Die Fußballerinnen laufen für den DFB bei der EM in England auf

Fußball | Meinung Equal Pay für deutsche Fußballerinnen? Der DFB ist in der Pflicht

Stand: 22.06.2022 13:53 Uhr

Während die Fußballerinen in den USA, England und Norwegen inzwischen bezahlt werden wie die männlichen Kollegen, hinkt der DFB hinterher. Das muss sich ändern. Die Meinung von SWR-Sportreporterin Ann-Kathrin Rose.

Die USA haben es geschafft. England auch. Spanien. Norwegen. Die Niederlande – und jetzt auch die Schweiz. Sie alle haben sich entschieden – für die gleiche Bezahlung von Fußballerinnen und Fußballern in den Nationalteams. Für Equal Pay. Anders ist das beim größten Fußballverband der Welt, dem DFB. Aber – warum eigentlich?

Schließlich hat DFB-Direktor Oliver Bierhoff zuletzt verkündet, dass die Prämie, die die Fußballerinnen im Falle eines Titelgewinns beim nächsten großen Turnier, der Europameisterschaft, erhalten, ja so hoch sei wie noch nie. 60.000 Euro bekäme jede Fußballerin. Zum Vergleich: Bis zu 400.000 Euro waren es bei den Männern. Die gab es 2014 für den WM-Titel. Ein Bonus für das Turnier in Katar ist noch nicht ausgehandelt.

Einnahmen als Argument?

Ja, da geht es um eine WM und die hat einen anderen sportlichen Stellenwert als ein Turnier auf europäischer Ebene. Das aber ist, sagt Bierhoff, nicht der Grund, warum der DFB die Sache mit dem Equal Pay noch nicht umsetzt. Die Umsätze bei Turnieren der Frauen seien einfach noch nicht identisch mit denen eines Männer-Großereignisses. Das stimmt - aber das hindert andere Verbände ja auch nicht daran, die Bezahlung anzugleichen. Und es klingt ein bisschen wie: Sie haben es sich noch nicht verdient.

Dabei ist der DFB selbst kein Wirtschaftsunternehmen, eigentlich nicht auf Profit ausgelegt, und trotz hipper Marketing-Claims auch kein aufregendes Start-Up. Und sollte Gleichberechtigung deshalb nicht als Vermarktungsinstrument, sondern als Aufgabe verstanden wissen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Nationalmannschaften inzwischen in eine GmbH ausgegliedert sind.

Kein Druck?

Dafür aber muss sich auch der Druck auf den Verband erhöhen – und der ist eigentlich nicht existent. Nationalspielerinnen formulieren eher Wünsche als Forderungen. Selbst Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg findet, man sei auf einem guten Weg. Und verweist darauf, dass Equal Pay nicht in allen Nationen bedeute, dass die Fußballerinnen gleich bezahlt werden, und die unterschiedlichen Modelle auch prozentuale Angleichungen enthalten. Ach und Oliver Bierhoff hat fast schon erleichtert festgestellt, dass ja auch gar keine Erwartungshaltung dagewesen sei.

Aber - warum eigentlich nicht? Weil selbst Funktionärinnen, wie etwa Silke Raml, die in der UEFA-Kommission für die Fußballerinnen sitzt, zuletzt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk betonte, der DFB zeige ja mittlerweile so viel Flagge für den "Frauenfußball". Nur - mit Flaggen können die Fußballerinnen keine Miete zahlen. Sie können, auch weil sie in der Liga nur einen Bruchteil der Männer verdienen, kaum etwas zurücklegen, müssen bisweilen gar nebenher arbeiten. Dennoch, so Raml, seien die Fußballerinnen nicht gut beraten, den DFB "vor sich her zu treiben". Aber – warum eigentlich nicht?

Warum dürfen die Fußballerinnen nicht fordern, dass sich die Bezahlung verbessert? Die Sichtbarkeit? Die Infrastruktur? Die Anstoßzeiten? Warum dürfen die Fußballerinnen nicht vielleicht sogar ein wenig Unterstützung von ihren männlichen Kollegen fordern? Sie dürfen, sie sollten sogar. Denn in Norwegen etwa steuerte das Männerteam einst Einnahmen aus Werbung und Vermarktung bei, damit das Gender Pay Gap bei den Fußballerinnen geschlossen werden kann. Eine Möglichkeit, die auch der DFB in Erwägung ziehen muss. Wenn, ja wenn er denn wollte. Es bleibt also die Frage – warum eigentlich nicht? Andere Verbände haben Equal Pay ja schließlich auch geschafft.

In einer vorherigen Version des Textes stand der DFB sei ein e.V. Das gilt allerdings nicht für die Nationalmannschaften, deshalb wurde diese Information ergänzt.