Klosterhalfen muss sportliche Zukunft neu planen

Konstanze Klosterhalfen bei der WM in Doha

Nach Ende für das Nike Oregon Project

Klosterhalfen muss sportliche Zukunft neu planen

Der Sportartikelhersteller Nike schließt nach einem Dopingskandal seine Leichtathletikgruppe Nike Oregon Project. Die deutsche Läuferin Konstanze Klosterhalfen braucht damit eine neue sportliche Heimat - der DLV will das Gespräch mit ihr suchen.

Ob sie beim Nike Oregon Project bleibe? "Tausendprozentig", sagte Konstanze Klosterhalfen bei der WM in Doha, nachdem sie die Bronzemedaille über 5.000 m gewonnen hatte. Nun hat der Sportartikelhersteller die Frage für die 22-Jährige anders beantwortet, denn Nike beendet die Trainingsgruppe. Die nächste Frage aus der Sicht der deutschen Leichtathletik lautet nun: Wie geht es weiter für Klosterhalfen, die zu einer der größten Hoffnungsträgerinnen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) aufgestiegen ist?

DLV: "Beste Lösung finden, nicht die schnellste"

"Für mich ist der Beschluss, das Oregon Project nach der Salazar-Sperre zu beenden, eine folgerichtige Entscheidung im Sinne der Athleten und des Sports", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing. Der Verband wolle nun wie bei der WM angekündigt das Gespräch mit Klosterhalfen und ihrem Management suchen, "um die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio optimal abzusichern."

Nike beendet Oregon Project Sportschau 11.10.2019 02:31 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 Das Erste

Die Entscheidung werde dann die Athletin treffen. "Wichtig ist es aus meiner Sicht, die beste und nicht die schnellste Lösung zu finden", sagte Kessing. Wie die aussehen könnte, blieb unklar.

Mittlerweile hat sich auch Klosterhalfen zu Wort gemeldet. Sie könne die Entscheidung von Nike "komplett nachvollziehen", sagte Klosterhalfen in einer Stellungnahme ihres Managements. "Es ist ein erster wichtiger Schritt, vor allem die aktuellen Athleten und deren Leistungen zu schützen, denn deren und meine sportliche Leistung ist seit der letzten Woche leider aufgrund der Umstände in den Hintergrund geraten."

Nike beendet das umstrittene Oregon-Project

Sportschau 11.10.2019 01:05 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 ARD Von NDR Reporter Hendrik Maaßen

Klosterhalfen: Salazar ist nicht ihr Trainer

Klosterhalfen war im Herbst 2018 in die USA gegangen, offiziell gehörte sie der Trainingsgruppe seit April 2019 an. Auf nationaler Ebene startet sie offiziell für ihren bisherigen Klub Bayer Leverkusen. Stets betonte sie, dass Pete Julian ihr Trainer sei und nicht der wegen Dopingverstößen zu einer vierjährigen Sperre verurteilte Cheftrainer Alberto Salazar. Doping lehne sie ab.

Sie könne über ihre Erfahrungen mit dem Team und den anderen Mitgliedern ihrer Laufgruppe nur Positives berichten und sich daher "von allen Verdachtsmomenten frei machen", sagte Klosterhalfen nun.

Außerdem beziehen sich die Ermittlungen und Vorwürfe auf Vorfälle bis ins Jahr 2014, also weit vor Klosterhalfens Zeit in Oregon im Nordwesten der USA. Und klar ist auch: Weder gegen Klosterhalfen noch gegen ihren Trainer sind bislang Vorwürfe wegen Dopingverstößen erhoben worden.

Nike Oregon Project - der Verdacht läuft zwangsläufig mit

Doch der Verdacht lief zuletzt bei allen Leichtathletinnen und Leichtathleten aus der Gruppe mit. Ob bei Sifan Hassan aus den Niederlanden, die über die 10.000 m und die 1.500 m souverän Gold holte, bei Olympiasieger Mo Farah oder eben bei Klosterhalfen. Die Leistungen dieser Menschen steigerten sich in Oregon teilweise deutlich, Klosterhalfen verbesserte ihre Bestzeiten 2019 mehrfach.

Und die Vorwürfe gegen den Cheftrainer und Gründer des Nike Oregon Projects führen unweigerlich zu der Frage, ob das wirklich nur an dem Talent der Sportlerinnen und Sportler, den guten Trainingsbedinungen und tollen Trainern liegt.

Kritisiert wird Klosterhalfen deshalb von Fritz Sörgel. Sie hatte "die Chance, sich zu distanzieren, als Salazar gesperrt worden ist", sagte der Nürnberger Doping-Experte, "das hat sie nicht getan. Im Gegenteil: Sie hat sich für das System ausgesprochen. Sie kann sich nun gar nicht mehr distanzieren. Diesen Moment hat sie verpasst. Es wäre völlig unglaubwürdig."

Neuplanung der Zukunft als Chance

Nun muss Klosterhalfen gezwungenermaßen ihre Zukunft neu planen, was eine Chance sein kann, die nun auch der DLV ergreifen will. Auch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 und auch auf die WM 2021. Diese hat die IAAF übrigens in die USA vergeben - nach Eugene, im Bundesstaat Oregon.

nch | Stand: 11.10.2019, 11:30

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