French Open: Das Frauen-Finale der Überraschungen

Barbora Krejcikova feiert ihren Einzug ins Finale der French Open

Roland Garros

French Open: Das Frauen-Finale der Überraschungen

Mit Anastasia Pawljutschenkowa und Barbora Krejcikova stehen zwei große Überraschungen des Turniers im Finale von Paris. Bei der Tschechin Krejcikova hat auch die früh verstorbene Ikone Jana Novotna einen Anteil daran.

Barbora Krejcikova blickte zum Himmel. Im Augenblick ihres größten Erfolges dachte die Finalistin der French Open an ihre einstige Trainerin Jana Novotna. Sie schickte der früh verstorbenen tschechischen Tennis-Ikone Küsse und wurde dann emotional.

"Vor und nach jedem Match habe ich das Gefühl, dass sie da ist und sich um mich kümmert", sagte Krejcikova, der mit dem 7:5, 4:6, 9:7-Erfolg in einem dramatischen Duell gegen die Griechin Maria Sakkari eine Sensation gelungen war: "Ihretwegen bin ich hier, und es ist mir wirklich wichtig, das laut auszusprechen."

Zwei French-Open-Titel in einem Jahr möglich

Krejcikova ist die achte ungesetzte Spielerin seit Beginn des Profitennis 1968, die es in Roland Garros bis ins Finale schaffte und nun die Favoritin Anastasia Pawljutschenkowa aus Russland am Samstag (15 Uhr) herausfordert.

Und am Freitag setzte sie sogar noch einen drauf und zog mit ihrer Partnerin Katerina Siniakova auch noch ins Doppelfinale ein. Dort könnte sie erstmals seit Mary Pierce im Jahr 2000 das "Double" gewinnen.

Finale der Überraschungen

Vorher steht aber das Einzel-Duell auf dem Program. Dabei ist auch ihre Gegnerin Anastasia Pawljutschenkowa ein unerwartetes Gesicht im Finale von Paris.

Die 29-Jährige hatte lange auf diesen Moment warten müssen. Erst bei ihrer 52. Grand-Slam-Turnier-Teilnahme schaffte die Russin den Sprung ins Finale. "Es war eine lange Reise", sagt sie und ist zugleich die erste Russin seit Maria Scharapowa (2015) in einem Major-Finale.

"Planen kann man so etwas nicht"

"Dass ich es dieses Jahr hier ins Finale schaffe, das hätte ich nun wirklich nicht erwartet", sagte die Nummer 32 der Welt. "Aber planen kann man so etwas eh nicht."

Steht endlich im Finale eines Grand-Slam-Turniers: Anastasia Pawljutschenkowa in Aktion.

Schließlich hatten ihr viele schon früher den Durchbruch zugetraut. Bei den Juniorinnen spielte sie sich bis auf Platz eins der Welt, galt als verheißungsvolles Talent für große Erfolge. Doch immer wieder machten ihr auch Verletzungen zu schaffen - spätestens im Viertelfinale war Schluss.

Mentale Probleme vor Achtelfinale

Ihre Gegnerin Krejcikova bewies in ihrem Halbfinale in einer Partie über 3:18 Stunden, dass sie die mentale Kraft eines Champions aufbringen kann. Dabei hatte sie im Turnierverlauf auch schon offenbart, dass auch ihr der enorme Druck bei einem Major Probleme bereiten kann.

Vor ihrem Achtelfinale hatte Krejcikova mit mentalen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie sie berichtete: "Ich habe mich sehr gestresst gefühlt. Eine halbe Stunde vor der Partie wollte ich nicht auf den Platz gehen, weil ich mich wirklich schlecht fühlte", sagte die 25-Jährige. Sie habe sich im Physioraum eingeschlossen und mit ihrem Psychologen geredet. Und Angst gehabt, nicht gut genug zu sein für Matches auf dem Niveau.

Krejcikova klopfte an Novotnas Tür

Nach dem Finaleinzug fühlte sie sich mental "einfach da", wie sie sagte: "Ich bin wirklich gereift. Ich schätze die Dinge einfach mehr. Besonders nach dem, was ich durchgemacht habe."

Denn dazu gehört auch der Verlust ihrer Trainerin Novotna, die 2017 im Alter von nur 49 Jahren einem Krebsleiden erlag. Drei Jahre zuvor hatte Krejcikova als Teenie allen Mut zusammengenommen und an der Tür der früheren Wimbledonsiegerin geklingelt, um sie zu fragen, ob sie ihr als Trainerin helfen kann.

dpa/sid/red | Stand: 11.06.2021, 20:48

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