Kamila Walijewa mit Trainerin Eteri Tutberidze

Wintersport Mindestalter im Eiskunstlauf auf 17 Jahre angehoben

Stand: 07.06.2022 11:50 Uhr

Der Weltverband ISU hat das Mindestalter für Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer auf Spitzenniveau auf 17 Jahre angehoben. Dies entschieden die Delegierten beim 58. ISU-Kongress am Dienstag in Phuket/Thailand.

Bislang galt die Regel, am 1. Juli des laufenden Jahres 15 Jahre alt sein zu müssen. Die Entscheidung um eine Erhöhung des Mindestalters folgt rund vier Monate nach dem Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen um die damals 15-jährige Russin Kamila Walijewa.

Unionspräsident Jan Dijkema: "Eine historische Entscheidung"

"Das ist eine sehr historische Entscheidung", sagte Unionspräsident Jan Dijkema, nachdem 100 Länder bei 16 Gegenstimmen und drei Enthaltungen für die Maßnahme gestimmt hatten. Die Umstellung erfolgt in den kommenden Jahren schrittweise.

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Ab Sommer 2023 wird die Altersgrenze zunächst von 15 auf 16 Jahre angehoben. Dieses Alter muss eine Läuferin bzw. ein Läufer zu Saisonbeginn am 1. Juli erreicht haben. Dies bedeutet, dass die Sportler und Sportlerinnen zum Zeitpunkt der großen Meisterschaften im Winter mindestens 16 Jahre und sechs Monate alt sein müssen. Zu Saisonbeginn 2024 wird das Mindestalter dann von 16 auf 17 Jahre angehoben.

Prominentes Beispiel: Der Fall Walijewa

Der Regeländerung ging eine Forderung vieler Verbände und Ärzte voraus, weil insbesondere Mädchen vor ihrer Pubertät schon viele dreifache und vierfache Sprünge ausführen können, die sie nach ihrer Pubertät wegen der körperlichen Veränderungen nicht mehr beherrschen. Zudem geht es darum, die jungen Profis auch mental nicht zu überfordern.

Als prominentes Beispiel dafür gilt Walijewa, die bei den Winterspielen als Favoritin eine missglückte Kür zeigte und auf Platz vier zurückfiel. Zuvor war ein positiver Dopingtest bei der Europameisterin bekannt geworden. In Peking verließ sie das Eis nach der Kür unter Tränen.

"Augenwischerei": Schramm kritisiert Entscheidung scharf

Der frühere Eiskunstlauf-Europameister Norbert Schramm hat die Weltverbandsentscheidung als nicht ausreichend kritisiert. "Es ist ein erster Schritt, aber ich glaube kaum, dass es etwas Positives für den Sport bewirken kann. Es reicht einfach nicht aus. 17-Jährige haben im Profisport nichts verloren", sagte der 62-Jährige. Die neue Regelung bezeichnete Schramm, Europameister sowie Vize-Weltmeister der Jahre 1982 und 1983, als "Augenwischerei". Sie bringe "noch gar nichts. Minderjährige sollen bei den Junioren starten, sie haben ganz andere Voraussetzungen von ihrer Größe und ihrem Gewicht her. Es macht keinen Sinn, Erwachsene mit jungen Sportlern zu mischen." 

Schramm selbst würde sich eine Anhebung des Mindestalters auf "mindestens 18, besser noch auf 21 wünschen. Dann könnte sich der Sport weiterentwickeln." Zudem gelte es, "die jungen Menschen ganz anders zu schützen. Es geht um physische und psychische Dinge, aber auch ums Thema Doping. Die jungen Sportler sind doch viel zu sehr auf ihr Umfeld angewiesen."

Ketterer glaubt nicht an eine ausgeglichenere Konkurrenz

Auch Funktionär Reinhard Ketterer richtete den Fokus auf die physische und psychische Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler. "Ich begrüße die Entscheidung sehr und finde sie richtig", sagte Ketterer, der 22 Jahre lang als leitender Landestrainer und Bundesstützpunktleiter in Berlin arbeitete: "Ich wäre aber noch einen Schritt weitergegangen. Mit 18 ist man erst erwachsen. Minderjährige sollen sich bei den Junioren austoben." Ketterer, seit 2018 als Vizepräsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), rechnet durch den neuen Beschluss des Weltverbandes nicht mit großen Veränderungen an der Spitze des internationalen Eiskunstlaufs. "Die Russen werden ihre Trainingsmethoden und -inhalte verändern und der neuen Situation anpassen", sagte er. An eine ausgeglichenere Konkurrenz glaubt er nicht. "Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin", sagte Ketterer.