FIS-Präsident Johan Eliasch

Wintersport | FIS Skisport: Eklat bei Wiederwahl von FIS-Präsident Eliasch

Stand: 26.05.2022 21:56 Uhr

Der Milliardär Johan Eliasch bleibt Präsident des internationalen Ski- und Snowboardverbandes FIS. Doch zahlreiche Delegierte boykottierten beim turbulenten Kongress die Wahl - und der DSV behält sich rechtliche Schritte vor.

Von Volker Schulte

Das Ergebnis klingt scheinbar eindeutig: Mit 100 Prozent der Stimmen hat der FIS-Kongress Präsident Eliasch am Donnerstag (26.05.2022) in Mailand wiedergewählt, die Amtszeit beträgt vier Jahre. Doch in absoluten Zahlen ausgedrückt ist der Wahlausgang eine Klatsche: Eliasch erhielt, obwohl ohne Gegenkandidat, nur 70 von 117 möglichen Stimmen. Das sind 60 Prozent und damit nicht allzu viel mehr als die nötigen 50 Prozent plus x.

Denn kurz vor der Wahl hatten mehrere Delegierte, darunter der deutsche, den Saal aus Protest verlassen. Die Aktion kam einem Aufstand gleich - und zeigte die Zerrissenheit des Weltverbandes nach knapp einem Jahr unter Eliasch.

15 Delegierte fordern geheime Wahl

Der denkwürdige Wahlvorgang startete damit, dass die FIS Eliasch per Handzeichen wiederwählen lassen wollte. Doch dies hätte bedeutet, dass Nein-Stimmen klar zu erkennen gewesen wären. Und wer will es sich schon freiwillig mit dem mächtigen Präsidenten verscherzen?

Einige Delegierte pochten auf einen demokratischeren Prozess. Offenbar hatten sich im Vorfeld 15 Nationen zusammengetan, um gemeinsam eine geheime Wahl zu beantragen - was sie dann auch taten. Die Delegierten stimmten diesem Vorstoß mit 65 Prozent zu, sodass die Abstimmung per Handzeichen vom Tisch war.

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Streit um Wahlmöglichkeiten

Doch es gab weitere Streitpunkte: Zum einen saßen die Delegierten offenbar so eng zusammen, dass eine wirklich geheime Wahl mit dem elektronischen Abstimmungssystem kaum möglich war. Zudem forderte die Gruppe der 15 Nationen, dass es bei der Wahl auch die Antwortmöglichkeit "nein" geben solle.

Wahlleiter Stephan Netzle, Rechtsbeistand der FIS, bestand dagegen darauf, dass es nur zwei Optionen geben soll: eine Stimme für den Kandidaten Eliasch und eine Enthaltung. Daraufhin machten mehrere Delegierte ihre Drohung war und verließen aus Protest den Saal.

DSV: "Nicht konform mit Schweizer Vereinsrecht"

"Eine Wahl, bei der die Delegierten nur eine einzige Option hatten, um eine gültige Stimme abzugeben, nämlich mit Ja zu stimmen, deckt sich nicht mit unserem Rechtsverständnis und ist schlichtweg eine Farce", sagte Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Skiverbandes DSV, der Sportschau.

"Ein solches Vorgehen ist nach Ansicht unserer juristischen Experten auch nicht konform mit dem Schweizer Vereinsrecht. Das haben wir zusammen mit vielen anderen Mitglieds-Verbänden bereits vor der Wahl unmissverständlich und schriftlich klar gemacht. Nachdem unserem Antrag nicht stattgebenden wurde, hat der DSV zusammen mit anderen Verbänden nicht an der Wahl teilgenommen."

Restliche Delegierte stimmen einheitlich für Eliasch

Netzle führte die Wahl unbeirrt fort und sagte: Wem der Abstand zu gering sei, der könne an einen der Tische an der Seite ausweichen. Mit einer solchen Aktion hätte man sich allerdings als potenzieller Nein-Stimmer zu erkennen gegeben. Eine wirklich geheime Wahl sieht anders aus.

So kam es, dass alle verbliebenen Delegierten auf ihren Plätzen abstimmten, einheitlich für Eliasch votierten und ihren neuen, alten Präsidenten im Anschluss mit großem Applaus feierten. Die protestierenden Teilnehmer kehrten kurz darauf auf ihre Plätze zurück, um dem Rest des Kongresses beizuwohnen.

Eliasch und seine Kritiker

Der Eklat ist die nächste Episode in einem mittlerweile offenen Machtkampf innerhalb der FIS. Der Geschäftsmann Eliasch, unter anderem Besitzer und Geschäftsführer der Skimarke Head, scheint den Verband führen zu wollen wie ein Unternehmen - von oben herab und kompromisslos.

Kritik erntet er vor allem für mangelnde Transparenz und Kommunikation sowie den Versuch, den Nationalverbänden trotz bestehender Verträge die Weltcup-Rechte zu entreißen - zu Gunsten einer zentralen Vermarktung unter dem Dach der FIS.

Groß gegen Klein?

Gerade die großen Skinationen wie Deutschland, Österreich und die Schweiz wehren sich und gehen dabei immer öfter gemeinsam vor - so wie jetzt beim Kongress. Ihr Plan, Eliasch die Wiederwahl zu verwehren, scheiterte. Zu viele der kleineren Nationen stehen hinter Eliasch, wohl auch in der Hoffnung, von dessen Expansions- und Zentralvermarktungsplänen zu profitieren.

Dass Eliasch der tiefe Graben durch seinen Verband kaum stört, wurde auf dem Kongress und der anschließenden Pressekonferenz klar. "Ich habe die Pflicht, für das Wohl aller Verbände zu sorgen - nicht nur für ein paar auserwählte", sagte er. Das Wahlergebnis halte er für eine signifikante Mehrheit und ein klares Mandat. Allerdings droht mit Blick auf die umstrittene Wahl ein juristisches Nachspiel. "Wie im Vorfeld ebenfalls schriftlich angekündigt, lassen wir nun den gesamten Ablauf prüfen, und behalten uns rechtliche Schritte vor", sagte DSV-Vorstand Schwarzbach.

Dämpfer für Eliasch bei Council-Wahl

Der Deutsche Skiverband schrammte recht knapp an einem weiteren Rückschlag vorbei: Präsident Franz Steinle erhielt bei der Wahl des FIS-Councils mit 80 Prozent noch so eben ein Mandat für den wichtigen Rat des Weltverbandes.

Dort dürfte Eliasch auch weiterhin Gegenwind bekommen. Alle großen Skinationen aus Zentral- und Nordeuropa sind im Council vertreten, der Eliasch-Verbündete Dexter Paine aus den USA wurde dagegen abgewählt. Auch die Russin Elena Vyalbe flog aus dem Council, erhielt trotz des russischen Angriffskrieges in der Ukraine aber immer noch erstaunliche 42 Prozent der Stimmen.

Ungewisse Zukunft

Der Kongress lieferte wenige Anzeichen dafür, dass die FIS nun, da ihr Präsident für vier Jahre gewählt ist, zur Ruhe kommen wird. Im Gegenteil: Eliasch betonte immer wieder, dass er den eingeschlagenen Kurs Richtung Wachstum und Zentralvermarktung unbeirrt weitergehen will.

"A hell of a journey is waiting for us", sagte er. Das kann man übersetzen mit einer "großartigen Reise, die auf uns wartet". Eliaschs Kritiker, die sich um die gewachsenen Strukturen in den Skisportnationen sorgen, dürften dagegen die wörtliche Übersetzung "höllisch" im Kopf haben.