FIS will "klimapositiv" werden - Kritik an Doppelrolle des Präsidenten

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Wintersport | Klimaschutz

FIS will "klimapositiv" werden - Kritik an Doppelrolle des Präsidenten

Von Volker Schulte

FIS-Präsident Johan Eliasch will den CO2-Fußabdruck des Ski-Weltverbandes mit Hilfe einer Organisation überkompensieren, der er selbst vorsteht. Die Doppelrolle löst Kritik aus.

Der schwedische Multimilliardär Johan Eliasch, seit Juni Präsident des Welt-Skiverbandes FIS, hat sich Umweltschutz groß auf die Agenda gesetzt. Eine erste konkrete Aktion ist die Ankündigung der FIS, mit Hilfe einer eigenen Regenwald-Initiative schon 2022 mehr CO2 zu kompensieren als auszustoßen, also "klimapositiv" zu werden - zumindest auf dem Papier.

Die FIS verkündete am Dienstag (09.11.2021) auch, dass sie sich beim Schutz des Regenwaldes durch die Organisation Cool Earth unterstützen lasse. Dass ihr Präsident Eliasch gleichzeitig Co-Vorsitzender dieser NGO ist, stand in einem Nachtrag, der allerdings in der Meldung auf der Verbands-Webseite fehlt.

FIS sieht keinen Interessenkonflikt

Für Jörg Sommer, Vorsitzender der Deutschen Umweltstiftung, hat Eliaschs Doppelrolle "ein Geschmäckle". Grundsätzlich sei es sinnvoll, sich für ein solches Projekt einen externen Partner zu holen, der sich auskenne, für Seriosität und Objektivität sorge, sagte Sommer im Sportschau-Interview. Doch im Fall von FIS und Cool Earth sei das Ganze eine "familieninterne Veranstaltung". Da müsse man genauer hinschauen, wer profitiere, sagte Sommer.

Die FIS erklärte auf Nachfrage der Sportschau, sie sehe keinen Interessenkonflikt, mit der Begründung: "Herr Eliasch ist nicht finanziell beteiligt an Cool Earth, seine Arbeit dort ist ausschließlich ehrenamtlich." Zudem sei Cool Earth lediglich Dienstleister und erhalte keinen finanziellen Vorteil.

Auch Head als Partner von Cool Earth

Eliasch hatte die Nichtregierungs-Organisation Cool Earth 2007 gemeinsam mit dem britischen Politiker Frank Field gegründet. Einer der ersten großen Partner war der Sportartikelhersteller Head, dessen Geschäftsführer Eliasch bis zur Wahl zum FIS-Präsidenten war. Auch Head warb damals damit, seinen CO2-Fußabdruck mit Hilfe der Projekte überzukompensieren, sogar um das Zehnfache.

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Sportschau 12.11.2021 00:45 Min. Verfügbar bis 12.11.2022 ARD Von Constantin Kleine


Doch solche Aussagen bezeichnet der Umweltstiftungs-Vorsitzende Sommer als unseriös: "Es wird völlig schräg, wenn man den Verzicht, Regenwald abzuholzen, benutzt, um sich seinen eigenen CO2-Ausstoß schönzurechnen. Dadurch wird etwas, das beispielsweise im Skizirkus in Österreich stattfindet, in keiner Weise besser fürs Klima."

Kritik auch an Cool Earth

Die FIS widerspricht dieser Kritik und schreibt: "Die FIS-Regenwald-Initiative ist auf die erklärten Ziele des Pariser Abkommens und die Ambitionen der UN-Klimakonferenz 2021 in Glasow ausgerichtet." Zudem verweist der Verband auf die Bedeutung des Regenwaldes für das Klima, sein Schutz habe oberste Priorität. Allerdings schreibt Cool Earth selbst auf seiner Webseite, dass der Schutz des Regenwaldes nicht dazu dienen könne, den eigenen CO2-Ausstoß auszugleichen.

2016 bewertete die Organisation "Giving What We Can" Cool Earth als besonders kosteneffektiv. Eine Analyse im "Effectiv Altruism Forum" kam dagegen 2018 zu einem anderen Urteil. Die Arbeit von Cool Earth habe entweder relativ geringe Auswirkungen oder aber es gebe noch nicht genügend Beweise, um größere Auswirkungen zu belegen. Sommer kommt zu dem Urteil: "Es gibt erheblich besser aufgestellte NGOs im Bereich Entwaldungsschutz."

FIS will Fußabdruck-Zahlen veröffentlichen

Dass die FIS trotzdem Cool Earth als Dienstleister gewählt hat, begründet sie so: "Cool Earth hat uns dabei helfen können, das Ziel fristgerecht zu erreichen, bis 2022 CO2-positiv zu werden." Wie genau dies berechnet wird, bleibt aber offen. Die FIS hat zwar angekündigt, in Kürze die Zahlen zu den CO2-Fußabrücken ihrer Wettbewerbe zu veröffentlichen. Wie viel es allerdings kostet, die Emissionen zu kompensieren, will sie nicht preisgeben. Offen ist auch, wer die Arbeit der FIS-Regenwald-Initiative kontrolliert.

Nachtrag: In einer ersten Version hatten wir geschrieben, dass Johan Eliasch "bis heute" Geschäftsführer von Head sei. Tatsächlich hat er am 9. Juni 2021 seinen Rücktritt erklärt, fünf Tage nach seiner Wahl zum FIS-Präsidenten.

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Stand: 12.11.2021, 15:11

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