrari nur einen Ein-Jahres-Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen angeboten bekommen haben, meldete "motorsport-total.com". Aktuell verdiene der viermalige Weltmeister 30 Millionen Euro.

Hilfestellung

Apropos Gehälter: Von einem Gehaltsverzicht der Formel-1-Stars ist bislang nur von McLaren bekannt, dass Carlos Sainz und Lando Norris zugunsten ihrer Teammitglieder auf Teile ihres Gehalts verzichten. Zahlreiche Mitarbeiter mussten dort in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt werden. Auch bei einigen anderen kleineren Rennställen könnte es in der Coronakrise durchaus eng werden. Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher nannte Williams und Haas als mögliche Wackelkandidaten. Beide Teams leiden seit Jahren immer wieder unter finanziellen Engpässen.

Allerdings gibt es auch aus der Formel 1 bereits größere Hilfszahlungen. Ferrari-Besitzerfamilie Agnelli stellte den Gesundheitsbehörden in Italien zehn Millionen Euro zur Verfügung, Ex-Weltmeister Fernando Alonso spendete der Kinder-Hilfsorganisation Unicef in Spanien 4.000 Schutzanzüge und 300.000 Atemmasken. Und Pilot Lando Norris brachte im Rahmen seiner E-Sport-Aktivitäten Spenden in Höhe von 12.000 US-Dollar zusammen. Der Einsatz bei seiner Wette: seine Haarpracht.

Ambitioniert klingt das "Projekt Boxengasse" (Project Pitlane), in dem sich die sieben in Großbritannien ansässigen Formel-1-Teams zusammengetan haben. Die Rennställe wollen mit ihrem technischen Know-how und ihren Fertigungskapazitäten dazubeitragen, medizinische Geräte - vor allem Beatmungsgeräte für Covid-19-Patienten - herzustellen. Bei Project Pitlane arbeiten Red Bull, Racing Point, Haas, McLaren, Mercedes, Renault und Williams zusammen.

jo | Stand: 02.04.2020, 20:58

Darstellung: