Ina-Yoko Teutenberg: "Es wäre schön, eine Tour de France zu haben"

Ina-Yoko Teutenberg

Interview vor "La Course" in Nizza

Ina-Yoko Teutenberg: "Es wäre schön, eine Tour de France zu haben"

Ina-Yoko Teutenberg war eine der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen. Heute arbeitet sie alssSportliche Leiterin beim World-Tour-Frauen-Team Trek-Segafredo, das am Samstag in Nizza bei "La Course" im Rahmen der Tour de France startet. Im Interview mit der Sportschau spricht sie über die Bedeutung des Rennens für den Frauen-Radsport und die Möglichkeit einer Tour de France für Frauen.

Frau Teutenberg, welche Bedeutung hat La Course für den Frauen-Radsport und für Ihr Team?

Ina-Yoko Teutenberg: Das ist eine gute Frage. Ich selbst bin es ja noch nicht gefahren, auch nicht als Sportdirektor. Die Tour de France ist natürlich das größte Radsportereignis des Jahres für die Männer. Und es ist sicherlich immer schön für die Frauen, in so einem Rahmen Radrennen zu fahren. Sei es nun auf den Champs-Élysées wie in den ersten Jahren oder in den Bergen wie zuletzt - die Kulisse, die Atmosphäre und dann da ins Ziel zu fahren, das ist sicherlich schwer zu übertreffen.

Obwohl die Männer kurz danach wieder im Fokus stehen werden, wenn die Tour beginnt. Ist das Rennen dann nicht doch nur ein Anhängsel?

Teutenberg: Das ist jetzt kein schlechter Rahmen, wenn die ganze Weltpresse da ist, und wir da ein Radrennen fahren. Wäre es besser, wenn es mehrere Etappen wären? Ja klar wäre das schöner, wenn wir das über mehrere Tage machen könnten. Aber man muss auch erstmal wertschätzen, dass wir ein Rennen machen dürfen und wir den Vorteil dieser Publicity haben.

Ein solches Mehretappen-Rennen, eine Art Tour de France der Frauen soll ja jetzt angeblich ab 2022 kommen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass das wirklich Realität wird?

Teutenberg: Es wäre schön, eine Tour de France zu haben. Muss die wirklich gleichzeitig mit den Männern stattfinden? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob die Reporter alle zur Ziellinie laufen, wenn die Frauen drei Stunden eher kommen, oder ob sie nicht lieber weiter das Männerrennen angucken. Klar gibt es dann mehr Medienpräsenz, aber interessieren diejenigen, die da sind, sich dann auch wirklich für den Frauen-Radsport? Oder machen wir lieber was eigenes, dass die ASO (Veranstalter der Tour de France, Anm.d.Red.) dann entsprechend aufzieht. Das ist schwer zu beantworten.

Wie ist denn Ihre Meinung?

Teutenberg: Die Tour de France ist so groß und jeder, der schon mal hier war, weiß wie schwierig das zu organisieren wäre, besonders bei einer Bergankunft. Da ist so wenig Platz, da müssten die Frauen wahrscheinlich derartig früh ankommen - ich weiß nicht, ob das geht. Ich muss ganz ehrlich sagen, eine Tour de France der Frauen alleinstehend oder vielleicht in Kombination mit einem kleineren Männer-Rennen, das vielleicht auch eine gewisse Medienpräsenz hat, wäre vielleicht besser für den Frauen-Radsport. Man müsste vielleicht beides mal probieren, um herauszufinden, was besser ist.

Der Frauen-Radsport hat sich insgesamt verändert seit Ihrer aktiven Zeit, ist professioneller geworden. Wo steht der Frauen-Radsport insgesamt gerade?

Teutenberg: Ich bin auch schon unter professionellen Bedingungen gefahren, aber es hat sich seitdem einiges getan. Im Großen und Ganzen ist inzwischen flächendeckend gewährleistet, dass die Frauen vom Radfahren leben können. Ich denke, das hat das Level gehoben, wenn die Fahrerinnen nicht noch nebenbei einen Job machen müssen oder nicht kämpfen müssen, um freizukriegen vom Arbeitgeber, und sich keine Sorgen machen müssen, wie sie morgen das Essen auf den Tisch kriegen. Die großen Teams sind heute alle gut aufgezogen. Man sieht das schon an den Fuhrparks, die haben alle einen großen Bus oder ein Wohnmobil. Es wird immer besser und wird sich auch in den nächsten Jahren immer noch weiterentwickeln.

Stand: 28.08.2020, 14:21

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