Wimbledon - Kerber scheidet aus, Struff und Görges sind weiter

Angelique Kerber

Tennis in London

Wimbledon - Kerber scheidet aus, Struff und Görges sind weiter

Wimbledon-Titelverteidigerin Angelique Kerber ist nach indiskutabler Vorstellung in der 2. Runde ausgeschieden und fällt in der Weltrangliste aus den Top Ten. Jan-Lennard Struff und Julia Görges hingegen gewannen ihre Spiele.

Angelique Kerber rannte, schrie und kämpfte, doch am Ende stürzte sie über einen laufstarken Tennis-Floh aus den USA. Die Titelverteidigerin ist beim Grand-Slam-Highlight in Wimbledon am Donnerstag (04.07.2019) völlig überraschend in der zweiten Runde ausgeschieden. Gegen die nur 1,57 Meter große Lauren Davis unterlag Kerber 6:2, 2:6, 1:6. Letzte deutsche Hoffnungsträger im Rasen-Mekka von London sind damit Julia Görges und Jan-Lennard Struff.

Zwei Breaks zum Auftakt

"Es war überhaupt nicht mein Tag, ich habe von Anfang an nicht gut gespielt", sagte Kerber, als sie gut eineinhalb Stunden später mit geröteten Augen ihre früheste Wimbledon-Pleite seit sechs Jahren zu erklären versuchte: "Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich muss daraus lernen und versuchen, es so schnell wie möglich zu vergessen. Es gibt solche Tage, heute war einer davon."

Kerber nach dem Aus: "Ich muss daraus lernen" Sportschau 05.07.2019 00:20 Min. Verfügbar bis 05.07.2020 Das Erste

Auf dem anfangs nur spärlich besetzten kleineren Court Nr. 2 hatte Kerber gegen Davis schon zu Beginn kämpfen müssen. Gleich die ersten beiden Aufschlagspiele gab die Favoritin ab, schaffte allerdings jeweils umgehend das Re-Break.

Dann rutschte ihre Gegnerin bei einem Vorstoß ans Netz aus und zog sich dabei vermeintlich eine ernstere Verletzung zu. Ihr schon vor dem Match mit einem dicken Tapeverband versehenes linkes Knie schien Davis zwischenzeitlich große Probleme zu bereiten. Im ersten Durchgang gewann sie anschließend kein Spiel mehr, beantragte in der Satzpause eine medizinische Auszeit.

Kerber fällt damit aus den Top Ten der Weltrangliste. Die 31-Jährige werde mindestens auf Rang zwölf abrutschen, teilte die Spielerinnenorganisation WTA am Freitag auf Anfrage mit. Die genaue Platzierung hängt noch von den weiteren Ergebnissen in Wimbledon ab und wird am kommenden Montag bekannt.

Wimbledon - Kerber enttäuscht, Görges und Struff weiter

Sportschau 04.07.2019 01:23 Min. Verfügbar bis 04.07.2020 ARD

Kleine Wunderheilung bei Davis

Danach erfuhr Davis offenbar eine kleine Wunderheilung und wehrte sich wieder nach Kräften. Die 25-Jährige rannte plötzlich wieder, als hätte es die Verletzungsunterbrechung nie gegeben. Nach zwei weiteren Breaks führte sie mit 3:1.

Kerber dagegen haderte zunehmend mit dem eigenen Spiel, schaute mehrfach fragend in die eigene Box zu Trainer Rainer Schüttler und gestikulierte phasenweise auch schimpfend in Richtung ihres Anhangs.

"Es ist beinahe surreal"

Davis war wie verwandelt und schaffte nach 1:20 Stunden den Satzausgleich. Nun war es an Kerber, eine Auszeit zu beantragen, die Kielerin verschwand für einige Minuten in der Kabine. Anschließend wirkte sie wieder deutlich fokussierter. "Komm jetzt", schrie sie sich selbst zu: "Weiter, weiter, weiter."

Allein: Es half nichts. Kerber war völlig von der Rolle, Davis spielte groß auf. Nach 1:54 Stunden war die Sensation perfekt. "Das bedeutet mir alles", sagte Davis anschließend: "Es ist beinahe surreal."

Görges jetzt gegen Williams

Julia Görges

Klasse-Auftritt: Julia Görges steht in der 3. Runde.

Letzte deutsche Hoffnungsträgerin ist nun Görges. Die 30-Jährige besiegte die russische Qualifikantin Warwara Flink mit 6:1, 6:4. Görges hatte von Beginn an das Geschehen dominiert, schlug alleine im ersten Satz sieben Asse.

Für Görges kommt es nun zur Neuauflage des Halbfinales aus dem Vorjahr gegen US-Superstar Serena Williams, gegen die sie im Vorjahr in zwei Sätzen verloren hatte. Williams musste zuvor aber mit viel Mühe eine Blamage in der zweiten Runde abwenden. Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin setzte sich gegen die slowenische Weltranglisten-133. Kaja Juvan (18) nach anfänglichen Problemen 2:6, 6:2, 6:4 durch. Damit vermied Williams auch bei ihrer 19. Wimbledon-Teilnahme ein Aus vor der dritten Runde.

"Ich möchte gar nicht so viel über Serena reden", sagte Görges. "Ich nehme das Spiel wie jedes andere. Ich kann mich nur auf das konzentrieren, was ich selber beeinflussen kann."

Struff wiederholt Vorjahreserfolg

Jan-Lennard Struff

Jan-Lennard Struff

Zuvor hatte bei den Männern der Warsteiner Struff seine gute Form bewiesen und wie im Vorjahr die dritte Runde beim Rasen-Major erreicht. Der 29-Jährige bezwang den US-Amerikaner Taylor Fritz, in der Vorwoche Sieger beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne, in einem engen Match 6:4, 6:3, 5:7, 7:6 (7:2).

"In den ersten beiden Sätzen war es einfach ein sehr gutes Match von mir", sagte er, Nächster Gegner von Struff ist nun der Kasache Michail Kukuschkin, der Vorjahres-Halbfinalist John Isner (USA/Nr. 9) ausschaltete.

Wimbledon - Struff mit starker Leistung weiter

Sportschau 04.07.2019 00:34 Min. Verfügbar bis 04.07.2020 ARD

Siegemunds Kampf nicht belohnt

Für Laura Siegemund (Metzingen) war das Turnier nach einem 3:6, 5:7 gegen Barbora Strycova aus Tschechien trotz kämpferisch starker Leistung dagegen beendet. Am Dienstag hatte Siegemund durch ein 6:2, 6:4 gegen Katie Swan noch ihren ersten Hauptrundensieg bei dem Rasen-Major überhaupt gefeiert.

Beendet ist das Turnier auch für den deutschen Wildcard-Starter Dominik Köpfer. Er unterlag am Abend dem Argentinier Diego Schwartzman (Nr. 24) klar mit 0:6, 3:6, 5:7.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag, 04.07.19, 22.50 Uhr

dpa/sid/red | Stand: 05.07.2019, 11:37

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