Ein Sieg zum Abschied - Erik Lesser gewinnt am Holmenkollen

Sportschau 19.03.2022 03:30 Min. Verfügbar bis 19.03.2023 Das Erste

Biathlon | Weltcupfinale in Oslo

Lesser krönt Karriereende mit Sieg in der Verfolgung

Stand: 19.03.2022, 15:33 Uhr

Erik Lesser setzt sich im vorletzten Rennen seiner Karriere die Krone in der Verfolgung auf. Der Thüringer bleibt am Holmenkollen in Oslo fehlerfrei und feiert seinen dritten Weltcupsieg.

Von Jonas Schlott

Besser hätte man die Geschichte kaum schreiben können: Erik Lesser hat beim Weltcupfinale in Oslo den Sieg in der Verfolgung geholt. Der Thüringer beendet nach dieser Saison seine Biathlon-Karriere.

Lesser leistete sich am Samstag (19.03.2022) dank einer nervenstarken Vorstellung keinen Fehler und überquerte die Ziellinie vor Gesamtweltcupsieger Quentin Fillon Maillet (1 Fehler/+9,4 Sekunden) und Lokalmatador Sturla Holm Laegreid (3/+22,7). Zuletzt hatte Lesser vor sechs Jahren beim Massenstart in Ruhpolding einen Weltcupsieg gefeiert.

"Es hat alles perfekt funktioniert"

"Bei Verfolgungsrennen tue ich mich immer leichter. An einem Tag wie heute läuft es einfach und ich habe auch die Eier, das Ding durchzuziehen und nicht irgendwelche Ängste zu entwickeln", freute sich Lesser nach dem Rennen fassungslos aber glücklich über seinen Triumph im ZDF-Interview.

Sturla Laegreid (Norwegen), Erik Lesser (Deutschland) und Quentin Fillon Maillet (Frankreich) feiern nach dem 12,5 km Biathlon der Männer

Erik Lesser feiert mit Quentin Fillon Maillet (r.) und Sturla Holm Laegreid (l.) seinen Sieg.

"Dass ich die letzte Runde die zwölf Sekunden vor Fillon Maillet halten kann, hätte ich nicht gedacht. Es hat alles perfekt funktioniert. Aber was es für eine Bedeutung hat, das weiß ich jetzt noch nicht."

Doll auf Rang neun - Nawrath patzt zum Schluss

Zweitbester Deutscher wurde Benedikt Doll (3/+1:43,6 Minuten) auf Rang neun, zwei Plätze dahinter kam Dabid Zobel (1/+2:00,2) ins Ziel. Philipp Nawrath (5/+2:58,1) büßte durch zwei verpatzte Schießeinlagen einige Plätze ein und wurde 21. Johannes Kühn, Lucas Fratzscher und Roman Ress beendeten das Rennen auf den Rängen 25., 26., und 27.

Vielversprechender Start

Nach dem starken Sprintergebnis vom Vortag hatten sich mit Lesser, Doll, Nawrath und Kühn gleich vier DSV-Athleten in Podest-Stellung gebracht. Das Trio Doll, Lesser und Nawrath ging zeitgleich mit gut 40 Sekunden Rückstand auf Sprintsieger Laegreid auf die 12,5 Kilometer lange Strecke und konnte auf der ersten Runde im Verbund auch einige Sekunden gutmachen.

Bei perfekten Windbedingungen hielten Lesser und Nawrath mit fünf Volltreffern im Liegendanschlag den Kontakt zum Spitzentrio Lagreid, Fillon Maillet und Sebastian Samuelsson, die ebenfalls mit der vollen Ausbeute durchgekommen waren. Doll musste hingegen einmal in die Strafrunde.

Lesser robbt sich ran

Lesser zog im Anschluss das Tempo an und schob sich an Fillon Maillet und Samuelsson ran. Anschließend zeigte der Routinier auch im zweiten Schießen seine ganze Klasse und stellte alle Scheiben von Schwarz auf Weiß.

Erik Lesser aus Deutschland bei der Biathlon-Verfolgung der Männer beim IBU-Weltcup

Erik Lesser war erneut in bestechender Form auf der Strecke.

Mit einem Rückstand von elf Sekunden auf Spitzenreiter Laegreid ging es zurück auf die Strecke. Der Norweger hatte, wie Fillon Maillet, eine Fahrkarte geschossen. Auch Samuelsson und Nawrath blieben dank fehlerfreier Einlagen als Dritter und Vierter vorne dabei.

Laegreid führt bis zum letzten Schießen

Laegreid zeigte im Stehendanschlag beim vorletzten Schießen keine Nerven und baute seinen Vorsprung aus. Auch Lesser durfte sich über fünf weitere Volltreffer freuen, hatte aber weiterhin 20 Sekunden Rückstand auf den Norweger. Nawrath musste mit einer Strafrunde dagegen abreißen lassen, dafür pirschte sich Fillon Maillet in den Nacken von Lesser.

20 Schüsse - 20 Volltreffer

Beim letzten Schießen wackelte Laegreid bedenklich und musste zweimal in die Strafrunde. Lesser zeigte abermals ein brillantes Schießen, räumte auch die Scheiben 15 bis 20 ab und schwang sich an die Spitze.

Laegreid und Fillon Maillet nahmen die Verfolgung auf. Während dem Norweger die Kräfte ausgingen, machte der Franzose Sekunde um Sekunde gut. Doch Lesser konnte dank einer aufopferungsvollen Schlussrunde seinen knappen Vorsprung halten und kämpfte sich zum Sieg.

Königliche Ehren für Lesser

Danach ging es für den charismatischen Athleten direkt zu Harald V., dem König von Norwegen, der ihm auf der Tribüne zu seinem Erfolg gratulierte. "Daran habe ich zuerst gar nicht gedacht", erklärte Lesser kurz darauf und fügte mit einem Zwinkern hinzu: "Sonst sehe ich den König immer nur aus Ferne. Er hat mir gesagt, er ist ein Riesenfan von mir."

Lessers langjähriger Teamkollege Doll lobte den Sieger als "echtes Phänomen. Wie er zum Schluss ein gutes Rennen nach dem anderen macht, das ist schon cool und ein toller Abschluss", sagte Doll und ergänzte: "Es ist wichtig für ihn zu sehen, dass er auf der Höhe des Geschehens abtritt."

Fillon Maillet sammelt Kristallkugeln

Auf die Entscheidung in der Disziplinenwertung hatte das Rennen keinen Einfluss mehr. Fillon Maillet hatte sich bereits vorzeitig die kleine Kristallkugel gesichert. Daneben holte der überragende Biathlet dieser Saison auch den Sprint-Weltcup und den Gesamtweltcup.

Im abschließenden Massenstartrennen am Sonntag (15 Uhr im Liveticker bei sportschau.de) kann sich der zweifache Olympiasieger auch in dieser Disziplin die Krone aufsetzen.

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