Jochen Saier

Fußball | Bundesliga Jochen Saier - ein Sportvorstand der leisen Töne

Stand: 11.08.2022 10:44 Uhr

Sportvorstand Jochen Saier bastelt bereits seit neun Jahren am Kader des SC Freiburg - mit großem Erfolg. Dennoch überlässt Saier die großen Auftritte gerne anderen.

Sein Wikipedia-Eintrag besteht nur aus sechs Zeilen. Angelegt wurde er im August 2016 - da war Jochen Saier bereits seit drei Jahren Sportdirektor bzw. Sportvorstand des SC Freiburg. Saier fliegt bei seiner Arbeit gerne unter dem Radar, sein spärlicher Wikipedia-Artikel ist bezeichnend dafür. Während andere Sportvorstände im Wochentakt auf Pressekonferenzen und in TV-Interviews zu sehen sind, hält Saier sich lieber zurück. Als Lautsprecher ist der 44-Jährige jedenfalls nicht bekannt.

Vielmehr schätzt man ihn für seine Akribie. Seine gemeinsame Arbeit, die er von Beginn an eng mit Sportdirektor Klemens Hartenbach und Finanzvorstand Oliver Leki abstimmte, macht er im Hintergrund. "Seriöses Arbeiten", hat er diese Art und Weise einmal in einem Interview genannt. Und wie seriös Saier und sein Team arbeiten, das lässt sich an der Entwicklung des SC Freiburg deutlich ablesen.

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Hartenbach und Saier: Von Interims- zu Dauerlösung

Gemeinsam mit Hartenbach war der gebürtige Lahrer 2013 als Interimsnachfolger für den scheidenden Sportdirektor Dirk Dufner ins Amt gerückt. Wenig später wurde aus der kommissarischen Lösung eine auf Dauer - seit 2014 bekleidet Saier nun den Posten des Sportvorstands. Wie so oft beim Sport-Club: Eine langfristige Lösung, die eine konstante Entwicklung fördern soll. Und das mit Erfolg. In Saiers Amtszeit entwickelte sich der SC stetig weiter, auch Misserfolge wie der Abstieg im Jahr 2015 brachten den Verein nicht vom eingeschlagenen Weg ab.

Dass das Duo Hartenbach-Saier sich perfekt ergänzt, ergibt sich bereits durch die langjährige Arbeit im Verein. Auf der einen Seite Hartenbach, der jahrelang als Leiter der Scouting-Abteilung die Talente anderer Vereine unter die Lupe nahm. Auf der anderen Seite Saier, der sich als Leiter der Fußballschule um die vereinseigenen Talente kümmerte. Ein Konstrukt, das einerseits eine gewisse Durchlässigkeit zwischen Jugendmannschaften und Profis gewährleistet, andererseits aber auch gezielt Verstärkungen von der Konkurrenz im Auge hat.

Durchlässigkeit zwischen Jugend und Profis wichtig

In die Amtszeit des Duos zählen Verpflichtungen, wie die von Nils Petersen, Caglar Söyüncü, Vincenzo Grifo oder Nico Schlotterbeck - allesamt Spieler, um welche sich auch namhafte Konkurrenz bemüht hatte. Im Falle von Schlotterbeck etwa reifte im Breisgau zum Nationalspieler und zog im Sommer für eine Basisablöse von 20 Millionen Euro zu Borussia Dortmund weiter - dem nächsten Freiburger Gegner. Das Bundesliga-Topspiel steigt am Freitagabend um 20:30 Uhr.

Aber auch Eigengewächse wie Christian Günter und Alexander Schwolow schafften den Durchbruch bei den Profis. Auffällig ist: Trotz der mittlerweile deutlich verbesserten "Tiefe" des Freiburger Kaders liegt das Augenmerk beim SC noch immer auf der Aus- und Weiterbildung. Mit Kiliann Sildillia und Kevin Schade stehen derzeit mindestens zwei Spieler aus der eigenen Jugend im Kader von Christian Streich, die in diesem Jahr vor dem oft zitierten Durchbruch stehen dürften. Die Mischung aus "neu" und "alt" passt also - auch weiterhin.

Euphorie im Breisgau

Lob für die Kaderplanung gibt es derzeit viel an der Dreisam - kein Wunder, dass Saier sich deshalb auch selbst schon einigen Wechsel-Gerüchten gegenübersah. Avancen von finanzstärkeren Klubs hielt der Freiburger Sportvorstand bisher aber stand. Die Freiburger dürfte es freuen. Sowieso ist im Breisgau derzeit große Zufriedenheit angesagt. Blickten Fans des SC in den vergangen Jahren oft mit Sorge auf eine Saison mit Teilnahme an der Europa League, sind die Anhänger in der Saison 2022/23 erstmals relativ entspannt.

Der Kader scheint auf die Dreifachbelastung vorbereitet zu sein - eine Leistung, auf die Saier und Hartenbach zurecht stolz sein können. Selbst der Abgang von Nationalspieler Nico Schlotterbeck konnte durch die überraschende Verpflichtung von Eigengewächs und Weltmeister Matthias Ginter kompensiert werden. Dazu kommen Verstärkungen durch begehrte Kräfte wie Daniel-Kofi Kyereh (kam von St. Pauli) und Ritsu Doan (PSV Eindhoven) und die Vertragsverlängerung von Vincenzo Grifo. Spieler also, die auch bei vielen anderen Klubs auf dem Zettel standen - und sich dennoch fürs beschauliche Freiburg entschieden.

"Stolz, keinen Wikipedia-Eintrag zu haben"

Am Wikipedia-Eintrag von Jochen Saier änderten diese jüngsten Achtungserfolge freilich nichts. Bezeichnend für Saiers Zurückhaltung ist auch der eine von nur zwei "Einzelnachweisen", die man auf Wikipedia über ihn findet. "Stolz, keinen Wikipedia-Eintrag zu haben", lautet der Artikel der Kollegen von "Spox", der hier als Quelle angegeben ist. 2014 hat er das gesagt. Es sollte noch zwei weitere Jahre dauern, bis der Name Jochen Saier in der größten digitalen Enzyklopädie der Welt zu finden war.

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