Laura Siegemund

Australian Open Siegemund - Doppelspezialistin als letzte Einzelhoffnung

Stand: 20.01.2023 18:16 Uhr

Laura Siegemund ist die letzte verbliebene deutsche Starterin im Einzel der Australian Open. Ihre Gegnerin in Runde drei schrieb zuletzt nicht nur sportliche Schlagzeilen.

Eigentlich wollte Laura Siegemund sich 2023 endgültig aufs Doppel konzentrieren. Ihr rechtes Knie hält den Belastungen im so physischen Einzelwettbewerb nach einem Kreuzbandriss vor mehreren Jahren und einer weiteren Operation 2021 nach den Olympischen Spielen dauerhaft nicht mehr stand, bekräftigte sie dieser Tage in Melbourne. Als Doppelspezialistin wäre Siegemund langfristig weniger körperlichen Strapazen ausgesetzt.

Die Schwäbin hat ihr Talent in dieser Disziplin immer wieder aufblitzen lassen. Zehn Titel sind in den WTA-Statistiken verzeichnet, am prominentesten war ihr Sieg bei den US Open 2020 an der Seite von Zvonareva. Im Einzel steht neben dem sensationellen Titel 2017 in Stuttgart noch ein weiterer Erfolg in ihrer Vita.

Laura Siegemund steht zum zweiten Mal in ihrer Karriere in der dritten Runde der Australian Open. Die 34-Jährige aus Stuttgart besiegte die an Nummer 27 gesetzte Rumänin Irina-Camelia Begu mit 5:7, 7:5, 6:3. mehr

Siegemund und ihre Knieprobleme

Falls Siegemunds Knie etwas weniger Probleme bereitet hätte, hätte Siegemund, die vor einigen Jahren zunächst ein Psychologiestudium abschloss, in den vergangenen Jahren wohl noch mehr im Einzel erreichen können. Was hätte möglich sein können, zeigen die Australian Open: Die 34-Jährige steht in der dritten Runde und ist damit die letzte verbliebene DTB-Teilnehmerin bei Damen und Herren. Dabei durfte die Weltranglisten-158. im Einzel-Hauptfeld nur starten, weil sie wegen einer früheren Knieverletzung noch vom sogenannten "Protected Ranking" - einer geschützten früheren Ranglistenposition – profitiert.

Im Doppel dagegen schied Siegemund am Freitag mit ihrer neuen Partnerin Kirsten Flipkens überraschend aus. Beim Vorbereitungsturnier in Hobart hatte die deutsch-belgische Paarung noch den Titel geholt.

Siegemund: "Turnierplan richtet sich nach Doppel aus"

Dass ihre Zukunftsplanung trotzdem auf die Doppelkonkurrenz ausgerichtet bleibt, bestätigte sie in Melbourne. "Meine Turnierplanung richtet sich in Zukunft nach dem Doppel aus." Sie könne noch ein, zwei Matches sehr gut mithalten. "Ich bin schon noch flott unterwegs und fit", aber die Regeneration und Reaktion des Knies brauchten länger. "Ich strapaziere meinen Körper schon über die Maßen im Einzel."

Am Samstag steht zunächst nochmal ein weiterer Karrierehöhepunkt an. Als krasse Außenseiterin trifft sie auf die an Nummer vier gesetzte Caroline Garcia. Die Französin gewann im August aus dem Nichts als erste Spielerin der Geschichte das Mastersturnier in Cincinnati. Es folgten der Halbfinallauf bei den US Open und der Überraschungserfolg beim renommierten Jahresendturnier der besten acht Spielerinnen.  

Garcia über Bulimie: "Hatte schlaflose Nächte und Fressattacken"

Garcia steht nicht nur wegen ihres sportlichen Erfolgs im Licht der Öffentlichkeit. Anfang des Jahres machte sie eine Bulimie-Erkrankung öffentlich. "Ich hatte schlaflose Nächte, Fressattacken, habe in meinem Hotelzimmer geweint, bin auf Krücken gegangen und habe geflucht, endlich wieder laufen zu lernen", schrieb Garcia auf Social Media. Der "L’Équipe" sagte sie: "Ich habe im Essen Zuflucht gefunden. Das waren Krisen. Du fühlst dich so leer, so traurig, dass man sich wieder auffüllen möchte."

Garcia geht es heute besser. Sie bemerkte am Medientag, sie habe sich durch die große Resonanz etwas unwohl gefühlt, sagte aber auch: "Ich bereue es nicht. Es entspricht ja der Wahrheit." Wichtig sei ihr aber, ähnlich wie Naomi Osaka, beim Thema mentale Gesundheit, dass mehr Athleten und Menschen generell zu ihren Schwächen stehen dürften.

Zuspruch von Siegemund

Zuspruch gab es von Gegnerin Siegemund: "Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Themen wie dieses besprochen werden. Die Sicht auf den Sport wird ansonsten glorifiziert, man sieht nur die zwei Stunden Primetime, bei der wir alles auf dem Platz lassen."

Was hinter den Kulissen passiere, werde oft vernachlässigt. "Es gibt tolle Seiten für uns Athleten aber halt auch schwierige Sachen. Die darf man genauso beleuchten." Es liege viel Stärke darin, zu sagen: "Okay, das sind meine Schwierigkeiten. Ich bin auch nur ein Mensch", erklärte Siegemund: "Und da dann offen zu sein und keine Show abzuziehen."