Thomas Dreßen in Aktion

Ski alpin Kilde rast bei Dreßen-Rückkehr allen davon

Stand: 26.11.2022 22:49 Uhr

Aleksander Aamodt Kilde gewinnt die Abfahrt von Lake Louise. Thomas Dreßen schafft ein bemerkenswertes Comeback - und hat die WM-Norm bereits in der Tasche.

Von Johannes Kirchmeier

Thomas Dreßen hob den linken Stock und wedelte ihn durch die Luft. Die Zuschauer in Lake Louise/Kanada jubelten ihm zu - und da entfloh ihm schließlich auch noch ein lautes „Jaaa!“ Der Mann mit der Nummer vier war glücklich im Ziel, Thomas Dreßen ist zurück im Ski-Weltcup. "Richtig cool, dass ich wieder da bin. Es hat sich angefühlt, wie nach Hause kommen", sagte er.

Gleich in seinem ersten Rennen leuchtete seine Zeit im Ziel grün auf, der 29-Jährige führte also zwischenzeitlich am Samstag (26.11.2022). Am Ende belegte Dreßen bei seinem Comeback in den kanadischen Rocky Mountains als bester Deutscher den achten Rang. Zum Sieg raste in der ersten Abfahrt der Saison Aleksander Aamodt Kilde.

Hemetsberger und Odermatt bis zur letzten Zwischenzeit vorne

Der Norweger fand im Mittelteil - bei der Einfahrt in die "Fishnet-Passage" - schlicht die mit Abstand schnellste Linie. So nahm er in den letzten Streckenabschnitten bis zum Ziel allen anderen die entscheidenden Hundertstelsekunden ab - und ließ Fahrer um Fahrer hinter sich.

Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde in Aktion

Am nächsten kamen Kilde noch der Österreicher Daniel Hemetsberger und der Schweizer Allrounder Marco Odermatt, die beide bis zur letzten Zwischenzeit führten. Schließlich aber setzte sich der Norweger dank seiner schnelleren Linie doch noch durch - 0,06 Sekunden vor Hemetsberger und 0,10 vor Odermatt. Ein Kollege nach dem anderen gratulierte dem als Sechsten gestarteten Kilde, der es sich auf dem Führungssessel im Ziel gemütlich machte.

Im kanadischen Lake Louise treffen sich auch in diesem Jahr die besten Skifahrer - die Abfahrt mit Thomas Dreßen in voller Länge.

Dreßen schafft auf Anhieb die WM-Qualifikation

Dreßen durfte immerhin auch kurze Zeit darauf Platz nehmen. Sein achter Platz, 1,02 Sekunden hinter Kilde, ist ähnlich hoch einzuordnen wie der Sieg des Skandinaviers. Der Oberbayer schaffte so auf Anhieb die Qualifikation für die WM in Courchevel/Frankreich, für die der Deutsche Skiverband (DSV) einen Top-Acht- oder zwei Top-15-Ränge fordert. "Ich habe mir gedacht, ich muss abliefern. Aber ich glaube, das habe ich auch ganz gut gemacht", sagte der Sportler vom SC Mittenwald.

Und es hat schließlich mehr als zweieinhalb Jahre gedauert, ehe Deutschlands Speed-König wieder ein Weltcup-Rennen fahren konnte - zum letzten Mal maß er sich dort im März 2020.

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Es folgten: eine Hüft-OP und ein Knorpelschaden, der eine diffizile Knie-Operation nach sich zog. Zuletzt berichtete er auch über mentale Probleme während seiner langen Verletzungszeit, ein Mentaltrainer half ihm. Der Athlet aus der Nähe von Garmisch-Partenkirchen wollte seine Rückkehr in Lake Louise, wo er vor drei Jahren den dritten seiner fünf Weltcupsiege feierte, daher ganz behutsam angehen. Langsam soll es bergauf gehen, irgendwann will er wieder dorthin, wo er vor den Verletzungen herkam.

Baumann in den Top Ten, Schwaiger knapp dahinter

Neben Dreßen schafften auch die anderen deutschen Fahrer achtbare Ergebnisse. Romed Baumann, der gleich als erster auf die Strecke durfte, hielt sich unten die Oberschenkel und verzog das Gesicht. Wie das eben so ist, wenn man nicht weiß, was so eine Zeit wert ist. Seine 1:49:11 Minuten sollten ihn jedoch letztlich auf Rang zehn führen.

Dominik Schwaiger wurde knapp dahinter Zwölfter. Ihm unterlief allerdings im Mittelabschnitt ein dicker Patzer, der einen besseren Platz verhinderte. Simon Jocher (17.), Josef Ferstl (22.), Andreas Sander (31.) und Luis Vogt (51.) komplettierten das Feld, dürften aber weniger zufrieden als ihre Kollegen sein.

Paris und Crawford parieren Stürze

Eine Schrecksekunde erlebte der Italiener Dominik Paris, dem mitten im Schwungansatz der Ski vom Fuß rutschte. Er fing den Sturz gekonnt ab und fuhr nach erstem Augenschein ohne Verletzungen nach unten. Ähnlich erging es dem Kanadier James Crawford, der zwar ebenfalls stürzte, die Skier aber an den Füßen behielt, auf der Strecke blieb und sogar weiter ins Ziel fuhr.

Die Strecke war am Samstag gut in Schuss - anders als am Vortag. Da musste die eigentlich erste Abfahrt von Lake Louise noch abgesagt werden. Gab es am Anfang des Monats zu wenig Schnee, der die Weltcups am Matterhorn verhinderte, war es nun am Freitag zu viel Neuschnee in Kanada.

Die Möglichkeit auf weitere Top-Ten-Plätze kommt für das deutsche Speed-Team schnell: Am Sonntagabend steht - ebenfalls ab 20.30 Uhr MEZ - noch ein Super-G in Lake Louise für die schnellsten Skirennfahrer der Welt an.

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