Pascal Ackermann - Kräfte sparen vor dem Vuelta-Finale

Der Deutsche Radprofi Pascal Ackermann (r.) im Schlusssprint der 9. Vuelta-Etappe

Sprinter will 2021 Debüt bei der Tour geben

Pascal Ackermann - Kräfte sparen vor dem Vuelta-Finale

Von Tom Mustroph

Zwei Etappensiege beim Giro d'Italia hat Pascal Ackermann bereits geholt. Beim letzten Renntag dieser Pandemiesaison peilt er den zweiten Tageserfolg bei der Vuelta an, damit dann auch im nächsten Sommer nichts mehr seinem Debüt bei der Tour de France entgegensteht.

Deutschlands schnellster Mann auf einem Straßenrad geht guten Mutes in die letzte Woche der Spanien-Rundfahrt. Die Furcht erregenden Felsen in Asturien überstand der 26-Jährige Sprinter unbeschadet im Gruppetto. "Die Bergform ist nicht schlecht", bilanzierte er. Für die nächsten Tage hat sich Ackermann ein Schonprogramm aufgelegt. "Es gilt Kraft zu sparen, um am Sonntag in Madrid noch einmal um den Etappensieg kämpfen zu können", sagte er der Sportschau.

Ackermann ist heiß auf diesen allerletzten Sprint in der komprimierten Pandemiesaison des Radsports. Sein Soll mit einem Etappensieg bei der Spanien-Rundfahrt hat er zwar schon erfüllt. Aber für ihn war es nur ein halber Sieg, weil er zum Ende der 9. Etappe erst nachträglich, nach der Disqualifikation seines früheren Teamkollegen Sam Bennett, zum Sieger erklärt worden war.

Auch als Erster über den Zielstrich fahren

"Bis jetzt habe ich ja noch keine richtige Etappe gewonnen. Wenn ich eine Etappe gewinne, will ich auch als Erster über den Zielstrich fahren", formulierte der Pfälzer klipp und klar seine Ansprüche. Hergeben will er den ersten Vuelta-Sieg natürlich auch nicht. Und sein sportlicher Leiter Steffen Radochla sieht im Resultat sogar Spuren von ausgleichender Gerechtigkeit. "Der Fehler, den Sam Bennett gemacht hat, resultierte auch aus dem starken Leadout, das wir für Pascal gefahren sind", spielte er auf den Rempler an, mit dem Bennett sich seine Position im Gewühl des Finales zurückerkämpft hatte.

Opulenter Bora-Sprintzug

Der Deutsche Radfahrer Pascal Ackermann vom Team Bora-Hansgrohe

Pascal Ackermann bei der Vuelta

Bora-hansgrohe ist mit einem opulenten Sprintzug nach Spanien gekommen. Fünf Vorbereiter stehen Ackermann zur Seite. Klassementfahrer Felix Großschartner, der sich fest in den Top 10 etabliert hat, kann nur auf einen Helfer in den Bergen zählen. "Wir sind schon ziemlich sprinterlastig hierher gekommen", konstatiert Radochla. Das zeigt die Wertschätzung, die Ackermann im Rennstall genießt. Es erhöht natürlich auch den Druck. Viel Aufwand soll viele Früchte tragen. Gelegenheiten für Sprinter gab es bei dieser Vuelta aber nur wenige. "Man kann nicht sagen, dass es eine sprinterfreundliche Rundfahrt ist", sagt Ackermann lachend.

Um so wichtiger ist es, jede Chance zu nutzen. Das spielt auch für die Zukunft eine Rolle. Zur Tour de France wurde Ackermann bislang nicht mitgenommen. Peter Sagan hatte Zugriffsrechte auf das Grüne Trikot. Und im Gesamtklassement hatte - und hat - der Rennstall Großes mit Emanuel Buchmann vor. Ackermann blieb außen vor. Dass er sich nun über den Umweg Vuelta teamintern für die Tour qualifizieren muss, glaubt der Pfälzer aber nicht.

Ackermann geht fest von Tour-Start aus

"Die Tour wird nächstes Jahr definitiv in meinem Programm stehen, denke ich mal, unabhängig davon, was hier passiert", meint er optimistisch. Dass er die Chance auf ein neuerliches Duell mit Bennett in Spaniens Hauptstadt hat, nimmt er als gegeben hin - trotz aller alarmierenden Meldungen über die zweite Welle der Pandemie. Ackermann verlässt sich voll auf das Hygienekonzept der Veranstalter.

"Weit abgeschottet" in der Bubble

"Ich würde behaupten, wir sind hier sicherer als zu Hause. Zu Hause würde man sich mit Leuten treffen. Hier ist man nur in seiner Bubble. Wir sind ja weit abgeschottet vom normalen Leben hier. Wir haben im Hotel keinen Kontakt, wir haben generell keinen Kontakt zu Außenstehenden", sagte er der Sportschau.

Pascal Ackermann: "Sind hier sicherer als zu Hause"

Sportschau 03.11.2020 00:17 Min. Verfügbar bis 03.11.2021 ARD


Ackermann meint das ausdrücklich als Lob für die Vuelta-Ausrichter. Man kann in diesem Abgeschottetsein aber auch den Preis sehen, den der Profiradsport in Pandemie-Zeiten zahlt. Er findet statt, er ist für die Beteiligten - wenn sie sich an die Regeln halten - auch verhältnismäßig sicher. Aber er stellt auch ein immer mehr dem Alltag entrücktes Spektakel dar.

Am Sonntag gibt es die für diese Saison letzte Episode mit dem Massensprint in Madrid. Die nächste Saison hat Ackermann natürlich auch schon im Blick.

Späterer Saisoneinstieg

"Ich meine, ich fahre jetzt bis Mitte November Rennen. Normalerweise würde ich da wieder anfangen zu trainieren. Nach der Vuelta nehme ich mir erst mal die Zeit, frei zu machen. Und ich gehe davon aus, dass ich nächstes Jahr etwas später in die Saison einsteige. Weil sonst wird es einfach zu viel."

Einen späteren Saisoneinstieg werden auch die anderen Radprofis haben. Denn die traditionellen Saisoneröffnungsrennen in Australien sind wegen der Schwierigkeiten des internationalen Reiseverkehrs bereits abgesagt. Um so wichtiger wird für alle jedes Rennen, das überhaupt stattfindet. Bei der Vuelta um Siege zu kämpfen ist daher auch so etwas wie eine Verteidigung des alten Lebens.

Stand: 03.11.2020, 11:37

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