Freiburger Fans im Stadion

Fußball | Bundesliga Zwischenbilanz SC Freiburg: Müde sind die anderen

Stand: 27.09.2022 11:17 Uhr

Für die einen hat sich Freiburg schon mal ein Polster für schlechte Zeiten zugelegt, für die anderen mausert sich der SC allmählich zum Spitzenteam. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen.

Ganze 26 Punkte fehlen Freiburg noch zum Klassenerhalt. Oder anders gesagt: nach sieben Spieltagen hat Freiburg schon 14 Punkte gegen den Abstieg geholt. Was lange Jahre die "Freiburger Währung" war, mutet in dieser Saison vielleicht zum ersten Mal etwas komisch an. Und muss doch in der ersten Zwischenbilanz noch im Hinterkopf erlaubt sein.

Wie lief der Start?

Intensiv und ziemlich konstant gut. Und das obwohl Freiburg "viel Energie auf dem Platz gelassen hat", wie Sportdirektor Jochen Saier es nach dem letzten Spiel vor der Länderspielpause analysiert hatte. Vor allem in den Tagen vor der dieser Pause waren die Spiele ein Statement: weil Freiburg die ungewohnte Doppelbelastung richtig gut gemeistert hat. Freiburg ist stabil geblieben. Kopf und Körper waren stabil da. Und bereit, stabile Leistung abzurufen. Das Ergebnis: In der Liga ist Freiburg als starker Tabellendritter in die Länderspielpause gegangen: Nur Spitzenreiter Union Berlin hat weniger Niederlagen (keine) als der Sport-Club (eine, 1:3 in Dortmund). Nur Union hat weniger Gegentore (4) als Freiburg (5). Und nur Union und der Tabellenzweite Dortmund haben öfter gewonnen (je 5 Mal) als der SC (4).

In der Europa League hat das Team von Trainer Christian Streich mit etwas Glück gegen Qarabag (2:1) und völlig verdient in Piräus (3:0) gewonnen. Freiburg hat somit als Tabellenführer als einziges Team in Gruppe G zwei Siege auf dem Konto. Wer auf einen Einbruch spekuliert hatte, wurde eines Besseren belehrt: "Das ist der Verdienst der Spieler und aller Leute drum herum, die mit ihnen arbeiten", erklärt Trainer Christian Streich kurz und knapp. Oder anders gesagt: er erklärt genauso effizient, wie seine Mannschaft auftritt.

Wie schlagen sich die Neuen?

"Die kommen und sind da", hat Christian Streich vor kurzem erst wieder die Eingliederung von Neuzugängen beim SC beschrieben. Das gilt in diesem Jahr besonders. Nur Daniel-Kofi Kyreh hatte ein bisschen Verletzungspech. Der Japaner Ritsu Doan hat in Freiburg schon vor dem Bundesliga-Start sein erstes Ausrufezeichen gesetzt: im Pokal rettete er mit seinem Tor in der Verlängerung in Kaiserslautern den Einzug in die zweite Runde. Auch Michael Gregoritsch - den Christian Streich schon nach der Sommervorbereitung herzig als "das Gregerl" betitelte - liefert verlässlich von Beginn an, hat bereits drei Bundesliga- und zwei Europa-League-Tore auf seinem Konto. Ebenso beeindruckend wie die Torausbeute ist, wie integriert die beiden im Spiel des SC sind. Dazu gehört natürlich auch Matthias Ginter. Der Rückkehrer steht in der Innenverteidigung, als wäre er nie weg gewesen und macht es möglich, den eigentlich schmerzhaften Abgang von Nico Schlotterbeck (BVB) gut zu verschmerzen.

Was muss besser werden?

Die Torausbeute. Von den Top Sechs der Liga hat nur Dortmund (9) seltener als Freiburg (10) getroffen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Die beiden torlosen Spiele gegen Mönchengladbach und in Hoffenheim waren torlose Unentschieden - und zwar von der besseren Sorte: Intensiv, Freiburg hat hoch gepresst und beiden Gegnern Probleme bereitet, war dann aber "vielleicht ein bisschen unsauber im letzten Drittel", wie Christian Günter selbstkritisch einräumte. Was der Freiburger Kapitän vor der Länderspielpause nach dem Spiel in Hoffenheim auch gesagt hatte: "Das war wieder eine hervorragende Leistung: vom Willen, vom Läuferischen, von Allem. Da können wir drauf aufbauen, da wollen wir weiter machen!"  Eine klare Ansage vom Kapitän des Sport-Club Freiburg. Und fast schon eine Drohung für die Konkurrenz.

Wo geht es hin für den SC Freiburg?

Es geht gleich knackig weiter. Fünf englische Wochen stehen an. Bis zur WM-Pause (ab dem 14.11) hat der SC dreizehn Spiele in drei Wettbewerben (Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League) auf dem Programm. "Fußball, Fußball, essen, schlafen, Fußball, Fußball." So hat Christian Streich die strenge Taktung mal beschrieben, aber auch gesagt: "Es gibt Schlimmeres für mich". Bislang hat es seine Mannschaft geschafft, konstant zu liefern. Denn müde waren oft die anderen. Aber in der Länderspielpause waren auch zwölf Freiburger Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs.

Unter anderem durfte Vincenzo Grifo seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zur Squadra Azzura und hat sich mit Italien für das Finale der Nations League qualifiziert. Zwar "nur" auf der Bank, aber Reisestress und Länderspielalltag können auch müde machen. Auch Matthias Ginter wurde wieder vom DFB eingeladen und darf sich noch Hoffnung auf die WM machen. Alles auf der einen Seite auch ein Gütezeichen für den SC Freiburg, auf der anderen Seite aber ein Risiko für den Club. Also gelten auch diese Worte von Christian Streich: "In einem Jahr, in dem wir Europapokal spielen, geht es darum, gute Spiele im Europacup zu machen und Freiburg in der Bundesliga zu halten - wenn das gelingt, ist es ein gutes und schönes Jahr!"