Malaika Mihambo

Leichtathletik Malaika Mihambos entspannte Triple-Titel-Jagd

Stand: 22.06.2022 07:52 Uhr

Mit den Deutschen Meisterschaften in Berlin startet die Oftersheimer Weitspringerin Malaika Mihambo ihre dreifache Titelverteidigung. Danach folgen noch Welt- und Europameisterschaften.

Wir treffen Malaika Mihambo am längsten Tag des Jahres. Entspannt sitzt die 29-Jährige im Hof einer ihrer Sponsoren in einem Regiestuhl. Und führt im wahrsten Sinne des Wortes Regie. "Oh, da kommt ein Flugzeug, ich warte kurz", sagt Mihambo bevor sie auf eine unserer vielen Fragen antwortet. Ganz Medienprofi, der Ton wäre vom Geräusch des Flugzeugs am Himmel beeinträchtigt gewesen. Aber für uns viel wichtiger: wir hätten gar nicht die Antwort auf die Frage nach ihren kleinen Zielen und großen Träumen gehört.

"In diese Saison gehe ich eher mit Zielen statt mit Träumen, denn meine Träume habe ich mir eigentlich schon erfüllt", sagt die Olympiasiegerin, Welt-und Europameisterin mit einem breiten Grinsen. Recht hat sie, viel mehr geht nicht. Was nicht heißt, dass nichts mehr geht. "Man kann schon sagen, dass sich mein Titelhunger verändert hat", sagt Mihambo. Immer noch oder immer wieder stolz und glücklich über das, was sie als Sportlerin erreicht hat, "weil ich jetzt weiß, ich muss nichts und niemandem mehr etwas beweisen."

Mihambos Erfolgshunger

Lockerheit, Reife und ziemlich viel Spaß am Beruf

2018 hat Mihambo bei den Europameisterschaften in Berlin ihren ersten internationalen Titel gewonnen. 2019 wurde sie in Doha Weltmeisterin, 2021 gewann sie Gold bei den Olympischen Spielen in Tokio. Titeldruck gibt’s nicht: "Nein, ich kann die nächsten Meisterschaften jetzt mit viel mehr Freude begehen."

Zum Auftakt der Triple-Titelverteidigung geht es erst einmal wieder nach Berlin. Wie immer in den letzten Jahren ist die Weitspringerin von der LG Kurpfalz Topfavoritin. In Berlin wäre es der sechste Freilufttitel bei Deutschen Meisterschaften. "Der Anlauf passt viel besser als im letzten Jahr. Und ich bin wieder sehr schnell", zählt Mihambo das auf, was schon richtig gut läuft. Von bislang fünf Wettkämpfen in dieser Saison hat sie vier gewonnen. Mit 7,09m führt sie standesgemäß die Weltjahresbestenliste an.

Die Baustellen werden bei Spitzenathleten wie Mihambo weniger, aber Luft nach oben ist immer: "Man will ja immer den optimalen Sprung erreichen", erklärt sie mit Feuer in den Augen. "Wenn ich problematisch sage, dann ist das natürlich schon deutlich besser, als beim größten Teil der Menschheit", schränkt sie lachend ein, "aber das zeichnet den Leistungssport aus, da geht es immer um die letzten 0,1 Prozent." 

Uli Knapp statt Carl Lewis: bodenständig und erfolgreich

Als Mihambo 2020 eigentlich bei Leichtathletik-Legende Carl Lewis trainieren wollte, machte ihr Corona einen Strich durch die Rechnung. Der Pandemie sei Dank, denn dann begann die Zusammenarbeit mit Weitsprung-Bundestrainer Uli Knapp. Was Knapp hat, was ein Carl Lewis niemals haben wird? "Dazu müsste ich erst einmal Carl Lewis richtig kennen lernen", sagt Mihambo und erklärt lieber, was die Zusammenarbeit mit Knapp so besonders macht: "Wir haben sehr viel Spaß, lachen viel im Training, das ist einfach eine tolle Stimmung, unter der es Spaß macht, zu trainieren!" Es ist auch diese Lockerheit, die Erfolg bringt. Aber nicht nur. "Ich stehe bei Uli immer als Mensch im Vordergrund. Und wenn mal ein Problem zwischen den Ohren sitzt, dann nimmt er das genauso ernst wie ein körperliches", führt Mihambo noch aus. "Und das ist schön!"

Gemeinsam arbeiten sie weiter am perfekten Sprung. Für Berlin, für die WM im Juli in Eugene (USA) und für die EM im August in München. Und für dieses einzigartige Gefühl: "Je länger der Flug, desto größer der Spaß!"