Deutsche Biathleten begeistern mit famoser Aufholjagd

Deutsche Biathlon-Staffel setzt Ausrufezeichen in Ruhpolding Sportschau 15.01.2022 03:20 Min. Verfügbar bis 15.01.2023 Das Erste

Biathlon | Ruhpolding

Deutsche Biathleten begeistern mit famoser Aufholjagd

Was für eine spannende Staffel in Ruhpolding: Hinter Sieger Russland lief das deutsche Quartett zum ersten Mal in dieser Saison auf das Podest. Einen schwarzen Tag erlebten die Norweger.

Erik Lesser, Roman Rees, Benedikt Doll und Philipp Nawrath haben den deutschen Biathleten das nächste Erfolgserlebnis beim Heimspiel in Ruhpolding beschert. Das Quartett lief am Samstag (15.01.2022) in der Staffel mit nur zwei Nachladern hinter Russland auf den zweiten Platz. Der dritte Platz ging an Belarus.

Schieß-Fauxpaus: Schwede schießt auf falsche Scheiben

Norwegen, mit einer B-Mannschaft am Start, erlebte dagegen einen schwarzen Nachmittag. Der schwedische Startläufer Pepe Femling schoss stehend auf die Scheiben des Norwegers Aleksander Fjeld Andersen. Andersen war verwirrt, drehte zwei Strafrunden und kam 2:36 Minuten hinter der Spitze zum Wechsel.

Aleksander Fjeld Andersen gestikuliert nach seinem Schießen

Aleksander Fjeld Andersen (Norwegen) gestikuliert nach seinem Schießen

Wenig später entschied die Jury, den Norwegern eine Gutschrift von zwei Minuten geben. Das Rennen für die Skandinavier war dennoch gelaufen. Norwegen wurde Siebter direkt vor Schweden.

Lesser bricht auf letztem Kilometer ein

DSV-Startläufer Erik Lesser strotzte nach seinem sechsten Platz im Sprint und dem Fan-Hype auf Instagram vor Selbstvertrauen und setzte sich nach dem ersten Schießen mit fünf Treffern an die Spitze. Im Stehendschießen blieb eine Scheibe stehen, die räumte der Thüringer aber mit dem ersten Nachlader ab.

Alles lief nach Plan, doch auf der Schlussrunde brach der Routinier ein, verlor Sekunde um Sekunde auf die Spitze und schickte Roman Rees auf Rang fünf mit 18 Sekunden hinter den überraschend in Führung liegenden Amerikanern ins Rennen. "Die letzte Runde ärgert mich. Ich hätte in der Spitzengruppe übergeben müssen. Es hat grundsätzlich überall gefehlt, ich hatte nicht den Punch wie am Donnerstag noch", sagte Lesser im ZDF.

Frankreich nach dem ersten Schießen auf Platz 23

Während sich der Rückstand der Deutschen noch in Grenzen hielt, waren die Norweger und Schweden nach dem Schieß-Fauxpas weit im Hintertreffen, auch die favorisierten Franzosen (Startläufer Fabian Claude) patzten und fielen nach einer Strafrunde zwischenzeitlich auf den vorletzten Platz zurück.

Fehlerfreier Rees verliert Zeit

Dass dies in der Staffel nichts zu bedeuten hat, zeigte die zweite Gruppe. Emilien Jacquelin führte die Franzosen mit einem Wahnsinnsrennen zurück auf den zweiten Platz hinter Spitzenreiter Italien. Dem Höllentempo konnte auch Roman Rees nicht folgen, der trotz einer fehlerfreien Leistung am Schießstand viel Zeit verlor - und als Sechster 25,7 Sekunden hinter Italien an Benedikt Doll übergab.

"Ich hatte das Gefühl, dass das Material nicht so gut ging", sagte Rees, der bei der Anfahrt zum Stehendschießen einen halben Rückwärtssalto "auf den Arsch" hinlegte: "Ist ja aber noch mal gut gegangen", lachte Rees, der sich von der ungewollten Showeinlage nicht aus dem Takt bringen ließ.

Doll fliegt auf den dritten Platz

Doll, Sprintzweiter in Ruhpolding, führte die deutsche Staffel auf Podiumskurs. Während einige Nationen - auch die Norweger - am Schießstand patzten, brauchte Doll nur einen Nachlader und setzte sich hinter Russland und Belarus auf den dritten Platz.

Nawrath schießt DSV-Staffel auf den zweiten Platz

Jetzt lag es also an Schlussläufer Philipp Nawrath, das Podest zu sichern. Und der lieferte. Mit einem fehlerfreien Liegendanschlag hielt er die Konkurrenz, die von hinten drängte, auf Distanz. Nach vorn war der Rückstand auf Russland (25,0 s) und Belarus (18,5 s) aber auch schon gewaltig.

Doch Nawraths Lauform passte. Er kam zeitgleich mit dem Belarusen Anton Smolski zum Schießen und traf, während Smolski einmal nachladen musste. Mit nur 12,6 Sekunden hinter dem Russen Maksim Tsvetkov ging Nawrath zurück auf die Strecke. Plötzlich war sogar der Sieg zum Greifen nah. Bis auf sechs Sekunden kam Nawrath heran, für den ganz großen Coup hätte die Strecke aber einige Meter länger sein müssen. "Wenn jeder sein Ding macht, dann sind wir in der Lage auch bei Olympia vorn mitzuspielen", sagte Nawrath glücklich.

Sanny Stephan | Stand: 15.01.2022, 15:45

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