Showdown vor Olympia – Deutsche Medaille wäre eine Sensation

Das Berliner Eiskunstlauf-Paar Minerva Hase und Nolan Seegert bei der deutschen Meisterschaft in Neuss (imago / Uwe Kraft)

Eiskunstlauf | EM in Tallinn

Showdown vor Olympia – Deutsche Medaille wäre eine Sensation

Ein Großevent jagt das nächste im Eiskunstlaufen: Ab Mittwoch (12.01.2022/live bei sportschau.de) geht es in Estland um Europameistertitel – und das drei Wochen vor Olympia. Eine bessere Generalprobe kann man sich kaum wünschen. Auch wenn die deutschen Hoffnungen auf einen Platz auf dem Siegerpodest sehr gering sind.

Daran ist vor allen die Kufenmacht Russland schuld. Die russischen Eiskunstläufer laufen in Europa in einer eigenen Liga. Bei der letzten Europameisterschaft 2020 in Graz gewannen die Russen alle Titel, dazu noch drei Mal Silber und drei Mal Bronze. Kurzum: Von den zwölf Medaillen, die vergeben wurden, gingen zehn nach Russland.

Top 5 für Paarläufer Hase/Seegert drin

Es ist stark anzunehmen, dass der Medaillenspiegel in Estland ähnlich aussehen wird. Aus deutscher Sicht ruhen die größten Hoffnungen auf eine Top-Platzierung auf den Paarläufern Minerva Hase/Nolan Seegert. Das Berliner Duo war als Fünfte 2019 schon recht nahe an eine EM-Medaille herangelaufen. "Schön wäre, wenn sie den fünften Platz wiederholen könnten", sagte DEU-Sportdirektorin Claudia Pfeifer, die sich mit einer Medaillenprognose aber angesichts mächtiger Rivalen zurückhält: "Die russische Konkurrenz mit ihren drei Paaren ist ein dickes Brett."

Pfeiffer macht Schott Druck

Eine bessere Figur als vor zwei Jahren möchte die sechsmalige deutsche Meisterin Nicole Schott (25) aus Essen machen, die vor zwei Jahren nur auf dem 13. Platz landete. "Ich würde mir eine Steigerung ihrer Platzierung und Leistung im Vergleich zur letzten EM wünschen", sagte Pfeifer. Ideal wäre das Erreichen einer Top-Ten-Platzierung, um für das nächste Jahr einen zweiten Startplatz für die DEU zu sichern. Dies gilt auch als Ziel der Dortmunder Eistänzer Katharina Müller/Tim Dieck, die 2019 ebenfalls Rang 13 erreichten.

Fentz - ohne Job und Förderung vom Ehrgeiz getrieben

Gespannt sein darf man auch auf Deutschlands besten Eiskunstläufer Paul Fentz. Für den Berliner war aufgeben keine Option gewesen, obwohl seine Absicherung und Förderung als Spitzensportler auf null gesunken ist. "Einem wird immer wieder ins Kreuz getreten", sagte der 29-jährige deutsche Eiskunstlauf-Meister, der sich gegen allen Widrigkeiten für die Europameisterschaften in Tallinn qualifiziert hat. "Ich lasse mich nicht unterkriegen", sagte der Berliner.

Eiskunstläufer Paul Fentz vor der EM Mittagsmagazin 11.01.2022 01:48 Min. Verfügbar bis 11.01.2023 Das Erste

Zusammen mit dem zehn Jahre jüngeren Nikita Starostin aus Dortmund beginnt für ihn am Mittwoch (12.01.22) in Estland die EM. Den Geldhahn hat man Fentz komplett abgedreht. Im Oktober wurden ihm wegen "sportlicher Stagnation" die Kaderförderung und zudem die Sporthilfe-Unterstützung gestrichen, woraufhin er sich arbeitslos gemeldet hat. Vor zwei Jahren hatte der EM-Achte von 2020 bereits seine Stelle als Sportsoldat verloren.

"Noch nicht alles ausgereizt"

Als er vor Weihnachten zum vierten Mal den nationalen Titel gewann und damit seinen EM-Start sicherte, kündigte er all dem zum Trotz an, auch nächstes Jahr die Schlittschuhe schnüren zu wollen. "Mich wird man erst los, wenn man mir eine einstweilige Verfügung in den Eishallen zustellt", erklärte Fentz. Alle Ratschläge, seine Karriere doch zu beenden, wies er resolut zurück.

"Ich habe noch nicht alles ausgereizt und noch nicht alle Erfolge eingefahren", meinte er selbstbewusst. "Der Gedanke daran aufzuhören, bereitet mir schlaflose Nächte. Meine Motivation ist so wie mit 14 beim Deutschland-Pokal." Bei aller Passion für die Eiskunst ist Fentz realistisch, was seine sportlichen Ziele und eine mögliche Verbesserung des achten EM-Ranges betrifft. "Ich kann nicht weniger, aber zu meinem Bedauern auch nicht mehr", bekennt er ehrlich.

DEU-Chefin will Fentz bei Olympia einsetzen

Die Deutsche Eislauf-Union will ihn auch beim Teamwettbewerb der Olympischen Winterspiele in Peking einsetzen, obwohl Fentz als Einzelläufer kein Ticket nach China buchen konnte. "Aus sportlicher Sicht ist am Ende des Tages das Ergebnis entscheidend", erklärte DEU-Sportdirektorin Claudia Pfeifer. Und da habe er "trotz mehrerer Unzulänglichkeiten" und der verpatzten Olympia-Qualifikation gezeigt, in der Lage zu sein, "Ergebnisse zu liefern".

Passend dazu ist die Musik zu seiner Kür: das Elton-John-Lied "I'm Still Standing". Fentz sagt dazu: "Ich bin immer noch da. Das Motto der Kür will ich vermitteln, keiner kann mich abschreiben."

Zeitplan der EM
StartzeitWettbewerbIm Programm
Mittwoch, 12.01.22, 12.00 UhrKurzprogramm MännerONE und Sportschau.de
Mittwoch, 12.01.22, 19.00 UhrKurzprogramm PaareSportschau.de
Donnerstag, 13.01.22, 12.00 UhrKurzprogramm DamenONE und Sportschau.de
Donnerstag, 13.01.22, 18.00 UhrKür PaareSportschau.de
Freitag, 14.01.22, 13.00 UhrRhythmus Tanz EistanzenONE und Sportschau.de
Freitag, 14.01.22, 18.00 UhrKür HerrenSportschau.de
Samstag, 15.01.22, 12.40 UhrKür EistanzenONE und Sportschau.de
Samstag, 15.01.22, 18.30 UhrKür DamenONE und Sportschau.de
Sonntag, 16.01.22, 14.30 UhrSchaulaufenONE und Sportschau.de

Die deutschen Starter

Frauen:

  • Nicole Schott (Essener Jugend Eiskunstlauf-Verein)

Männer:

  • Nikita Starostin (ERC Westfalen Kunstlauf Dortmund)
  • Paul Fentz (SC Berlin)

Eistanzen:

  • Katharina Müller/Tim Dieck (ERC Westfalen Kunstlauf Dortmund)

Paarlaufen:

  • Minerva Hase/Nolan Seegert (Berliner SV 1892/SC Berlin)
  • Annika Hocke/Robert Kunkel (SC Charlottenburg)
  • Letizia Roscher/Luis Schuster (Chemnitzer EC)

red/dpa | Stand: 11.01.2022, 09:51

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