CHIO in Aachen CHIO: Gerrit Nieberg - der stille Sieger

Stand: 04.07.2022 13:42 Uhr

Mit 13 wollte er noch Fußballprofi werden, dann entschied er sich für die Pferde. Beim Großen Preis von Aachen ließ Gerrit Nieberg alle hinter sich.

Der vielleicht entscheidende Tipp kam von einem ganz Großen. "Ich hab auf dem Abreiteplatz Steve Guerdat gefragt, ob man die Abkürzung nehmen kann", erzählte Gerrit Nieberg nach seinem sensationellen Sieg im Großen Preis von Aachen: "Steve meinte, kannste machen. Also habe ich das gemacht, und das war gut."

Die kurze Wendung vor der letzten Linie, ein Risiko, das sich in mehrfacher Hinsicht lohnte. Nieberg und sein Westfalen-Wallach Ben nahmen die beiden letzten Hindernisse in Angriff - da lagen sie in der Zeit noch klar hinter dem Briten Scott Brash. Dann der vorletzte Sprung, die letzte lange Galoppade und schließlich der Satz ins Glück.

Sportschau-Kommentator verliert die Fassung

Sportschau-Kommentator Carsten Sostmeier verlor am Mikrofon komplett die Fassung. "Nieberg oder Brash, Nieberg oder Brash, Niiiiiiiiiiiieeeeeberg", schrie er ins Mikrofon, dann kamen diesem Urgestein der Berichterstattung die Freudentränen: "Ich kenne den Burschen seit seiner Geburt und habe ihn schon im Kinderwagen hier übers Turniergelände geschoben."

Nun, einen Kinderwagen braucht Gerrit Nieberg schon lange nicht mehr. Dabei war seine Karriere im Sattel keinesfalls von Anfang an vorbestimmt. Mit 13 wollte er noch Fußballprofi werden, "weil ich ganz gut war", aber dann widmete er sich letztlich doch den Pferden. Sein Vater, der zweimalige Mannschafts-Olympiasieger Lars Nieberg, förderte und forderte den Sohn behutsam. "Ohne ihn wäre das alles hier nicht möglich gewesen", sagte Nieberg junior an diesem denkwürdigen Sonntag in der Soers: "Ich bin ihm unendlich dankbar für alles."

Vater Nieberg und Söhne - ein eingespieltes Team

Vater und die beiden Söhne Gerrit und Max sind ein eingespieltes Team, auf dem heimischen Gut Berl im Münsterland betreiben sie seit 2013 einen Zucht- und Ausbildungsbetrieb. Lars und Gerrit sind für die sportliche Entwicklung der jungen Pferde zuständig, Max für den Verkauf. "Hier wird auch mal Klartext geredet", sagte Lars Nieberg der Reiterrevue: "Damit kann jeder umgehen. Hier ist niemand nachtragend."

Große Worte mag man nicht so im Münsterland, und so präsentierte sich auch Gerrit in Aachen als stiller Sieger. "Ich finde einfach keine Worte", sagte er immer wieder: "Ich muss das alles erstmal sacken lassen." In der heilen Welt auf Gut Berl sollte er dafür die nötige Ruhe finden.