Nach dem Wechsel-Wirbel Wie der 1. FC Köln die Modeste-Lücke schließen will

Stand: 08.08.2022 13:51 Uhr

Stürmer Anthony Modeste verlässt mit viel Getöse den 1. FC Köln. Nun ist der Klub bemüht, die entstandene Lücke zu schließen. Einfach wird es nicht.

Von Jens Mickler

Anthony Modeste und der 1. FC Köln - diese in der vergangenen Saison so erfolgreiche Verbindung ist Geschichte. Doch sorgt der Abschied des Stürmers auch nach seiner Veröffentlichung für viel Getöse. So zeigte sich Trainer Steffen Baumgart wütend über den Zeitpunkt der Bekanntgabe. "Das kotzt mich an", sagte Baumgart: "Es ist nicht das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, dass etwas rauskommt. Und zwar nicht von uns." Demgegenüber sehen sich viele FC-Anhänger beim Blick auf Modeste in ihrem Bild vom gierigen Egoisten bestätigt, der die eigenen Interessen über die des Vereins stellt.

Sicher ist: Der 1. FC Köln hätte den Ausnahmespieler auch in dieser Saison gerne in den eigenen Reihen gesehen, was angesichts der leeren Vereinskassen allerdings ein schwieriges Unterfangen gewesen wäre. Die Kölner müssen massiv sparen, auch an den Gehältern der Spieler. So war beispielsweise Mittelfeldmann Florian Kainz zu Gehaltseinbußen bereit, als er kürzlich seinen Vertrag verlängerte.

In der Fußball-Bundesliga hat sich der 1. FC Köln den FC Schalke 04 nach einer frühen Roten Karte zurechtgelegt. Dreimal schritt der VAR ein.

Ordentlich Geld für die klamme Kölner Kasse

Anthony Modeste war das nicht, und wollte zudem eine zweijährige Verlängerung seines im nächsten Sommer auslaufenden Vertrags. Das wiederum kam für die Kölner nicht in Frage, die erstmal nur für ein Jahr zusammenbleiben wollten. Die Folge: Der 34-jährige Modeste äußerste bereits im Trainingslager in Donaueschingen im Juli seine Wechselabsichten.

Nesrin Elnabolsy, Sportschau, 07.08.2022 20:32 Uhr

Bei Borussia Dortmund hat Modeste jetzt allerdings nach Medienberichten einem Ein-Jahres-Vertrag zugestimmt - allerdings zu weitaus besseren Bezügen als in Köln. Beim BVB soll er sechs Millionen Euro pro Jahr verdienen und damit fast doppelt soviel wie in Köln (3,5 Millionen Euro). Den Kölnern spült der Wechsel zudem angeblich fünf Millionen Euro in die Kasse. Geld, das der Verein höchstwahrscheinlich noch vor Transferschluss am 31. August in einen Modeste-Ersatz investiert.

Stürmer Anthony Modeste wird den 1. FC Köln verlassen. Nach der Bekanntgabe geriet sein Trainer Steffen Baumgart ziemlich in Wut.

38 Prozent Torbeteiligung - Liga-Bestwert

Nun wartet auf FC-Trainer Steffen Baumgart und sein Team die nicht einfache Aufgabe, die Lücke zu schließen, die der Franzose hinterlässt. Mit 20 Toren hatte Modeste großen Anteil an der Conference-League-Qualifikation des FC zum Ende der vergangenen Saison. Er war damit an 38 Prozent aller Kölner Bundesliga-Tore beteiligt - soviel wie kein anderer Stürmer in der Liga. Robert Lewandowski, ehemals Bayern München, kam als Rangzweiter in dieser Wertung auf 36 Prozent. Das zeigt, wie wichtig Modeste für die Kölner war. Andererseits macht es auch die Ausrechenbarkeit des Kölner Spiels deutlich, das extrem auf den zentralen Stürmer zugeschnitten war.

1. FC Köln: Florian Dietz gegen Schalke

Florian Dietz gegen Schalke

Gegen Schalke am Sonntag (07.08.2022) warf Baumgart den Regionalliga-Stürmer Florian Dietz ins kalte Wasser. Dietz stürmte neben dem agilen Jan Thielmann und machte seine Sache nicht schlecht, ist aber noch weit davon entfernt, auf Dauer eine echte Alternative im FC-Sturm zu sein. Dietz kam vor zwei Jahren zum FC. In 31 Spielen für die Regionalliga-Mannschaft erzielte er immerhin 17 Tore. Zuvor absolvierte er einige Drittliga-Spiele für den FC Carl Zeiss Jena sowie die SpVgg. Unterhaching.

Seine Bundesliga-Tauglichkeit muss auch Neuzugang Steffen Tigges, der sich aktuell im Aufbautraining befindet, noch unter Beweis stellen. Tigges, den der FC im Sommer aus Dortmund holte, ist wie Modeste ein hochgewachsener Stürmer (1,93 Meter). Er kam beim BVB aber nur in der Regionalliga West auf eine gute Trefferquote (61 Spiele/31 Tore). Zuvor erzielte er in 80 Drittliga-Spielen für den VfL Osnabrück lediglich vier Tore.

Schalker VAR-Frust in Köln

Sportschau, 07.08.2022 19:15 Uhr

Pohjanpalo und Hrgota im Gespräch

Ein weiteres Sorgenkind der Kölner Offensive ist Sebastian Andersson. Der Schwede sollte eigentlich transferiert werden, sein Wechsel zu Bröndby Kopenhagen hat sich aber zerschlagen. Anderssons vergangene FC-Saison war kein Bewerbungsschreiben. In 26 Einsätzen, davon nur drei über die volle Distanz, erzielte er drei Tore. Nun hat er das Training beim FC wieder aufgenommen und könnte aufgrund der aktuellen Entwicklungen doch noch eine Chance erhalten.

Das hängt wohl aber auch davon ab, wen der FC noch nachverpflichtet. Im Gespräch sind Branimir Hrgota von Bundesliga-Absteiger SpVgg. Greuther Fürth als auch Joel Pohjanpalo von Bayer Leverkusen. Beides keine Hochkaräter vom Typ eines Anthony Modeste, aber beides Männer mit Bundesliga-Format. Mit einem neuen Stürmertypen und weniger Ausrechenbarkeit - vielleicht liegt genau da auch eine Chance für den 1. FC Köln ohne Anthony Modeste.