Missbrauchsvorwürfe erschüttern Eiskunstlauf in Frankreich

Eine Schlittschuhläuferin auf dem Eis

Eiskunstlauf

Missbrauchsvorwürfe erschüttern Eiskunstlauf in Frankreich

Nach Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsvorwürfe im Eiskunstlauf hat Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu den Präsidenten des Eissportverbands zum Rücktritt aufgefordert.

Didier Gailhaguet könne sich seiner persönlichen und moralischen Verantwortung nicht entziehen und müsse sich dieser stellen, sagte Maracineanu am Montagabend (03.02.2020). "Die Anzahl der Tatbestände und ihre zeitliche Verteilung verdeutlichen, dass über die genannten Personen hinaus eine allgemeine Dysfunktion innerhalb des französischen Eissportverbandes besteht", sagte sie.

Die französische Justiz hat zudem eine Voruntersuchung eingeleitet. "Über die bereits bekannten Fakten hinaus wollen die Ermittlungsbeamten herausfinden, ob es noch weitere Opfer gibt, denen Ähnliches passiert ist", teilte Staatsanwalt Remy Heinz in einer Presseerklärung mit. 

WM-Dritte Abitbol erhebt schwere Vorwürfe

In der vergangenen Woche hatte die ehemalige französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol schwere Missbrauchsvorwürfe gegen ihren damaligen Trainer Gilles Beyer erhoben. "Ich wurde vergewaltigt, als ich 15 Jahre alt war. Es war das erste Mal, dass mich ein Mann berührte", sagte die WM-Dritte von 2002 der Zeitung "L'Obs". Die Übergriffe hätten zwischen 1990 und 1992 stattgefunden.

Beyer hat dieses Fehlverhalten inzwischen in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, eingeräumt und die mittlerweile 44 Jahre alte Abitbol um Entschuldigung gebeten.

Eiskunstlauf - Sarah Abitbol erhebt Missbrauchsvorwürfe

Sportschau 05.02.2020 03:44 Min. Verfügbar bis 05.02.2021 ARD Von Martin Bohne

Auch ehemalige Schwimmerinnen berichten von Übergriffen

Auch in der Sportzeitung "L'Équipe" berichteten ehemalige Eiskunstläuferinnen und Schwimmerinnen von Übergriffen. In Frankreich lösten die Anschuldigungen großes Entsetzen aus. Namentlich wurden neben Beyer auch Jean-Roland Racle und Michel Lotz genannt. Die Vorgänge sollen sich zwischen Ende der 1970er und den 1990er Jahren ereignet haben. Den Recherchen zufolge haben zahlreiche Opfer die Fälle den Verantwortlichen gemeldet - passiert ist demnach aber nichts. Vertuschungsvorwürfe wurden laut.

Präsident Gailhaguet weist Schuld zurück

Der Präsident des französischen Eiskunstlaufverbands Didier Gailhaguet spricht zu den Medien

Der Präsident des französischen Eiskunstlaufverbands Didier Gailhaguet

Der 66-jährige Gailhaguet ist seit 1998 mit einer Unterbrechung Präsident des französischen Eissportverbandes. Er habe Fehler gemacht, sich aber nichts zu Schulden kommen lassen, verteidigte er sich nach der Rede der Ministerin. Zu einem möglichen Rücktritt wollte er zunächst keine Stellung nehmen, er wolle sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch äußern.

Er habe über die meisten der Taten erst vergangene Woche etwa durch die Medien erfahren. "Einige von ihnen gehen 30 Jahre zurück, lange bevor ich Präsident des Verbandes wurde." Gailhaguet war in den 1970ern selbst Eiskunstläufer und zwei Mal französischer Meister.

Stand: 04.02.2020, 11:14

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