Hajo Seppelt
kommentar

Angriffskrieg und Staatsdoping Nicht die Zeit für Rückkehr

Stand: 16.12.2022 16:01 Uhr

Eine baldige Rückkehr russischer Athleten in den Weltsport darf nicht passieren. Nicht nur wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, sondern auch wegen des russischen Staatsdopings. Ein Kommentar von Hajo Seppelt.

Von Hajo Seppelt

Die olympische Familie - allen voran IOC-Präsident Thomas Bach - forciert derzeit eine Rückkehr russischer Athleten in den Weltsport. Der Tenor: Sie dürften nicht für Wladimir Putins Verbrechen in Sippenhaft genommen werden.

Und ehe man sich versieht, werden Wettbewerbe in Asien zur Qualifikation russischer Sportler für Olympia 2024 geplant. In der Diskussion darüber scheint nur noch der Angriffskrieg Russlands eine Rolle zu spielen. Dabei war und ist da noch so viel mehr.

Am Samstag (17.12.2022) endet - zumindest auf dem Papier - die Sperre gegen die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA auf Basis der Aufdeckung des Staatsdopingsystems.

Am Samstag läuft die Sperre gegen die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wegen des russischen Staatsdopings aus. Ein Ende der Aufarbeitung ist nicht in Sicht. mehr

Die Welt-Anti-Doping-Agentur muss noch prüfen, wie viele der Voraussetzungen die Russen für die Wiedereingliederung erfüllt haben. Die Anzeichen verdichten sich, dass Etliches noch nicht den Anforderungen der WADA entspricht.

Fortgesetzte Betrügereien und Dreistigkeiten würden schon eine komplette Verbannung russischer Athleten aus dem Weltsport rechtfertigen. Ein nicht glaubwürdiges und unter Putins Einfluss stehendes sowie in der Vergangenheit geradezu kriminelles Sportsystem macht es schwer zu glauben, dass einfach mal so eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung für russische Sportler ausgestellt werden kann.

WADA entscheidet über RUSADA

Mittagsmagazin, 16.12.2022 13:00 Uhr

Entkopplung von Sport und Politik hat nie funktioniert

Aber warum sollte Russland auch mit der WADA kooperieren? Das IOC rollt den Sportlern aus dem größten Land der Welt gerade auch so wieder den roten Teppich nach Paris aus. Wenn dies schon nicht ein blutiger Angriffskrieg verhindern kann, wie sollte es dann die russische Dopingvergangenheit tun?

Die Entkopplung von Sport und Politik, sie hat nie funktioniert, und sie wird auch nie funktionieren. Schon gar nicht, wenn Russland und Putin im Spiel sind. Auch bei Olympia in Paris würden russische Athletinnen und Athleten, Funktionäre und Politiker sehr sichtbare Mittel und Wege finden, ihr Vaterland zu präsentieren – wie es schon 2018 und 2021 bei Olympia in Südkorea und Japan der Fall war.

Das darf nach jetzigem Stand der Dinge nicht passieren! Nicht mit Blick auf Tausende Tote in der Ukraine, auf Kriegsverbrechen und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Russische Sportler repräsentieren Putins Regime und werden von diesem für Propagandazwecke instrumentalisiert.

Putin stritt staatliches Dopingsystem stets ab

Aber auch bei einem der größten Skandale der Sportgeschichte, dem kriminellen staatlichen Dopingsystem, das der Lügner Putin stets abstritt, kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden.

Russland glaubt mal wieder, mit einem blauen Auge davonzukommen, weil Sportfunktionäre wie Bach nicht konsequent handeln. Nicht nur Russlands Fehlverhalten, auch Bachs unverantwortlichem Führungsstil muss ein Riegel vorgeschoben werden.